Staatssekretärin Dr. Christiane Rohleder im Gespräch mit zwei Teilnehmern des Jugend-Verbraucher-Dialogs
Jugend-Verbraucher-Dialog

Verbraucherschutz: Jugendgerechte Ansprache ist nötig

Forderungen an Staatssekretärin Dr. Rohleder übergeben

Wird alles, was recyclebar ist, auch wirklich recycelt? Ist das Nachhaltigkeitssiegel aussagekräftig oder werden Konsument*innen getäuscht? Verbraucherschutz ist kompliziert und junge Menschen werden selten jugendgerecht angesprochen. Mehr als 20 junge Menschen kamen am Wochenende vom 25. bis 26. Juni in Berlin auf Einladung von IJAB zusammen, um zu überlegen, wie das geändert werden könnte. Am darauffolgenden Montag haben sie ihre Forderungen Staatssekretärin Dr. Christiane Rohleder übergeben und mit ihr diskutiert.

30.06.2022 / Christian Herrmann

Rayk Anders ist YouTuber. Sein Videoblog erreicht Tausende, manchmal Hunderttausende pro Folge. Entsprechend hat er andere Influencer im Blick. Zum Beispiel „Jay Mazini“, der seine Instagram-Follower durch Betrug um mehrere Millionen erleichterte. „Verbrauchertäuschung“ nennt Anders das. Verbraucher*innen zu täuschen, ist ein tägliches Geschäft – auch wenn vieles davon nicht vor Gericht endet. Zum Beispiel, wenn das „regionale Produkt“ nicht aus der Region des Kunden stammt, sondern in irgendeiner Region auf der Welt produziert wurde. Oder wenn „Made in Italy“ bei einem Modeartikel zwar zutreffend ist, für die Produktion aber einfach die chinesischen Sweatshops nach Italien verlegt wurden, inklusive der in China üblichen Arbeitsbedingungen.

Staatssekretärin Dr. Rohleder nimmt sich Zeit

Verbraucher*innen wird viel abverlangt, um solche Täuschungen zu verstehen. Das trifft auf alle Altersgruppen zu – auch auf junge Menschen, denn sie werden selten altersgerecht angesprochen. Zugleich sind ihre Erwartungen gestiegen. Nachhaltigkeit ist ihnen wichtig. Die neue Jeans soll nicht nur gut aussehen, sie soll auch langlebig sein und umweltschonend produziert sein. Dr. Christiane Rohleder, Staatssekretärin im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz, kann das gut verstehen. Als Staatssekretärin ist sie für Verbraucherschutz zuständig. Als Politikerin liegen ihr Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit im Verbraucherschutz am Herzen, als Staatssekretärin fragt sie sich, wie junge Menschen besser erreicht werden können. Das wird bereits am ersten Tag des Wochenendes in Berlin deutlich. Rohleder hat sich Zeit genommen – nicht nur für eine formelle Begrüßung, sie möchte mit den Teilnehmer*innen ins Gespräch kommen, ein Gefühl dafür bekommen, was sie beschäftigt und zugleich davon berichten, welche Maßnahmen ihr Ministerium gerade anstößt. Vom Recht auf Reparatur ist dabei die Rede und von einem Kündigungsbutton, mit dem man freiwillig oder unfreiwillig eingegangene Abonnements wieder loswerden kann. Und natürlich macht die Staatssekretärin als Person neugierig. „Wie wird man eigentlich Staatssekretärin?“, möchte ein junger Mann wissen.

Die Verbraucherzentralen sind das Rückgrat des Verbraucherschutzes in Deutschland. Sie beraten, erheben Notfalls eine Verbandsklage gegen Unternehmen, klären auf und beobachten die Marktentwicklung. Mit Florence Ziesemer vom Verbraucherzentrale Bundesverband, Kathrin Körber von der Verbraucherzentrale Niedersachsen, Dominique Choiner von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und Madeline Schillinger vom Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland haben die Teilnehmer*innen kompetente Ansprechpartnerinnen, beim Entwickeln ihrer Forderungen. Als Workshopleiterinnen bringen sie ihre Expertise für nachhaltige Mode, grenzüberschreitenden Verbraucherschutz, Geld und Ernährung ein. Die Fragen, wie Verbraucherschutz jugendgerecht vermittelt werden kann und wie eine jugendgerechte Verbraucherpolitik aussehen soll, sind Querschnittsthemen der Workshops. Innerhalb kurzer Zeit füllen sich die Flipcharts mit Vorschlägen: Haftung beim Mindestablaufdatum von Waren, transparente Definitionen von Werbebegriffen, Identitätsdiebstahl im Internet, Sperrung der Konten von Betrügern, irreführende Siegel oder die Nachvollziehbarkeit von Produktionswegen sind nur einige der Themen. Am Schluss wird gevoted: Welches sind die herausragenden Themen, die man Staatssekretärin Rohleder am Montag bei der Jugendpressekonferenz mit auf den Weg geben möchte?

Jugendpressekonferenz ist ein erster Aufschlag

Die Workshops sind gut gelaufen, viele Teilnehmer*innen loben die offene Gesprächskultur der Veranstaltung. Man ist miteinander ins Gespräch gekommen, man hat sich gegenseitig zugehört. Die positive Atmosphäre gibt Sicherheit für die Jugendpressekonferenz, die live im Internet übertragen wird. Zunächst stellt Anna die Arbeit der Jugendredaktion des Jugend-Verbraucher-Dialogs vor, denn sie ist ein Schlüssel zum Verständnis, wie Verbraucherthemen jugendgerecht aufbereitet werden können. Jennik stellt schließlich die Top 3 der Forderungen der Teilnehmer*innen vor.

Wir fordern die Streichung klimaschädlicher Subventionen und wollen Steuerentlastungen für nachhaltige Produkte und Dienstleistungen. Zukunftsträchtiges Wirtschaften soll sich für Produzent*innen und Konsument*innen lohnen. Wir sehen Sie in der Pflicht für eine klimagerechte Lebensmittelbesteuerung einzutreten. Denn eine gesunde und nachhaltige Ernährung/Lebensweise darf nicht am Geldbeutel scheitern.
Wir fragen uns, warum so viele nicht nachhaltige Produkte subventioniert sind?

Wir fordern mehr Transparenz bei Produktsiegeln. In unserem Alltag begegnet uns eine Fülle von inhaltlichen und uneinheitlichen Labels, die oft lediglich Marketingzwecken dienen, wie z.B. „regional“, „klimaneutral“ oder „recyclebar“. Wir fühlen uns durch diese Kennzeichnungen in die Irre geführt. Wir fordern verlässliche Labels, die unternehmensunabhängig von staatlichen Behörden vergeben werden. Diese sollen gut erkennbar sein!

Wir plädieren für die vollständige Kostenübernahme von Menstruationsprodukten für menstruierende Menschen in Form von einer Pauschale oder Steuerrückerstattung. Zusätzlich fordern wir die Einrichtung von öffentlichen Abgabestellen.

Staatssekretärin Dr. Rohleder und Dr. Vera Fricke, Leiterin des Teams Verbraucherbildung beim Verbraucherzentrale Bundesverband, kommentieren die Forderungen. Wichtig ist ihnen die Verstetigung und der Ausbau einer altersgruppengerechten Ansprache junger Menschen. An diesem Thema wird der Jugend-Verbraucher-Dialog in den nächsten Monaten weiterarbeiten. Die Jugendpressekonferenz war ein erster Aufschlag dazu.

Die Jugendpressekonferenz wurde aufgezeichnet und kann auf der Webseite des BMUV angesehen werden: https://www.bmuv.de/media/aufzeichnung-der-pressekonferenz-zum-jugendgerechten-verbraucherinnen-und-verbraucherschutz

Die Beiträge der Jugendredaktion gibt es auf Instagram und Facebook.

INT 4.0 – Namensnennung CC BY 4.0
Dieses Werk ist lizenziert unter einer INT 4.0 – Namensnennung CC BY 4.0 Lizenz.
Über den JUGEND-VERBRAUCHER-DIALOG

Wie kann moderne jugendgerechte Verbraucherinformation aussehen? Bei dieser Frage setzt der „Jugend-Verbraucher-Dialog“ an und beteiligt Jugendliche an der Entwicklung.

Eine junge Frau spricht in ein Megafon, andere hören ihr zu.
Über Jugendbeteiligung

Jugendliche sollen ihre Meinung äußern und bei politischen oder gesellschaftlichen Entscheidungen, die ihr Lebensumfeld betreffen, mitbestimmen dürfen.

Ansprechpersonen
Kira Schmahl-Rempel
Projektreferentin
Portal der Kinder- und Jugendhilfe
Tel.: 0228 9506-104
Till Veerbeck-Stroetmann
Projektreferent Eurodesk
Tel.: 0228 9506-158