Kommune goes International

Eine multilaterale Jugendbegegnung digital

Zukunftsträume bei Kommune goes International

Europaweite Lockdowns, abgesagte Jugendbegegnungen, neue digitale Tools und ganz viel Ungewissheit. Für die Kommunen des von IJAB koordinierten bundesweiten Netzwerks Kommune goes International und ihre internationalen Partner der richtige Zeitpunkt, um ein spannendes – und dringend notwendiges – Experiment zu wagen: eine multilaterale Jugendbegegnung digital. Wie geht das überhaupt und was lernen wir daraus für die Zukunft der Internationalen Jugendarbeit?

16.12.2020 / Natali Petala-Weber

Lachen, Weinen, Bewegung und Tanz, fremde Sprachen, neue Kulturen, neue Freunde: Alles das, was eine internationale Jugendbegegnung mit sich bringt, gab es vom 11. bis zum 13. Dezember 2020 für 44 junge Menschen aus 12 Städten in 6 Ländern und 4 Zeitzonen. Nur eines war diesmal anders als sonst: Die Begegnung fand im virtuellen Raum statt. Junge Menschen aus Deutschland, England, Griechenland, Polen, Spanien und der Türkei im Alter zwischen 14 und 24 Jahren tauschten sich drei Tage lang zu ihren Visionen, Träumen, Ängsten, Erfahrungen und Lebensgewohnheiten, auch im Zusammenhang mit der Pandemie, aus. Gemeinsam überwanden sie so für kurze Zeit die Grenzen von Raum und Zeit – inmitten des zweiten Lockdowns.

Da internationale Jugendbegegnungen in Zeiten von Corona – wenn überhaupt – schwer umsetzbar sind, rief IJAB Mitgliedskommunen des Netzwerks „Kommune goes International“ (KGI) auf, sich an diesem virtuellen Experiment mit dem Titel „Zukunftsträume: Dream your Future“ zu beteiligen. Sechs Kommunen aus fünf Bundesländern folgten diesem Aufruf gemeinsam mit ihren internationalen Partnerorganisationen: Die Städte Eislingen/Fils (BW), Hamm (NRW), Kassel (HE), Köln (NRW), Oldenburg (NI) und der Landkreis Teltow-Fläming (BB) luden Jugendeinrichtungen aus ihren internationalen Partnerstädten Bradford (England), Huarte (Spanien), Seferihisar (Türkei), Thessaloniki (Griechenland), Poznan und Toruń (Polen) zum Mitmachen ein. Das Ziel: Über Ländergrenzen hinweg gemeinsam kreativ werden, Neues lernen, Freundschaften schließen.

Speed-Dating, Zahlenjagd und „something red“

44 aufmerksam neugierige Gesichter blinzeln eins nach dem anderen bei der Ankunft in den Zoom-Raum am Freitagnachmittag zu Beginn der internationalen Jugendbegegnung in den virtuellen Raum. Manche von ihnen sitzen gemeinsam im Jugendzentrum, die meisten aber befinden sich zuhause in ihrem Zimmer, alleine, zu zweit oder zu dritt. Mit einer herzlichen Begrüßung von Helena Sattler, die als Online-Moderatorin die Jugendlichen durch das Programm begleitet, werden sie auf Englisch zu einigen Runden Speed-Dating in Breakout-Sessions eingeladen. Erstes Warming-Up kommt auf und wird von Bettina Wissing von der Kompetenzstelle Sprache bei IJAB mit Sprachanimationsspielen aufgegriffen: Mithilfe von Rhythmus, Bewegung, Farben und ganz viel Spaß lernen die Jugendlichen erste Wörter in den Sprachen der Partnerländer kennen und bekommen ein Gefühl für die kulturelle Vielfalt, die in diesem Raum an diesem Tag steckt.

Dazu Gelegenheit bietet auch das optionale, von den Jugendlichen selbst gestaltete Abendprogramm über die Software Discord: Beim Quatschen, digitalen Spielen wie Minecraft und Scribblio sowie dem Austausch von Tutorials zu Aquarellzeichnen und anderen Hobbies lernen sich die Jugendlichen besser kennen. Bereits am Ende des ersten Tages werden Kontakte länderübergreifend geknüpft und viele der Jugendlichen vernetzen sich über ihre Instagram-Profile.

Drums, Drama-Lama und Dream-Fotografie

Die erste virtuelle internationale Jugendbegegnung des KGI-Netzwerks hat sogar bereits einen eigenen „Soundtrack“ – so der Einstieg der Moderatorin am zweiten Tag der Begegnung. In dem Song „It doesn’t mean – Egal von wo du herkommst, du kannst alles erreichen“ des Kölner Jugendzentrums TREFFER, eine der Partnerorganisationen in diesem Projekt, rappen 29 Jugendliche ihre Message für die Zukunft vor: Liebe, Hoffnung, Mut. In der Galerieansicht des Zoom-Raums erkennt man beim Streaming des Musikvideos direkt schunkelnde Jugendliche aus sechs Ländern, einige von ihnen stehen zum Tanzen sogar auf.  Fazit: Gemeinsam Musik hören im virtuellen Raum verbindet und steigert die Energie.

Aus diesem Grund werden die Jugendlichen auch ganz schnell in die von ihnen jeweils ausgewählten Workshop-Sessions „gebeamt“, wo sie für die nächsten beiden Tage – passend zum Motto der Begegnung „Zukunftsträume“ - gemeinsam musizieren und kreativwerden können. In sechs gemischten Workshops geleitet von internationalen Workshopleiter(inne)n, die die Partnerkommunen akquiriert haben, wird die kreative Vielfalt der Jugendlichen gefördert: Trommeln, Fotografie, Tanz, Theater, Malerei und Rap stehen zur Auswahl.

Für alle ist das ein Experiment: Für die Partnerkommunen und ihre Partnerorganisationen im Ausland, für die Workshopleitenden und für die Jugendlichen sowieso. Einzelne Elemente der Pädagogik in den digitalen Raum zu bringen, so, dass sie auch die Jugendlichen erreichen – das muss man erstmal ausprobieren. Was am letzten Tag der Begegnung, am Sonntagnachmittag, aber durch die Präsentationen der Jugendlichen deutlich wird: Das Experiment ist geglückt!

Die Teilnehmenden sind dankbar, dass sie im virtuellen Raum eine Bühne erhalten, um ihre Ängste und Sorgen in Bezug auf das Virus und ihre Visionen für die Zukunft in einer kreativen Vielfalt zu präsentieren. So zeigt ein digitales Theaterstück wie einzelne Stimmen aus dem digitalen Raum mit dem Corona-Virus ins Gespräch kommen, um dann die übrigen Zuschauer/-innen einzuladen, selbst mit dem Virus zu sprechen. Im Tanzworkshop verbinden die Jugendlichen sogar ihre neu erworbenen Kompetenzen mit bereits vorhandenen Fertigkeiten und überraschen die Workshopleiterin selbst mit einer eigens kreierten Videokomposition mit Tanzperformance. Auch die virtuelle Fotoausstellung auf Padlet gibt Einblicke in die Lebenswelten der Jugendlichen auf einzigartige Weise. Das Gejubel im digitalen Raum und das fleißige Händeschütteln in die Kamera zum Applaus spricht für sich.

Das war nur der Anfang…

Am Ende waren sich die beteiligten Organisationen über eine Sache einig: Das war nur der Anfang! Die ersten Rückmeldungen der Jugendlichen und der beteiligten Partnerorganisationen sind sehr deutlich: Man muss ein solches Format unbedingt wiederholen, denn es überwindet Grenzen - im Kopf und im Herzen. Die Freundschaften, die durch diese digitale Begegnung geknüpft wurden, sollten zukünftig gestärkt werden durch reale Begegnungen, wenn Reisen wieder möglich ist. Für viele der Jugendlichen war die Begegnung „Zukunftsträume: Dream your future“ die erste internationale Erfahrung überhaupt. Ein guter Einstieg für viele weitere internationale Begegnungen und Freundschaften, die noch folgen können. Die Erfahrungen der Veranstaltung werden in den nächsten Wochen ausgewertet und die Erkenntnisse anschließend zur Verfügung gestellt.

Die virtuelle internationale Jugendbegegnung wurde gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie der Stadt Hamm.

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Über das Netzwerk Kommune goes International

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