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Berichte

55 Jahre Diplomatische Beziehungen – 65 Jahre Jugendaustausch

Deutschland-Israel

Am 12. Mai 1965 haben Israel und Deutschland diplomatische Beziehungen aufgenommen. In den vergangenen 55 Jahren sind die Beziehungen zwischen beiden Ländern eng und vielfältig – in Gesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur sind beide Länder eng miteinander verbunden. Ein wichtiger Pfeiler der Beziehungen sind von jeher die Kontakte und Verbindungen in vielfältigen Formaten des Jugendaustausches.

30.07.2020 / Susanne Klinzing
Teilnehmerinnen der Deutsch-Israelischen Jugendkonferenz 2019 Teilnehmerinnen der Deutsch-Israelischen Jugendkonferenz 2019

Schon vor Aufnahme der diplomatischen Beziehungen waren erste junge Deutsche nach Israel gereist, um Brücken in die Zukunft zu bauen. Wo Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung von Juden in Europa durch deutsche Nationalsozialist(inn)en tiefe Gräben hinterlassen haben, bedeuteten die vorsichtigen Begegnungen junger Menschen erste neue Verbindungen. Über 65 Jahre hat der Jugendaustausch mit zahlreichen Programmen einen kontinuierlichen Rahmen geschaffen, um junge Menschen aus beiden Ländern zusammenzubringen, wirkliche Begegnung zu ermöglichen und bleibende Beziehungen zwischen Menschen und Organisationen aufzubauen.

Jährlich rund 10.000 Jugendliche zwischen beiden Ländern mobil

Bereits ab Mitte der 1950er Jahre entstanden in der Begegnung junger Menschen aus beiden Ländern erste Annäherungen. Seither wachsen die Jugendkontakte auf einem dichten Geflecht von Jugendbegegnungen, Fachkräfteprogrammen der Jugendarbeit, Freiwilligendiensten und multilateralen Begegnungsprogrammen in Deutschland und Israel. Beteiligte Akteure im außerschulischen Jugendaustausch sind die großen Jugendverbände wie Sportjugend, evangelische und katholische Jugend, Verbände von Pfadfinder(inne)n, Jugendverbände der Gewerkschaften, Jugendorganisationen der Parteien und der Deutsche Bundesjugendring, aber auch kleine Initiativen, Bildungsstätten, Friedensdienste und zahlreiche kommunale Träger. Zu dieser kaum überschaubaren Vielfalt involvierter Organisationen kommen Schulen und Austauschprogramme im Rahmen von Städtepartnerschaften hinzu. Zwischen beiden Ländern werden heute im Rahmen dieser Programme jährlich rund 10.000 Jugendliche „bewegt“, um das jeweils andere Land, seine Geschichte und Gegenwart, seine Menschen und Kultur kennenzulernen. Über die Jahre nahmen mehr als 600.000 Menschen beider Länder an diesen Austauschprogrammen teil und der multiplikative Effekt des Weiterzählens der dabei persönlich gemachten Erfahrungen ist eine zentrale Quelle der deutsch-israelischen Verständigung.

Gründung eines Deutsch-Israelischen Jugendwerks

Im Oktober 2018 hat die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Dr. Franziska Giffey mit dem Israelischen Erziehungsminister die Gründung eines Deutsch-Israelischen Jugendwerks verabredet. Noch enger, noch zahlreicher und noch tiefgründiger sollen die Beziehungen zwischen jungen Menschen aus beiden Ländern werden: „Wir haben uns auf die Gründung eines Deutsch-Israelischen Jugendwerkes verständigt, weil wir überzeugt sind, dass die Geschichte auch Auftrag für die Zukunft ist. Mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Holocaust wollen wir die Grundlage dafür schaffen, Wissen von Generation zu Generation weiterzugeben. Es ist wichtig, dass junge Menschen in Deutschland und in Israel ein gemeinsames, realistisches Bild über die Vergangenheit und die Gegenwart entwickeln. Nur so wird es möglich sein, gemeinsam die Zukunft zu gestalten“ (Pressemitteilung des BMFSFJ vom 4. Oktober 2018).

Erfolgsmodell Deutsch-Israelischer Jugendaustausch

Der deutsch-israelische Jugendaustausch ist ein Erfolgsmodell. Zahlen, Fakten und Projektdokumentationen belegen immer wieder die spezifische Wirkungskraft der Erfahrungen, die deutsche und israelische Jugendliche im Rahmen dieser Begegnungsprogramme machen: Sich einlassen auf die unterschiedlichen Lebensbedingen zwischen „Nahöstlichem Krieg“ und „Europäischem Frieden“, die Perspektive wechseln bezüglich der unterschiedlichen Lektionen aus der Geschichte zwischen dem israelischen „Nie wieder Opfer“ und dem deutschen „Nie wieder Krieg“, Diskussionen führen um die Notwendigkeit von Militärdienst und Verteidigung, sich gegenseitig befragen zum Aufwachsen mit unterschiedlichen Religionen, aber auch das Entdecken der vielen Gemeinsamkeiten in Alltagskultur, Medien, Mode und Musik. Auch 65 Jahre nach den Anfängen haben diese markanten Inhalte deutsch-israelischer Begegnungen nicht an Reiz und Wirkungskraft verloren. Denn jede Generation, jeder Jahrgang von Jugendlichen muss aufs Neue die Chance zur Teilhabe erhalten und darauf, diese spezifischen und prägenden Begegnungen neu zu erfahren.

Angebote von ConAct zu den Jubiläen

ConAct informiert auf verschiedenen Jubiläumsseiten über die verschiedenen Dokumentationen und Medien von ConAct und der Israel Youth Exchange Authority (IYEA), in denen 65 Jahre deutsch-israelischer Jugendaustausch nachverfolgt werden können. Dazu gehören:

Fragen zu den einzelnen Projekten können gerne an ConAct gerichtet werden.

Quelle: ConAct - Koordinierungszentrum Deutsch-Israelischer Jugendaustausch