Den Bedeutungszuwachs von Räumen griff auch Tobias Bütow vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) in seiner Keynote auf. Der Generalsekretär des DFJW hielt bereits 2023 vor den Vereinten Nationen eine Rede zum Thema Youth, Peace and Security (YPS). Heute ging es für ihn darum, alte Fragen neu zu beantworten. Jugendaustausch sei vom Selbstverständnis her eng mit der YPS-Agenda verknüpft. Dennoch fehle dort die Säule des Jugendaustauschs bisher. Damit Internationale Jugendarbeit ihre Wirkung entfalten und möglichst alle jungen Menschen erreichen könne, brauche es eine verlässliche Finanzierung, konkrete Ziele sowie Mut, gemeinsam für diese Ziele zu werben.
Friedensarbeit neu denken – junge Menschen beteiligen
Auf dem Panel diskutierten Eva Feldmann-Wojtachnia (Centrum für angewandte Politikforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München), Pawel Prokop (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Kirsten Hartmann (Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg ), Emilia Iron (Aktion Friedenslicht der Pfadfinderinnenschaft St. Georg), Georg Pirker (Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e. V. ) und Tobias Bütow (DFJW) darüber, wie Internationale Jugendarbeit mit Friedensarbeit verknüpft ist und was das konkret bedeutet.
Das Panel machte deutlich, wie sehr sich die Ausgangssituation verändert hat: Lange Zeit wurde Friedensarbeit als etwas gesehen, das woanders stattfindet. Krieg sei nun wieder in Europa, Friedensarbeit damit weniger abstrakt. Gleichzeitig stünden europäische Gesellschaften unter Druck, etwa durch Spaltung und Desinformationskampagnen. Daher brauche es neue Lösungen: Statt ausschließlich auf Top-down-Ansätze zu setzen, müssten junge Menschen stärker als aktive Gestalter*innen wahrgenommen und einbezogen werden.
Ob Friedensarbeit lokal oder global beginnt, war eine weitere zentrale Frage des Panels. Besonders wichtig sei die lokale Ebene, da dies oft der erste Berührungspunkt mit jungen Menschen sei. Gleichzeitig gebe es auch Wechselbeziehungen zu politischen Rahmenwerken, wie der YPS-Agenda. Auch wenn viele Fachkräfte noch zögerten, solche Bezüge herzustellen, könne genau darin eine wichtige Aufgabe liegen: lokale Erfahrungen vor Ort mit globalen politischen Entwicklungen in Beziehung zu setzen.
„Mangelt es der Internationalen Jugendarbeit an Selbstbewusstsein?“ Diese Frage stand in der darauffolgenden Diskussion ebenso im Raum wie die Suche nach Orten, an denen eine fragmentierte Szene zusammenfinden, sich besser organisieren und gemeinsame Forderungen entwickeln kann.