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Kommune goes International

Neue Wege am Übergang Schule-Beruf

Auslandsaufenthalte zur Integration in Bildung und Arbeit

Die LeeWerk-WISA gemeinnützige Gesellschaft für Qualifizierung, Beschäftigung und Integration mbH ist Experte für den Bereich Übergang Schule Beruf und schreckt nicht davor zurück, dabei neue Wege einzuschlagen.

13.03.2020 / Elena Neu

Seit 2015 führt sie das Projekt „Horisontti“ durch, welches jungen Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 35 Jahren, die im ersten Anlauf keinen Fuß im Ausbildungs-/Arbeitsmarkt fassen konnten, einen zweimonatigen Auslandsaufenthalt in Finnland oder Italien ermöglicht. Die Praktika werden individuell geplant und können z. B. im handwerklichen, kaufmännischen oder sozialen Bereich, im Verkauf oder in der Gastronomie- und Tourismusbranche durchgeführt werden.

Ziel des Projektes ist es, junge Erwachsene durch den Auslandsaufenthalt stufenweise und nachhaltig in Arbeit oder Ausbildung zu integrieren bzw. die (Wieder-) Aufnahme einer Schulbildung zu erreichen. Bei der Mehrheit der bislang 86 Teilnehmenden am Projekt konnte dieses Ziel erreicht werden.
Am Projekt beteiligt sind die Landkreise Leer sowie Aurich und die Stadt Emden, Projektpaten aus den dortigen Jobcentern sowie Projektpartner aus der Kleinstadt Nurmes, Finnland und Florenz, Italien.

Darüber, wie sie es geschafft hat, dieses Projekt auf die Beine zu stellen und Betriebe und Teilnehmende für die Idee zu gewinnen, berichtet Daniela Saadhoff-Waalkens von der LeeWerk WISA GmbH:

Wie haben Sie es geschafft, diese (rechtskreisübergreifende) Kooperation auf die Beine zu stellen?

Durch Überzeugung! Das Projekt „Horisontti“ und die dort vorhandene gute finanzielle Ausstattung ermöglicht eine engmaschige Betreuung. Das fachlich gut ausgebildete Personal und die zuverlässigen ausländischen Partner tragen dazu bei, gute Erfolge für die bildungsfernen Teilnehmenden zu erzielen. Mit dieser Struktur haben wir sukzessive die rechtskreisübergreifende Kooperation ausgeweitet. Um die Ergebnisse zu verbreiten, initiieren wir regelmäßig Veranstaltungen in denen sich die ehemaligen Teilnehmenden vorstellen und ihre Erfahrungen darstellen. Diese Plattform ermöglicht eine Sichtbarmachung der Entwicklungsgeschichte der jungen Menschen unter Einbeziehung der Institutionen, die die Jugendlichen betreuen. Besonders die Verän-derungsprozesse der Teilnehmenden haben die zuständigen Arbeitsberater/innen, bzw. Fallmanager/innen überzeugt, diese Projekte in ihr Portfolio aufzunehmen und zu befördern.

Was waren besondere Herausforderungen bei der Suche nach Praktikumsplätzen und/oder in der Begleitung der Teilnehmenden? Wie haben Sie es geschafft, diese zu bewältigen?

Eine große Hürde ist bei (fast) jedem Auslandsaufenthalt die Orientierungslosigkeit der Teilnehmenden oder auch eine passgenaue Vermittlung in Wunschpraktika zu realisieren. Weiterhin liegt eine Schwierigkeit darin, Betriebe davon zu überzeugen, dass die Beschäftigung von Praktikumsanwärter/innen ohne ausreichende Kenntnisse in der Landessprache durchaus Vorteile mit sich bringt. Den Herausforderungen mit der Zielgruppe begegnen wir mit einem ausgewogenen Angebot zwischen Einzel- und Gruppencoachings, die bedarfsorientiert durchgeführt werden. Eine stabile und enge Betreuung durch sozialpädagogisch ausgebildetes Personal bildet die Vertrauensbasis, die notwendig ist, um Abbrüche während der Zeit im Ausland zu verhindern und die Balance zwischen Wunsch und Wirklichkeit herzustellen.
Die kooperierenden Betriebe im Ausland werden zum sozialen „Branding“ beraten und vielfach überzeugt, durch das Angebot von Praktika ihrer Belegschaft internationale Kontakte zu ermöglichen. Die Akquise der Praktikumsplätze ist in der Regel nur möglich durch das gute Netzwerk unserer Kooperationspartner vor Ort und deren Unterstützung.
    
Was würden Sie anderen Kommunen empfehlen, die mit ähnlichen Zielgruppen arbeiten?

Wir haben festgestellt, dass eine der größten Hürden die Erreichung der Zielgruppe darstellt. Um dieses Problem zu lösen, hat sich die Kooperation mit lokalen Trägern der Jugendhilfe bewährt. Diese Einrichtungen sind mit den Schwierigkeiten der Zielgruppe und den bestmöglichen Lösungsoptionen vertraut, so dass mit den damit vorhandenen Strukturen eine optimale Ansprache und ein reibungsloser Übergang in die internationalen Projekte erfolgen kann. Weitere Komponenten für erfolgreiche internationale Arbeit mit Zielgruppen mit besonderem Unterstützungsbedarf sind die gute Vorbereitung, eine permanente Begleitung im In- und Ausland und eine individuelle Nachbereitung des Auslandsaufenthaltes.
Ergänzend dazu haben wir ein kombiniertes Konzept für die Zielgruppe entwickelt: „Step by Step“ berücksichtigt die ganz persönlichen Einschränkungen und Ängste der Teilnehmenden und führt diese „in kleinen Schritten“ an Mobilitätsvorhaben heran.

Das Projekt „Horisontti“ wird im Rahmen der ESF-Integrationsrichtlinie Bund, Handlungsschwerpunkt „Integration durch Austausch (IdA)“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert.

 

 

Über das Netzwerk Kommune goes International

Das Netzwerk Kommune goes international (KGI) ist die Anlaufstelle für Kommunen, die gezielt Angebote Internationaler Jugendarbeit lokal aus- und aufbauen möchten. Erfahren sie mehr darüber!

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Referentin für Internationale jugendpolitische Zusammenarbeit
Tel.: 0228 9506-102
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Referentin für Internationale jugendpolitische Zusammenarbeit
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