Ein Mann steht vor einem Gebäude Ein Mann steht vor einem Gebäude
Youssef Askour vor seiner Kommunikationsagentur
Nordafrika

Kultur verbindet Menschen

Ein Kulturzentrum unterstützt Partizipation

Youssef Askour sagt: "Es ist schwierig, Jugendliche für Politik zu gewinnen. Der Zugang über kulturelle Themen ist einfacher. Auf diese Weise kann man die Beteiligung von Jugendlichen stärken und ihnen ermöglichen, gesellschaftlichen Einfluss zu nehmen". Sein Kulturzentrum macht das täglich.

19.08.2020 / Dr. Anneli Starzinger

Essaouira ist eine lebendige kleine Stadt an der Atlantikküste mit 85000 Einwohnern. Die Medina, die von der UNESCO unter das Weltkulturerbe gestellt wurde, zieht Touristen aus der ganzen Welt an. Hier haben Juden und Muslime schon im Mittelalter in friedlicher Koexistenz gelebt.

Youssef Askour hat sein Büro unweit der Medina in einer Medienagentur, die er mit Kollegen betreibt. Von hier aus leitet er auch auf freiwilliger Basis die Geschicke der Organisation „Association les amis du verbe“. Ziel der Organisation ist es, ein Bewusstsein für die Kultur Marokkos zu schaffen, vor allem bei jungen Menschen. Die Kultur, sagt er, sei ein gemeinsamer Nenner, egal ob Theater, Musik, Kunst oder Film. Es geht um das gemeinsame immaterielle Erbe, das Menschen verbinden könne.

Bestandteil dieser Arbeit ist auch das Radio Maroc Culture. Es wird von Jugendlichen gemacht. Sie stellen Podcasts und Videos her im Medienstudio von Youssef Askour. Es sei schwierig, Jugendliche für Politik zu gewinnen, sagt er. Der Zugang über kulturelle Themen sei einfacher. Auf diese Weise könne man die Beteiligung von Jugendlichen stärken und ihnen ermöglichen, gesellschaftlichen Einfluss zu nehmen. Das betreffe auch zum Beispiel Themen wie Klimawandel und Umweltschutz. Über den Podcast könnten Jugendliche in den Diskurs einsteigen und ein gemeinsames Umweltbewusstsein schaffen. Die Kompetenzen, die sie sich bei der Medienarbeit aneigneten, könnten ihnen später helfen, Arbeit zu finden und Geld zu verdienen. Die Zielgruppe der Organisation sind eher gebildete, medienaffine junge Menschen. Dabei reicht die Altersspanne von 6 bis 40 Jahren. Die Beiträge für das Radio kommen aus ganz Marokko, das heißt, die Podcasts werden nicht nur vor Ort erstellt, sondern auch von den Jugendlichen zuhause und dann über Radio Maroc Culture gesendet.

Die Organisation begleitet noch ein zweites, sehr erfolgreiches Projekt, das eng mit der Geschichte Essaouiras verknüpft ist. In der Medina haben Juden und Muslime, Künstler und Händler im Mittelalter friedlich nebeneinander gelebt. Es gab die Tradition, sich auf einem zentralen Platz zu treffen und sich in einem öffentlichen Diskurs auszutauschen. Dieser Dialog wird von der Organisation simuliert mit Schülerinnen und Schülern der vier örtlichen Gymnasien – insgesamt erreichten sie mit dem Projekt 1500 Jugendliche. Das Ganze wird wie eine Art Debattierwettbewerb durchgeführt. Als Preis winkt ein Besuch für die vier Gewinner/-innen bei der Partnerorganisation in Toulouse, Frankreich.

Im Gegenzug waren Jugendliche aus Toulouse zu Besuch in Essaouira: internationaler Jugendaustausch. Youssef Askour betont, wie wertvoll dieser Austausch sei. Er fördere Horizonterweiterung und Toleranz bei den Jugendlichen und stärke ihr Selbstwertgefühl. Internationale Jugendarbeit sei die einzige Möglichkeit, um dauerhaft Frieden herzustellen. Es gebe nicht EINE Wahrheit in der Welt, sondern viele unterschiedliche Wahrheiten. Das würden die Jugendlichen bei den Austauschmaßnahmen lernen.

Youssef Askour widmet die Hälfte seiner Arbeitszeit ehrenamtlich dem Engagement für die Organisation. Neben ihm tun das noch drei Kollegen. Unterstützt wird die Arbeit von „Les amis du verbe“ von der Agence française de développement (AFD). Die AFD finanziert und befördert so die Idee, den Übergang zu einer gerechteren und nachhaltigeren Welt. Klima, biologische Vielfalt, Frieden, Bildung, Stadtplanung, Gesundheit, Regierungsführung sind zentrale Inhalte ihrer Arbeit.

Damit ist sie Teil des Engagements Frankreichs für die Umsetzung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs). Im Falle der „Association les ami du verbe“ betrifft die Förderung im Wesentlichen die Ausstattung des Studios, die, so sagt Youssef Askour, nicht wirklich professionell sei, aber ihren Zweck erfülle. Ohne das ehrenamtliche Engagement von ihm und seinen Kollegen sei die Arbeit aber nicht möglich. Dabei strahlt er selbstbewusst. Man spürt, wie viel Freude ihm sein Engagement macht.

Mehr Informationen: www.lesamisduverbe.org

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Anke Müller
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