Eine Gruppe von Menschen in blauen Overalls hebt ihre Hände, um einen großen, aufblasbaren Globus in der Luft zu halten. Der Himmel ist im Hintergrund sichtbar. Eine Gruppe von Menschen in blauen Overalls hebt ihre Hände, um einen großen, aufblasbaren Globus in der Luft zu halten. Der Himmel ist im Hintergrund sichtbar.
Demokratie und Menschenrechte

Wir sind überall einfach nur Menschen

Deutsche Jugendfeuerwehr macht Internationale Jugendarbeit

Mit mehr als 380.000 Mitgliedern ist die Deutsche Jugendfeuerwehr ein großer Verband, der sich auch international engagiert. In der starken Präsenz im ländlichen Raum sieht Bundesjugendleiter Christian Patzelt eine besondere Verantwortung. Mit Internationaler Jugendarbeit will er zu mehr Offenheit untereinander und Haltung gegen rechtes Gedankengut beitragen.

13.08.2026 / Christian Herrmann

ijab.de: Ist es eigentlich ein Vorurteil, dass die Jugendfeuerwehr vor allem im ländlichen Raum anzutreffen ist, weil es dort weniger Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und für Gemeinschaft gibt?

Christian Patzelt: Ja, das ist sicher nicht ganz falsch. Der ländliche Raum ist bei uns das dominierende Gebiet. Aber Gruppen der Jugendfeuerwehr gibt es überall – auch hier in Bremen, wo ich lebe. Und in der Weltstadt Hamburg gibt es auch über 60 Gruppen. Es gibt ja auch Feuerwehr überall und 95% derjenigen, die sich bei uns engagieren, sind Ehrenamtler*innen. Es gibt uns also in der Fläche.

ijab.de: Ist eure starke Präsenz im ländlichen Raum auch ein Grund, internationale Angebote zu machen?

Christian Patzelt: Kurz gesagt: ja. Unsere starken Mitgliedszahlen im ländlichen Raum sind Fluch und Segen zugleich. Einerseits freuen wir uns darüber, andrerseits wissen wir, dass die Zahlen wahrscheinlich nicht so gut wären, wenn es mehr Angebote gäbe. Das erlegt uns ein besondere Verantwortung auf, nicht nur Feuerwehrthemen in unsere Arbeit einzubringen und die Internationale Jugendarbeit spielt dabei eine riesige Rolle.

Wir machen Internationale Jugendarbeit vor Ort

ijab.de: Kannst du diese Rolle beschreiben?

Christian Patzelt: Bei der Feuerwehr bekommt man eine taktische Ausbildung, es gibt Wettbewerbe und es gibt Abzeichen. Aber die Jugendfeuerwehr ist zugleich 50% Jugendarbeit. Wir haben unsere eigenen Bildungsprogramme, bei denen es um Demokratie, Toleranz und jugendpolitische Themen geht. Bei unserem Programm „Jugendflamme“ ist es auch wichtig, dass sich unsere Mitglieder in der Gesellschaft engagieren, zum Beispiel, indem sie ein Praktikum in einer sozialen Einrichtung machen. Der Qualifizierung unserer Jugendleitenden für die Internationale Jugendarbeit schenken wir besondere Aufmerksamkeit. Wir machen Internationale Jugendarbeit vor Ort. Städtepartnerschaften – wie zwischen Hamburg und Dar es Salaam in Tansania – spielen dabei eine große Rolle, andere Projekte bespielen wir mit Mitteln des Kinder- und Jugendplans des Bundes und den Fördermitteln der Länder.

ijab.de: Du hast Tansania erwähnt. Findet ihr dort Strukturen vor, die zu euren anschlussfähig sind?

Christian Patzelt: Es gibt dort Junior-Spezialkräfte, die Aufgaben wie unsere wahrnehmen und eher an Schulen und Ausbildungszentren angedockt sind. Das ist durchaus anschlussfähig. In Polen und Tschechien gibt es Strukturen, die unseren sehr ähnlich sind. Wir veranstalten große, gemeinsame Zeltlager. Dass wir dafür Anträge beim Deutsch-Polnischen Jugendwerk und bei Tandem, dem Koordinierungszentrum für den Deutsch-Tschechischen Jugendaustausch, stellen können, ist natürlich ganz wichtig für uns. Seltsamerweise gibt es viel weniger Anträge beim Deutsch-Französischen Jugendwerk. Da geht noch mehr. Mit Polen haben wir auch einen sehr intensiven Austausch auf der Ebene der Jugendleiter*innen und gerade jetzt findet ein Zeltlager in Finnland mit 300 Teilnehmer*innen aus Deutschland statt.

Resilienz gegen rechtes Gedankengut aufbauen

ijab.de: Was versprecht ihr euch von diesem Engagement?

Christian Patzelt: Wir betrachten Internationale Jugendarbeit als einen wichtigen Beitrag zur Förderung junger Menschen. Sie sollen einen Eindruck vom friedlichen Europa bekommen – auch wenn nicht mehr alles so friedlich ist. Sie sollen erleben können, wie Menschen in anderen Ländern leben und dass wir überall einfach nur Menschen sind. Und dabei gibt es viel zu erfahren und zu lernen. Bei einem Jugendfeuerwehr-Zeltlager war auch eine Gruppe junger Menschen aus Kyjiw dabei. Abends haben sie uns von ihrem Leben erzählt, vom Beginn des Krieges, von Flucht und Rückkehr. Für unsere Jugendlichen ist es superwertvoll, solche Geschichten aus erster Hand zu hören. Internationale Jugendarbeit ist wichtig, um dem nationalistischen „Gelaber“ der Rechtspopulisten etwas entgegensetzen zu können. Wir können damit zumindest einige besser erreichen und Resilienz gegen Rechts aufbauen.

Christian Patzelt ist Bundesjugendleiter der Deutschen Jugendfeuerwehr im Deutschen Feuerwehrverband.
Kontakt und weitere Informationen: patzelt(at)jugendfeuerwehr.de, www.jugendfeuerwehr.de

Hände halten einen fiktiven Pass, in den Namen politischer Gefangener eingestempelt sind
Über Demokratie und Menschenrechte

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