Teilnehmende am Runden Tisch "Young Voices for Youth Work" sitzen in U-Form und sprechen über Positionen der jungen Teilnehmenden. Teilnehmende am Runden Tisch "Young Voices for Youth Work" sitzen in U-Form und sprechen über Positionen der jungen Teilnehmenden.
Anastasiia Kryvorucko spricht beim Round Table in Brüssel
Jugendpolitik

Young Voices for Youth Work

Junge Stimmen: Jugendarbeit ist eine Säule der Demokratie

Am 4. November 2025 luden Generation Europe - The Academy und das Team von IBB e.V. Institutionen und Jugendvertreter*innen aus ganz Europa zum Round Table „Young Voices on Youth Work“ in das European Policy Centre (EPC) nach Brüssel ein. Ziel: Die Empfehlungen der jungen Teilnehmenden zu Jugendarbeit in Europa zu diskutieren. Diese wurden in einem monatelangen Prozess von 15 Teilnehmenden aus neuen Ländern erarbeitet. IJAB nahm am Runden Tisch teil und sprach anschließend mit zwei der Teilnehmenden, Anastasiia Kryvoruchko aus der Ukraine und Emmanuel Bakowski aus Deutschland, über ihre sehr inspirierenden Eindrücke.

23.01.2026 / Natali Petala-Weber

IJAB: Was hat  euch motiviert gemeinsam mit anderen jungen Menschen an einem Policy Papier zu Jugendarbeit in Europa zu arbeiten?

Emmanuel Bakowski: Nachdem ich an einigen Erasmus+ Jugendaustausch teilgenommen hatte, habe ich zehn Monate lang als Freiwilliger über das Europäische Solidaritätskorps in Spanien gearbeitet. In dieser Zeit war ich in einem Verein aktiv, der lokale und internationale Veranstaltungen wie Trainings und Jugendbegegnungen organisiert. Dort hatte ich auch die Möglichkeit, mein eigenes Projekt für einen Jugendaustausch zu schreiben. Dadurch konnte ich einen tieferen Einblick darin gewinnen, wie Jugendaustausche überhaupt entstehen. Diese Erfahrungen haben einerseits bei mir Dankbarkeit gegenüber den EU‑Institutionen erzeugt, die das möglich gemacht haben. Andererseits habe ich die Herausforderungen gesehen. Das alles hat mir persönlich so viel gegeben, dass ich mir wünsche, dass auch andere junge Menschen in Europa Ähnliches erleben können. Ich habe mich dadurch mehr als europäischer Bürger gefühlt, nicht nur als deutscher Staatsbürger. Gerade in Zeiten, in denen Nationalismus weltweit wieder zunimmt, braucht Europa etwas, das uns verbindet – auch für die zukünftigen Generationen. Ich wollte Jugendarbeit verbessern und sie für andere zugänglicher und sichtbarer machen. 

Anastasiia Kryvoruchko: Ich habe zunächst als Teilnehmerin bei Generation Europe - the Academy angefangen, und seitdem habe ich mich zu einer Botschafterin sowie zu einer angehenden Jugendleiterin entwickelt - nicht nur innerhalb meiner Organisation, sondern auch in anderen Jugendprojekten über den Rahmen von Generation Europe hinaus. Diese Reise zeigt mir immer mehr, wer ich bin, mit meinen Stärken und Schwächen. Jetzt habe ich das Gefühl, dass meine Mission darin besteht, das, was ich aus all diesen Erfahrungen bekommen habe, zu vervielfachen: Indem ich sicherstelle, dass Entscheidungsträger*innen die Bedeutung dieser Projekte erkennen und die langfristigen Auswirkungen auf vielen Ebenen verstehen. Und indem ich zeige, wie Jugendarbeit globale Themen auf eine tiefere, indirekte Weise beeinflusst, weil sie die Zukunft unserer Gesellschaft von innen heraus mitprägt. Außerdem besonders für mich, als Jugendvertreterin aus der Ukraine, die gerade sehr schwierige Zeiten erlebt, konnte ich diese Gelegenheit nicht verpassen, für diesen Teil der Jugend zu sprechen.

Gerade in Zeiten, in denen Nationalismus weltweit wieder zunimmt, braucht Europa etwas, das uns verbindet – auch für die zukünftigen Generationen.

IJAB: Ihr wart beide am Entwurf des Policy Papers „Young Voices for Youth Work“ beteiligt. Wenn ihr auf den Prozess zurückblickt: Was war für euch persönlich die wichtigste Lernerfahrung?

Emmanuel Bakowski: Für mich war es das allererste Mal, an so etwas wie einem Policy Paper zu schreiben. Schon die Recherchephase, das Erstellen und Teilen einer Umfrage für Menschen, die in der Jugendarbeit aktiv sind, und die Zusammenarbeit mit all diesen jungen Leuten aus ganz Europa war an sich schon eine riesige Lernerfahrung. Wenn ich eine Sache herausgreifen müsste, dann war es, die anderen Teilnehmenden kennenzulernen: Es war sehr inspirierend zu sehen, wie viele junge Menschen zusammengekommen sind, die sich so sehr für andere junge Menschen einsetzen wollten, dass sie über Monate hinweg - neben ihren anderen Verpflichtungen - Zeit, Arbeit und Energie in dieses Papier investiert haben.

Anastasiia Kryvoruchko: Da stimme ich Emmanuel völlig zu, denn ich glaube, Menschen sind immer der beste Teil eines Projekts wie diesem. Und wenn man sieht, was Jugendarbeit bewirken kann, versteht man, dass das, was man tut, wirklich wichtig ist und einen echten Unterschied machen kann. Ich würde sagen: Dieses interkulturelle Lernen, das in solchen Projekten passiert, ist für mich persönlich am wertvollsten.

IJAB: Das Papier beschreibt Jugendarbeit als „Trainingsfeld für Demokratie“ und als „Säule demokratischer Gesellschaften“. Wie seht ihr das? 

Anastasiia Kryvoruchko: Ich komme aus einem Land, in dem Politiker*innen meistens unerreichbar sind und wie ein eigenes Ökosystem behandelt werden, in das man nicht einfach hineinkommt. Deshalb höre ich nach solchen Projekten, die auch Begegnungen mit Politiker*innen und Entscheidungsträger*innen beinhalten, von Freund*innen Sätze wie: „Wow, Politiker*innen – oh, mein Gott!“ So sollte man in einer Gesellschaft aber nicht damit umgehen. Es sollte normal sein, seine Bedürfnisse oder Sorgen frei an diejenigen kommunizieren zu können, die Dinge beeinflussen können, oder? Und genau das geben uns solche Jugendinitiativen. Sie trainieren uns und zeigen uns, dass Demokratie nicht nur ein schickes Wort auf Papier ist, sondern eine Handlung. Meine Wahrnehmung von Politiker*innen hat sich durch mein Engagement in der Jugendarbeit stark und zum Positiven verändert. Und genau das sollte bei möglichst vielen Menschen passieren.

Emmanuel Bakowski: Für mich bedeutet Jugendarbeit, jungen Menschen die Chance zu geben, sich selbst zu finden und zugleich aktive europäische Bürger*innen zu werden. Es bedeutet, ihnen die Möglichkeit zu geben, Menschen aus anderen Kulturen kennenzulernen, die eigenen Sichtweisen zu hinterfragen, in einem nicht formalen Format Lernerfahrungen zu machen und zu lernen, auszudrücken, was sie sagen möchten. Es bedeutet auch, ein besonderes Umfeld zu erleben, das keinen Notendruck erzeugt, sondern die Gelegenheit bietet, frei und auf die eigene Art zu lernen. Und am wichtigsten: Jugendarbeit gibt jungen Menschen die Chance, ihre eigene Zukunft mitzugestalten. Wenn junge Menschen sehen, dass die EU sich tatsächlich um sie kümmert, werden sie im Gegenzug mehr Vertrauen in die EU haben und sich bestärkt fühlen, wirklich an Gesellschaft und Politik zu partizipieren. 

IJAB: Ihr habt mit 15 jungen Menschen aus neun Ländern zusammengearbeitet. Wo habt ihr erlebt, dass eure Erfahrungen sehr ähnlich waren und wo waren sie verschieden?

Emmanuel Bakowski: Ja, es gab einige Unterschiede. Aber wir waren uns alle einig, dass in unseren Ländern und in unseren sozialen Umfeldern kaum jemand wirklich wusste, was Jugendarbeit eigentlich ist. Für uns ist vieles inzwischen selbstverständlich, aber nur, weil wir schon in dieser „Blase“ sind. Gleichzeitig gilt es in manchen Ländern eher als Zeitverschwendung an Jugendaustauschen teilzunehmen oder einen europäischen Freiwilligendienst zu machen. Für andere hingegen – wie für mich in Deutschland – ist es ziemlich normal, nach dem Schulabschluss ein Freiwilliges Jahr zu machen. Das war auch eines der Dinge, die wir im Papier hervorgehoben haben: Wie ernst Jugendarbeit und freiwillige Engagementmöglichkeiten für junge Menschen genommen werden, unterscheidet sich stark zwischen den EU‑Mitgliedstaaten.

Anastasiia Kryvoruchko: Ich möchte einen Aha‑Moment teilen, den ich während einer Botschafter*innen‑Konferenz von Generation Europe hatte. Kurz davor fragte mich eine Freundin, was für mich hinter dem Begriff „Mentalität“ stecke. Ich habe eine Weile gerungen, bin dann aber zu einer Definition gekommen, die für mich stimmig war: Mentalität sind Verhaltensmuster, die Menschen in bestimmten Situationen oder gegenüber bestimmten Personen zeigen, und die für eine Region, ein Land oder eine Kultur typisch sind. Ich dachte damals: Menschen aus verschiedenen Ländern und Regionen haben zu 99 % unterschiedliche Mentalitäten. Nach dieser Konferenz mit Teilnehmenden aus etwa 15 Ländern habe ich gemerkt, wie falsch ich lag. Mentalität kann man nie auf geografische Grenzen oder ein bestimmtes Land reduzieren. Es ist vielmehr eine Art zu denken, die Welt zu sehen, Menschen zu behandeln. Ich hatte das Gefühl, dass mir einige Menschen aus all diesen Ländern so nah waren, dass mir klar wurde: Es sind Ideen und Überzeugungen, die Mentalität formen.

Natürlich hat militärische Vorbereitung ihre Relevanz, aber sie sollte nicht dazu führen, andere wichtige Bereiche zu vernachlässigen wie Jugendarbeit, die Demokratie stärkt.

IJAB: Das Papier verknüpft die Zukunft der Jugendarbeit direkt mit der Zukunft der Demokratie in Europa. Warum sollten Entscheidungsträger*innen Jugendarbeit jetzt mehr denn je ernst nehmen?

Emmanuel Bakowski: Ich finde, sie sollten sie immer ernst nehmen. Im Moment wirkt es allerdings so, als würden wir unseren Fokus von der Sorge um zukünftige Generationen hin zu Krieg und nationalen Interessen verschieben. Natürlich hat militärische Vorbereitung ihre Relevanz, aber sie sollte nicht dazu führen, andere wichtige Bereiche zu vernachlässigen wie Jugendarbeit, die Demokratie stärkt. Für mich beginnt Demokratie damit, einander zu verstehen und bereit zu sein, andere Hintergründe zu tolerieren. Und sie setzt sich fort, indem diese Tradition von Verständnis sowie kulturellem, sozialem und politischem Austausch gepflegt wird. Genau das bietet Jugendarbeit: Sie gibt jungen Menschen eine Plattform, unterschiedliche Kulturen und Hintergründe zu entdecken, Problemlösung durch Zusammenarbeit zu üben und sich füreinander und für andere Länder zu interessieren. Wenn ich Freund*innen überall in Europa habe, dann interessiert mich, was in ihren Ländern passiert, weil es sie direkt betrifft. Jugendarbeit fördert aktives, erfahrungsbasiertes Reflektieren in einer Lebensphase, in der Persönlichkeit, Ziele und weltanschauliche Ausrichtungen noch im Entstehen sind. In Zeiten, in denen einzelne Nationen sich scheinbar stärker abschotten, ist Jugendarbeit ein wichtiger Weg, diese Nationen einzubeziehen - nicht nur jetzt, sondern auch für kommende Generationen. Und davon profitieren nicht nur die einzelnen jungen Menschen, die teilnehmen, sondern Europas Demokratie insgesamt.

Anastasiia Kryvoruchko: Wir leben derzeit in einer sehr instabilen und verletzlichen Welt. Und ich als ukrainische Bürgerin habe das aus erster Hand erlebt so sehr, wie es eben möglich ist. Seit 2022 lebe ich in Deutschland und studiere an der Universität. Umgeben von einer multikulturellen Gesellschaft - sowohl in solchen Projekten als auch an meiner Uni - habe ich verstanden: Wenn man sich mit einer Person aus einer anderen Kultur anfreundet, erweitert man nicht nur den eigenen Horizont, indem man Bräuche oder Werte kennenlernt und vielleicht Stereotype über eine ganze Nation abbaut. Man verbindet sich auch mit dieser Person und ihrer Kultur. Und dadurch wird es viel schwerer, durch mögliche Propaganda irgendeiner Regierung gegen dieses Land manipuliert zu werden oder Hass auf diese Nation zu entwickeln. Wenn immer mehr Menschen die Chance bekommen, sich wirklich mit anderen Ländern zu verbinden, wird es hoffentlich unmöglich, einen Krieg oder irgendeine Form von Aggression zu beginnen, weil die Mehrheit der Bevölkerung keine Aggression gegen das Land einer*s Freund*in unterstützen kann. Ich glaube wirklich, dass das Ausmaß an Hass in der heutigen Welt reduziert werden kann, wenn wir solche sicheren Räume schaffen, in denen sich junge Menschen international verbinden können. Was wir außerdem sehen: Menschen in manchen Ländern schweigen, weil sie nicht glauben, dass sie etwas verändern oder Entscheidungen ihrer Regierung beeinflussen können. Oder weil sie Angst haben, angegriffen zu werden. Das ist das Problem. Genau das sollten wir weltweit verändern.

IJAB: Ihr beschreibt Jugendarbeit als besonders wichtig für junge Menschen, die soziale oder wirtschaftliche Nachteile erleben. Könnt ihr eine konkrete Geschichte aus eurer eigenen Erfahrung teilen, die das verdeutlicht?

Emmanuel Bakowski: Der offensichtliche Vorteil ist: Wir nehmen kostenlos teil, das heißt – unabhängig von der finanziellen Situation, Unterkunft, Verpflegung und Reisekosten sollen übernommen werden. Aber es geht um mehr als das: Einmal habe ich an einem Jugendaustausch teilgenommen, bei dem eine der Organisationen aus Spanien gezielt junge Menschen aus schwierigen sozioökonomischen Verhältnissen ermutigt und unterstützt hat. Dazu gehörten zum Beispiel auch Geflüchtete aus anderen Teilen der Welt. Und wie für alle anderen Teilnehmenden hatten auch sie die Möglichkeit, Menschen aus anderen europäischen Ländern kennenzulernen und ein Netzwerk von Freund*innen über den ganzen Kontinent hinweg aufzubauen. Jugendaustausche schaffen einen „safe space“, weil die meisten Teilnehmenden eher neugierig als verurteilend sind. Gerade für diejenigen, die sich vielleicht nicht als Teil einer größeren europäischen Gesellschaft fühlen, kann das ein Gefühl von Zugehörigkeit geben.

Allerdings ist es nicht perfekt. Als ich mit den spanischen Teilnehmenden unterwegs war, konnten einige von ihnen nicht besonders gut Englisch, und damit wurde auch nicht gut umgegangen. Das hat sie auf eine gewisse Weise ausgeschlossen. Oder: Viele NGOs, die mit Erasmus+ verbunden sind, organisieren Projekte eher in größeren Städten als in ländlichen Regionen. Das erschwert wiederum Menschen aus ländlichen Gebieten den Zugang. Damit NGOs tatsächlich in ländlichen Regionen verankert sein können, braucht es die nötigen Rahmenbedingungen für Förderung, Anerkennung und Zugänglichkeit. Und genau deshalb war das auch ein großes Thema in unserem Papier. Weil es hier noch viel zu tun gibt.

Anastasiia Kryvoruchko: Genau das ist das wirklich Beeindruckende an Jugendinitiativen: Sie wirken auf Menschen aus allen Hintergründen, aus allen sozialen und wirtschaftlichen Umfeldern. Sie zeigen, dass es nicht ums Geld geht, sondern um echte Verbindung. Sie reißen Grenzen zwischen Menschen ein. In unserer Gruppe gab es auch ein Mädchen, das nicht besonders gut Englisch sprechen konnte und trotzdem hat sie an unserem internationalen Jugendaustauschprogramm teilgenommen. Das wirkt zunächst unglaublich, aber irgendwie hat sie es geschafft, mit Menschen aus Griechenland und Deutschland in Verbindung zu kommen, sogar ohne in einer gemeinsamen Sprache zu kommunizieren. Irgendwie geht es nicht um die Sprache, es geht um Verbindung. Deshalb sollte es keine Ausnahmen oder Einschränkungen geben nach dem Motto: „Du wirst nur akzeptiert, wenn du eine Reihe von Kriterien erfüllst.“ Es geht nicht um Kriterien. Es geht um Verbindung und Verbindung entsteht, indem du einfach du selbst bist.

IJAB: Euer Papier ist sowohl eine „Erklärung der Besorgnis“ als auch ein Angebot zur Partnerschaft an politische Entscheidungsträger*innen. Beim Runden Tisch habt ihr den teilnehmenden Institutionen die Frage gestellt, wie EU‑Institutionen vom Zuhören zum Teilen von Macht übergehen können. Was würde euch jetzt davon überzeugen, dass diese Partnerschaft wirklich ernst genommen wird?

Emmanuel Bakowski: Für mich wäre das ein Follow‑up. Die Veranstaltung in Brüssel war großartig und basierend auf der Diskussion mit den politischen Entscheidungsträger*innen hatte ich das Gefühl, dass wirklich alle interessiert waren. Aber am Ende war es eben das: eine Diskussion. Wir brauchen mehr Commitment von den Institutionen, weiter gemeinsam mit dem EU‑Sektor zu arbeiten, sei es mit Generation Europe oder einem anderen Netzwerk. Diese Partnerschaft ist so gedacht, dass zum Beispiel Generation Europe und wir als Jugendvertreter*innen unser erfahrungsbasiertes Wissen und unsere Praxis in der Jugendarbeit einbringen und die Institutionen ihre Kontakte, ihren politischen Einfluss und ihre Expertise aus dem jeweiligen Feld. Ich muss also sehen, dass sie uns konkrete, greifbare Unterstützung anbieten können, damit wir die richtigen Menschen an den richtigen Orten, zur richtigen Zeit und auf die richtige Weise erreichen und so die bestmögliche Wirkung erzielen. Und ich möchte mehr Formate sehen wie dieses, in denen Erfahrungen von jungen Menschen und von Personen aus der Jugendarbeit, Jugendorganisationen und Jugendleiter*innen nicht nur gehört, sondern tatsächlich in politische Entscheidungsprozesse einbezogen werden.

Anastasiia Kryvoruchko: Ich habe die Atmosphäre beim Runden Tisch wirklich sehr geliebt und all die kleinen Details, wie ein gemeinsames Mittagessen mit Smalltalk fast ohne Formalitäten. Oder dass wir direkt nebeneinander saßen, nicht als zwei gegenüberstehende Gruppen. Das alles hat zu einer gemütlichen Atmosphäre beigetragen, in der wir über unser gemeinsames zukünftiges Wohlergehen gesprochen haben. Ich habe es sehr geschätzt, wie uns zugehört wurde, und das Engagement im Raum war echt und spürbar. Ich freue mich über solche Formate und ich denke, das ist ein sehr schöner Anfang.

IJAB: Was sind eure persönlichen nächsten Schritte, um dieses Papier lebendig zu halten?

Emmanuel Bakowski: Während des Round Tables haben wir darüber gesprochen, wie wichtig es ist, nationale Regierungen und Verwaltungen stärker zu ermutigen, sich auf Jugendarbeit zu konzentrieren. Ich habe mich mit Leuten von IBB und von der Nationalen Agentur in Deutschland vernetzt, um mit ihnen zu besprechen, wie ich als Vertreter von Generation Europe und dieses Papiers etwas tun kann, um es stärker auf die lokale Ebene zu bringen, also auch zur Bundesregierung. Es wurde mir empfohlen, Kontakt mit dem Deutschen Bundesjugendring aufzunehmen, um zu besprechen, wie wir das Papier in die deutsche Politik einbringen können. Außerdem ist meine Universität Leuphana in Lüneburg immer sehr daran interessiert, Studierende zu Eigeninitiative zu ermutigen. Sie haben bereits mit der Nationalen Agentur in Deutschland zusammengearbeitet, und sobald das Papier veröffentlicht ist, möchte ich es auch an meine Universität bringen und schauen, ob wir es Studierenden meiner Universität zugänglicher machen können.

Anastasiia Kryvoruchko: Unsere Arbeit an diesem Papier geht weiter: Wir werden es finalisieren, natürlich veröffentlichen und dann so weit verbreiten, wie wir können. Abgesehen vom Runden Tisch arbeite ich auch in meiner lokalen Gruppe und mit meinen Jugendleiter*innen bei Generation Europe zusammen und wir haben darüber geredet, wir man diese Ideen auch auf lokaler Ebene verbreiten kann. Wann immer wir die Möglichkeit haben, mit Entscheidungsträger*innenPolitiker*innen oder Initiativen zu sprechen, erwähnen wir, dass es diesen Vorschlag gibt. Ich denke: einfach weiter versuchen und vielleicht stößt es eines Tages auf positive Resonanz und wir bewirken eine Veränderung.

IJAB: Vielen Dank!

Das Policy Paper “Young Voices for Youth Work. A Youth Vision for a Sustainable, Well-Funded and Inclusive Ecosystem of Empowerment on Local and European Level” mit 28 Empfehlungen für eine resiliente Jugendarbeit in Europa wurde am 21. Januar 2026 veröffentlicht und ist über folgenden Link verfügbar: Youth Voices of Youth Work

Über die Gesprächspartner*innen:

Anastasiia Kryvoruchko ist 20 Jahre alt. Sie wurde in der Ukraine geboren und lebt seit 2022 in München. Derzeit studiert sie Informationssysteme (Wirtschaftsinformatik) an der Technischen Universität München (TUM). Ihre Reise in die Jugendarbeit begann 2022, als sie an ihrer ersten Jugendbegegnung teilnahm und in das Netzwerk von Generation Europe – The Academy einstieg.

Emmanuel Bakowski ist 21 Jahre alt und lebt in Lüneburg in Deutschland. Er studiert Kulturwissenschaften an der Leuphana Universität. Er wurde in Kiel geboren, lebte aber die meiste Zeit seines Lebens in Worms, bevor er zum Studium nach Lüneburg zog. Seine Reise in Interkulturalität und Advocacy begann, als er 18 Jahre alt war und ein Jahr lang in Kalifornien als Young Ambassador der Metropolregion Rhein‑Neckar (MRN) lebte. 

Junge Frau im Forum spricht ins Mikro
Über Jugendpolitik

IJAB beobachtet u.a. die jugendpolitischen Entwicklungen in Europa und der Welt und informiert über Interessantes.