Skateboardfahrer vor chinesischer Hochhauskulisse Skateboardfahrer vor chinesischer Hochhauskulisse
China

„Freiwillige bekommen in der Krise mehr Anerkennung“

Impressionen aus dem deutsch-chinesischen Fachkräfteautausch

Gemeinsam mit der chinesischen Partnerorganisation Chinese Young Volunteers Association hat IJAB den Fachkräfteaustausch mit China in den virtuellen Raum verlegen können. Dank jahrelanger Zusammenarbeit und der beidseitigen Offenheit für neue Wege war dieser deutsch-chinesische digitale Austausch sehr erfolgreich.

16.12.2021 / Annika Gehring

Knapp zwei Jahre seit dem ersten Auftreten wirft die Corona-Pandemie weiter ihre Schatten auf den internationalen Austausch. Auch der deutsch-chinesische Austausch für Fachkräfte der Kinder- und Jugendarbeit, der seit 2006 von IJAB im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend umgesetzt wird, bleibt davon nicht unberührt.

Wo ein Wille, da ein Weg – besonders in Corona-Zeiten

Bereits im Mai/Juni ebneten Vertreter*innen aus Deutschland und China in jugendpolitischen Gesprächen den Weg zum zukünftigen bilateralen Austausch. Um auch in diesem Jahr den Austausch zwischen Fachkräften aus China und Deutschland zu ermöglichen, wurde daher für 2021 ein zweitägiger virtueller Fachkräfteaustausch zum Thema „Jugendarbeit und freiwilliges Engagement junger Menschen“ verabredet.

Auf dieser Grundlage konnte IJAB im November/Dezember mit dem chinesischen Partner CYVA (Chinese Young Volunteers Association) in zwei Terminen den deutsch-chinesischen Fachkräfteaustausch im virtuellen Raum fortführen. Deutsche und chinesische Fachkräfte aus der Jugendarbeit, die mit jungen Menschen und Fachkräften praktisch arbeiten und/oder über Erfahrungen im freiwilligen Engagement verfügten, hatten so die Möglichkeit, sich frei und ergebnisoffen miteinander auszutauschen, die Freiwilligen- und Jugendarbeitslandschaft des jeweils anderen Landes kennenzulernen und voneinander zu lernen.

Strukturen und Best-Practice in China…

Wie gefestigt die Strukturen auf beiden Seiten inzwischen sind, wurde in ersten Präsentationen zur Freiwilligenarbeit junger Menschen und aktuellen jugendpolitische Entwicklungen deutlich: die CYVA berichtete über das seit 2001 zentralisierte System der Freiwilligenregistrierung, über das inzwischen rund 100 Millionen chinesische Freiwillige zur Verfügung stehen; ca. 34 Millionen von ihnen sind Jugendliche und junge Erwachsene. Zahlreiche Projekte, wie beispielsweise der „Staffellauf gegen Armut“, Katastrophen- und Pandemiehilfe, aber auch die Betreuung von Wanderarbeiterkindern können so organisiert und umgesetzt werden.
So setzt sich auch das vorgestellte Praxisbeispiel „Feuerfunke“ für die Bekämpfung von Kinderarmut ein, indem es zum einen den Kindern und Jugendlichen einen sicheren Weg zu funktionierenden Schulen garantiert und somit Einkommen für die Eltern auf dem Land etabliert.

…und Deutschland

Dem gegenüber machte die Präsentation der Kölner Freiwilligenagentur den föderalistisch und vom Subsidiaritätsprinzip geprägten Ansatz der deutschen Freiwilligenarbeit deutlich: Junge Menschen aus Köln und Partnerstädten Kölns werden im Netzwerk der beteiligten Partnerstädte – u.a. Peking – in Einsatzstellen entsandt, um dort internationale Erfahrungen zu machen und zu arbeiten. So zeigte sich, dass sich in Deutschland interessierte und engagierte junge Menschen an ihren eigenen Interessen orientiert im Rahmen eines pädagogischen Lern- und Qualifizierungsprozesses selbst- und eigenständig im Ehrenamt einsetzen.

Auch das vorgestellte deutsche Praxisbeispiel von Nummer gegen Kummer machte diesen individuellen Ansatz deutlich: Als Dachorganisation des größten, kostenfreien, telefonischen Beratungsangebotes für Kinder, Jugendliche und Eltern in Deutschland wird neben dem Einsatz an sich auch ein Fokus auf Ausbildung, Selbstreflexion und die eigenen Erfahrungen gelegt. Vor allem der Peer-to-Peer-Ansatz von Nummer gegen Kummer beeindruckte die chinesischen Teilnehmenden, zeigt er doch gerade bei dieser Art von Beratungsangebot, dass befähigte junge Menschen oft den besten Zugang zu den Sorgen und Problemen ihrer Altersgruppe ermöglichen.

Freiwilligenarbeit in Pandemiezeiten – ein neuer Grad an Würdigung?

Ein chinesisches Sprichwort besagt – ähnlich wie das deutsche – „es gibt immer zwei Seiten einer Medaille“, in diesem Fall laut der CYVA unser „übliches“ Leben und die Corona-Krise.

Natürlich beschäftigten alle teilnehmenden deutschen und chinesischen Fachkräfte auch die durch die Corona-Pandemie entstandenen Herausforderungen an sich selbst und die eigene Arbeit. Viele Teilnehmende konnten trotz aller Widrigkeiten jedoch auch von positiven Erlebnissen berichten: ein chinesischer Astronaut sendete beispielsweise aus dem Weltall Grüße an allen Freiwilligen, die sich so geehrt und in ihrer Arbeit bestätigt fühlten. Daraufhin registrierten sich in China noch mehr neue Freiwillige im zentralen System.

Auch auf deutscher Seite nahm die Motivation für ehrenamtliches Engagement während der Pandemie nicht ab, im Gegenteil: manche Organisationen hatten inzwischen bereits Wartelisten, Andere freuten sich dank der digitalen Angebote über neu erreichte Zielgruppen. Trotzdem durfte natürlich nicht vergessen werden, dass manche Ehrenämter momentan gar nicht ausgeübt werden können.

Gerade in Pandemiezeiten, so waren sich viele Teilnehmende letztendlich trotzdem einig, hat die Freiwilligenarbeit eine neue Form von Würdigung erfahren, erhält sie doch den Solidaritätsgedanken und die Besinnung auf das Gemeinwohl.

Der erste deutsch-chinesische virtuelle Fachkräfteaustausch – Rückblick und Ausblick

Insgesamt konnten alle Teilnehmenden in den zwei virtuellen Begegnungen viele Impressionen und Ideen mitnehmen. Trotz der unterschiedlichen Ansätze für Jugendarbeit und freiwilliges Engagement junger Menschen gab es doch viele Momente der Gemeinsamkeiten, die auch Schnittstellen für die weitere Zusammenarbeit und Weiterentwicklung erkennen ließen. Gerade durch die Möglichkeit der simultanen Dolmetschung konnte die sprachliche Barriere schnell überwunden werden und so den Raum für einen aktiven und vertrauten Austausch ermöglichen.

Dieser Austausch zwischen deutschen und chinesischen Teilnehmenden konnte letztlich nicht nur einen spannenden Einblick in das jeweils andere Land vermitteln, sondern auch durchaus positive Ausblicke für die kommende Zeit mit und nach Corona erahnen lassen. Dank der Vielfalt an Themen und Projekten, wie auch der diversen Gruppe an Teilnehmenden wurde in diesem virtuellen Fachkräfteaustausch die Motivation für das Voneinanderlernen und die Begeisterung für Freiwilligenarbeit erneut deutlich. Ein guter Grundstein ist also gelegt, wenn IJAB sich 2022 nochmals vertiefend mit Jugendarbeit und freiwilligem Engagement junger Menschen in Deutschland und China beschäftigten wird.

Menschen sitzen an einem Tisch und essen.
Über die Zusammenarbeit mit China

In Zusammenarbeit mit dem All-Chinesischen Jugendverband, dem zentralen jugendpolitischen Akteur Chinas, setzt IJAB Fachkräfteprogramme im Auftrag des Bundesjugendministeriums um. Erfahren Sie mehr über diese Kooperation und wie Sie daran teilhaben können.

Ansprechpartnerinnen
Annika Gehring
Referentin für internationale jugendpolitische Zusammenarbeit
Tel.: 0228 9506-101
Elke Metzner
Sachbearbeitung
Kompetenzstelle Sprache
Tel.: 0228 9506-106
Portraitfoto Dorothea Wuensch
Dorothea Wünsch
Referentin für internationale jugendpolitische Zusammenarbeit
Tel.: 0228 9506-133