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Nordafrika

Lokaltermin

Jugendarbeit in Casablanca

Im Rahmen der Konferenz Act to Chance! hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, einen persönlichen Eindruck von der Jugendarbeit vor Ort, von Arbeitsbedingungen, Aufgaben, Chancen und Herausforderungen zu gewinnen. Es standen sechs unterschiedliche Angebote zur Verfügung, aus denen die Teilnehmenden wählen konnten.

19.08.2020 / Dr. Anneli Starzinger

Thema Umweltschutz

Field Visit: Verband der Lehrerinnen und Lehrer für Naturwissenschaften (AESVT Maroc)

AESVT hat den Aufbau einer modernen und integrativen Gesellschaft im Einklang mit den Werten nachhaltiger Entwicklung zum Ziel. Der Verein hat 2.000 Freiwillige und 13 festangestellte Mitarbeiter. Er besteht aus einem Netzwerk von 39 Unterorganisationen und betreibt 8 Umweltbildungszentren.

Die Ziele des Verbandes sind wie folgt:

Field Visit: Verein Tahadi für Gleichheit und Nachbarschaft ATEC

Der Verein Tahadi für Gleichheit und aktive Bürgerschaft (Association Tahadi pour l‘Egalité et la Citoyenneté - ATEC), hervorgegangen aus dem Verein für Umwelt Tahadi (ATE), ist ein demokratischer und unabhängiger Verein. Er wurde als Nachbarschaftsverein für Menschen- und Frauenrechte gegründet, um das Wohnviertel zu einem menschenwürdigen Ort zu machen und die Lebensqualität seiner Bewohner zu verbessern.

"Die Herausforderung entsteht im Viertel" und "Handele in deinem Viertel, um deine Gesellschaft aufzubauen" sind das Motto des Vereins. Neben Umweltproblemen sind für ATEC folgende Herausforderungen zu bewältigen: Kriminalität, Armut, Arbeitslosigkeit, Drogen, Gewalt (insbesondere Gewalt an Frauen), Prostitution, Bildungsarmut, Schulabbruch, Extremismus, Probleme der Emigration von jungen Menschen.

Der Verein setzt sich besonders für Geschlechtergerechtigkeit und Teilhabe von Frauen und jungen Menschen ein.

Seine wichtigsten Ziele sind in Bezug auf Frauen

In Bezug auf Kinder und Jugendliche:

Thema Extremismus und friedliche Koexistenz

Field Visit: Marokkanische Vereinigung der Opfer des Terrorismus

Nach den Terroranschlägen Anfang der 2000er Jahre in Marokko gründete sich die Vereinigung für die Opfer terroristischer Anschläge, ist aber gleichzeitig offen für alle, die sich in der Radikalisierungs- und Terrorismusbekämpfung engagieren wollen.

Ihre Ziele sind:

Die Vereinigung hat eine Sensibilisierungskampagne in den Grundschulen unter dem Thema "Werteerziehung und die Ablehnung aller Formen von Gewalt" in Casablanca gestartet und die Aktion im Laufe der Jahre auf andere Städte wie Marrakesch, Tanger, Tetouan, Alhoceima, Agadir, Safi etc. erweitert. Schulische Workshops haben in verschiedenen Regionen Marokkos und auch in Paris stattgefunden. Wichtiges Element bei der Arbeit an Schulen ist die Sensibilisierung der Eltern für die Gefahr sozialer Netzwerke für ihre Kinder.

Methodisch verwendet die Vereinigung für ihre Arbeit bevorzugt künstlerische Mittel. Dies gilt für die Arbeit innerhalb der schulischen Curricula. Beispiele dafür sind aber auch ein Malworkshop zum Thema "Kunst im Dienst von Frieden und Toleranz", Filmtage unter dem Motto "Kino als Werkzeug gegen Radikalisierung und Gewalt“ oder literarische Cafés.

Thema Beteiligungsstrukturen junger Menschen in Politik und Gesellschaft

Field Visit: Regionalbeirat für Jugend der Region Casablanca Settat

Der Regionalbeirat für Jugend in Casablanca wurde im Januar 2018 als Maßgabe der neuen Verfassung und als demokratisches Element des Regionalisierungsprozesses in Marokko gegründet.

Die Marokkanische Verfassung von 2011 schreibt in Artikel 139 fest, dass in die verschiedenen Entwicklungsprozesse Bürger und Verbände sowohl auf lokaler als auch auf regionaler Ebene einbezogen werden sollen. Artikel 116 des Gesetzes zur Regionalisierung legt fest, dass gewählte Regionalräte partizipative Mechanismen für Dialog und Beratung einrichten sollen, in die Bürger und Verbände Empfehlungen, Vorschläge und Petitionen einreichen können und Entwicklungsprogramme durchführen, beobachten und bewerten können.

Der Regionalbeirat für Jugend berät die gewählten Regionalräte und verschafft den Bürgern und hier hauptsächlich den Jugendlichen aus der Casablanca Settat Region eine Stimme.

Thema Empowerment, soziale Gerechtigkeit und berufliche Integration

Field Visit: Kulturzentrum Sidi Moumen IDMAJ

Der Nachbarschaftsverein IDMAJ entstand aus dem Bedürfnis heraus, Jugendliche dazu zu befähigen, andere Jugendliche zu fördern. Sein Ziel ist es, junge Menschen dabei zu unterstützen, dass sie benachteiligten Gleichaltrigen dabei helfen sich weiter zu entwickeln. Über 90 Prozent der Mitglieder von IDMAJ stammen aus armen und unterversorgten Vierteln. Sie kennen die Bedürfnisse, Hoffnungen und Sorgen der jungen Bewohner dieser Viertel.

Im Kulturzentrum Sidi Moumen des Nachbarschaftsvereins IDMAJ gibt es eine Vielzahl von Bildungs- und kreativen Angeboten. Es werden Kurse in Sport, Mathematik, Physik, Informatik sowie Englisch- und Französischunterricht für Kinder und Erwachsene angeboten sowie Nachhilfe und Prüfungsvorbereitung. Zu den Aktivitäten gehören kreative Kunstkurse wie Theater, Tanz, Nähen, Malen, Musik, Gitarre, Schlagzeug und Blasorchester.

Workshops und Projekte

Das Kulturzentrum Sidi Moumen organisiert zahlreiche Workshops und Projekte, darunter Al Mowaten und ein Mediationstraining. Al Mowaten („Der Bürger“) ist ein Projekt zur politischen Bildung, das von IDMAJ in Zusammenarbeit mit der britischen Botschaft in Rabat entwickelt wurde, um junge Menschen und Frauen aus benachteiligten Stadtteilen in Casablanca auszubilden und zu fördern. Durch Workshops zu Führung, Staatsbürgerschaft und Familienmediation haben die Programmteilnehmenden gelernt, Konflikte friedlich und ohne Gewalt zu lösen. Das Mediationstraining hat zum Ziel, über die Mudawana (marokkanisches Familienrecht) aufzuklären und Konfliktlösungs- und Mediationsfähigkeiten zu vermitteln, um Gewalt in der Schule zu verhindern und alltägliche Probleme in Familie und Gemeinschaft zu lösen.

Interkulturelle Austausche

IDMAJ nimmt auch an mehreren interkulturellen und internationalen Projekten weltweit und einem Schüleraustausch mit den Vereinigten Staaten teil, wie beispielsweise dem Global Voices-Projekt mit der Syracuse University und dem School2School-Projekt mit der Grand Rapids Highschool.

Field Visit: Kulturzentrum „Les Étoiles de Sidi Moumen (Die Sterne von Sidi Moumen)“

Das Kulturzentrum „Die Sterne von Sidi Moumen“ wurde auf Initiative des marokkanischen Filmemachers Nabile Ayouch gegründet. Es ist ein Ort der Begegnung mit Schwerpunkt auf Bildungaktivitäten in den Bereichen Kunst, Musik, Tanz, Theater, Film und Fremdsprachen.

Die Ali-Zaoua-Stiftung, Träger des Kulturzentrums, wurde ins Leben gerufen, um jungen Menschen in benachteiligten Vierteln zu ermöglichen, sich anders als durch Gewalt auszudrücken. Der Stadtteil Sidi Moumen erhielt nach den Anschlägen vom 16. Mai 2003 traurige Bekanntheit. Die Selbstmordattentäter, die sich an mehreren Orten in Casablanca in die Luft sprengten, entstammten diesem Stadtteil. Aus diesem Grund hat sich die Ali-Zaoua-Stiftung zum Ziel gesetzt, sich im kulturellen und künstlerischen Bereich für die soziale Entwicklung der Jugendlichen dieses Stadtteils einzusetzen und für sie einen Raum für Dialog und Austausch zu schaffen, sie mit ihrem sozialen Umfeld zu versöhnen und so ihre psychosoziale Rehabilitation zu fördern.

Das Zentrum verfolgt den pädagogischen Ansatz, nicht in erster Linie Freizeitaktivitäten anzubieten, sondern die jugendichen Besucher(inne)n bei der Verfolgung einer künstlerischen Karriere zu unterstützen. Den Kindern und Jugendlichen werden gute professionelle Lehrer/-innen und Trainer/-innen zur Verfügung gestellt, um ihnen damit eine echte Perspektive in einem künstlerischen Beruf zu ermöglichen.

orientalische Rosette
Act to Change!
Übersichtsseite dieses Dossiers
Download der Konferenzdokumentation "Act to Change!"
Konferenz zum Jugend- und Fachkräfteaustausch zwischen Deutschland, Ägypten, Marokko und Tunesien
Act to Change!
مؤتمر تبادل الكفاءات والشباب بين ألمانيا و مصر و المغرب وتونس
!العمل من أجل التغيير
Eine Frau spricht in ein Mikrofon auf einer Bühne, fünf weitere Menschen hören ihr zu.
Über die Zusammenarbeit mit Nordafrika

IJAB vernetzt die Träger im Austausch mit Tunesien, Ägypten und Marokko. Wir bieten Interessierten Information und Beratung zum Jugend- und Fachkräfteaustausch mit Nordafrika an.

Ansprechpartnerinnen
Christiane Reinholz-Asolli
Referentin für internationale jugendpolitische Zusammenarbeit
Tel.: 0228 9506-112
Anke Müller
Anke Müller
Sachbearbeitung / Assistenz Geschäftsbereichsleitung Internationale jugendpolitische Zusammenarbeit
Tel.: 0228 9506-103