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Digitale Jugendbildung

Digitalisierung? Herausforderung angenommen!

Fachsymposium diskutierte digitale Internationale Jugendarbeit

Welche Lerneffekte erreichen Online-Begegnungen bei jungen Menschen und Fachkräften? Welche Qualitätsstandards sind dafür nötig? Und: Können Online-Begegnungen ein eigenständiges Format der Internationalen Jugendarbeit sein? Am 10. Dezember 2020 veranstalteten IJAB und JFF - Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis ein Online-Symposium, das diese Fragen aufgriff.

17.12.2020 / Christian Herrmann

Das Coronavirus und seine Folgen haben sich als Katalysator für die Digitalisierung der Internationalen Jugendarbeit erwiesen. In Zeiten von Lockdown und Kontaktbeschränkungen experimentierten viele Träger mit digitalen Formaten und zogen meist eine positive Bilanz. Doch sie stellten sich auch Fragen. Erreicht eine Online-Begegnung junge Menschen so, wie es physische Begegnungen tun? Welche Ziele können erreicht werden und welche nicht? Welche Methoden sind dafür geeignet?

Die Fragen eröffnen neue Allianzen zwischen Internationaler Jugendarbeit, Medienpädagogik und Forschung. Seit vielen Jahren kooperierten IJAB und JFF in medienpädagogischen Projekten, doch diesmal geht es um das Arbeitsfeld der Internationalen Jugendarbeit und seine Weiterentwicklung selbst. Dass das Thema keineswegs exotisch ist, zeigen die große Beteiligung von etwa 90 Akteuren am Fachsymposium und die Förderung durch das Bundesjugendministerium.

Die Erwartungen an eine digitale Internationale Jugendarbeit, die im Vorfeld ausgemacht worden waren, sind hoch: Online-Begegnungen können Grenzen überwinden, auch wenn dies physisch nicht möglich ist. Beziehungen und Netzwerke können aufrechterhalten werden. Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen physisch nicht anwesend sein können, haben die Möglichkeit teilzunehmen. Austausch und Begegnung können sogar intensiviert werden, denn sie sind nicht mehr auf einen Ort und einen Zeitpunkt begrenzt.

Praxisbeispiele helfen zu verstehen

Praxisbeispiele helfen zu verstehen, was gemeint ist. Lukas Wurtinger von IBG stellte virtuelle Workcamps vor, die von seiner und anderen Organisationen im Corona-Sommer veranstaltet wurden. 48 Workcamp-Organisationen boten insgesamt 105 Online-Workcamps an – eine Zahl, die belegt, dass diese Art der Aktivität bereits in der Fläche des Arbeitsfeldes präsent ist. Nurtinger sieht darin auch einen Ausdruck internationaler Solidarität in Krisenzeiten, ist aber auch von den Potenzialen digitaler Formate für die Zukunft überzeugt.

Beim Deutsch-Französischen Jugendwerk haben digitale Formate bereits eine lange Geschichte. Im Projekt Tele-Tandem werden Schulklassen und ihre Lehrer/-innen in Deutschland und Frankreich miteinander in Verbindung gebracht. Oft folgt eine physische Begegnung oder geht ihr voraus. Im Projekt Parkur können junge Menschen ihr Praktikum, ihren Freiwilligendienst oder ihren Job in Frankreich online vorbereiten. Begleitet werden sie dabei von Tutorinnen und Tutoren, die auf ihre Fragen eingehen.

Die Computerspielschule Online ist ein medienpädagogisches Angebot der Initiative Creative Gaming. Es schafft einen virtuellem Raum, in dem sich junge Menschen mit Games beschäftigen können. In den wöchentlichen Angeboten gibt mal ein Webinar zu einem Game Design Tool, mal einen Labyrinth-Wettbewerb in Minetest, mal ein Spieleturnier in besonders außergewöhnlichen Multiplayer-Games. Die virtuellen Räume, die dafür zur Verfügung stehen, machen deutlich, dass es längst Alternativen zum Austausch über Zoom und Skype gibt. Sie stehen zum Beispiel bei Mozilla Hubs allen zur Verfügung und können auch mit begrenzten Vorkenntnissen genutzt werden. Es braucht wenig Fantasie, um sich solche Räume in einem internationalen Setting vorzustellen.

Welche Qualitätsstandards sind nötig?

Sich für eine digitale Internationale Jugendarbeit zu öffnen, stellt Organisationen vor Herausforderungen. Mitarbeiter/-innen und Leitung müssen dazu bereit sein. Ein sensibler Umgang mit internationalen Partnerorganisationen ist nötig, denn nicht überall können dieselben Standards erwartet werden, wie in Deutschland. Die Programmgestaltung muss überdacht werden, denn niemand möchte 6 Stunden in einem Workshop via Zoom feststecken. Leitungsteams müssen doppelt besetzt werden, denn niemand kann pädagogische und technische Aspekte gleichzeitig im Blick behalten. In wechselnden Arbeitsgruppen beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachsymposiums mit den Qualitätskriterien, die für eine digitale Internationale Jugendarbeit gelten sollen und trugen sie zusammen. Die Ergebnisse sind hier nachlesbar:

Wie geht es weiter?

IJAB und JFF werden die Ergebnisse sichten, systematisch aufbereiten und zu einem Folgeprozess einladen, der zum Ziel hat, Qualitätsstandards für digitale und hybride Formate der Internationalen Jugendarbeit gemeinsam mit möglichst vielen Trägern und Organisationen des Arbeitsfeldes zu erarbeiten und in der Praxis zu testen. Gleichzeitig gilt es, neue Formate, innovative Technologien und Methoden zu entwickeln, diese zu erproben und die Erfahrungen anderen zur Verfügung zu stellen. Damit wollen wir uns auf den Weg machen, eine umfassende Digitalstrategie der Internationalen Jugendarbeit auf den Weg zu bringen und mit Leben zu füllen. Eine Fortsetzung folgt also.

INT 4.0 – Namensnennung CC BY 4.0
Dieses Werk ist lizenziert unter einer INT 4.0 – Namensnennung CC BY 4.0 Lizenz.
Mehrere junge Menschen sitzen an einem Tisch und arbeiten an Laptops.
Über Digitale Jugendbildung

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