Auf dem Panel diskutierten Eva Feldmann-Wojtachnia (Centrum für angewandte Politikforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München), Pawel Prokop (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Kirsten Hartmann (Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg ), Emilia Iron (Aktion Friedenslicht der Pfadfinderinnenschaft St. Georg), Georg Pirker (Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e. V. ) und Tobias Bütow (DFJW) darüber, wie Internationale Jugendarbeit mit Friedensarbeit verknüpft ist und was das konkret bedeutet.  Auf dem Panel diskutierten Eva Feldmann-Wojtachnia (Centrum für angewandte Politikforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München), Pawel Prokop (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Kirsten Hartmann (Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg ), Emilia Iron (Aktion Friedenslicht der Pfadfinderinnenschaft St. Georg), Georg Pirker (Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e. V. ) und Tobias Bütow (DFJW) darüber, wie Internationale Jugendarbeit mit Friedensarbeit verknüpft ist und was das konkret bedeutet.
Demokratie und Menschenrechte

Gemeinsam für mehr Sichtbarkeit

Fachtag „Local to Global: Friedensarbeit in der IJA“

Was bedeutet Friedensarbeit heute? Und welche Rolle spielt die Internationale Jugendarbeit dabei, gerade in Zeiten von Krieg und Polarisierung? Darüber diskutierten Akteur*innen aus Praxis und Wissenschaft am 11. Juni 2026 bei einem Fachtag, den IJAB gemeinsam mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge organisierte.

29.06.2026 / Leonie Kaiser

Schon vor dem Start der Veranstaltung waren die Teilnehmenden in den Austausch vertieft. Möglichkeit zur Vernetzung bot auch die Mapping Wall, auf der sich alle Akteur*innen eintragen konnten und eingeladen wurden, sich untereinander zu vernetzen und ihre Bezüge zwischen lokaler, nationaler, europäischer oder internationaler Ebene sichtbar zu machen.

Räume für Begegnung

Bereits in Begrüßung und Keynote wurde deutlich, wie zentral Räume für Begegnung und Austausch zum Thema Friedensarbeit sind.

Demokratie steht unter Druck – von außen und von innen. Wir merken das an allen Stellen. Junge Menschen merken das. Es gibt eine gesellschaftliche Polarisierung, aber auch Frieden und Sicherheit sind bedroht. Und ich möchte mich einfach nicht an den Gedanken gewöhnen, dass wir seit fünf Jahren Krieg in Europa haben. Und das ist ein Grund, warum wir uns mit diesem Thema verstärkt beschäftigen wollen.

Damit eröffnete IJAB-Direktor Daniel Poli den Fachtag. Gerade deshalb würden „Räume für Begegnung – das wofür die Internationale Jugendarbeit steht – wichtiger, denn je“.  

Dass junge Menschen nicht nur von Krieg betroffen, sondern wichtige Akteur*innen für Friedensgestaltung und Sicherheit sind, betonte Pawel Prokop vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in seinen einführenden Worten. Auch die Bedeutung Internationaler Jugendarbeit für Begegnung und Verständigung hob Prokop hervor:

Internationale Jugendarbeit kann Kriege vielleicht nicht verhindern, aber sie schafft die Bedingungen für Frieden. Sie schafft Räume der Begegnung, in denen junge Menschen Empathie und Konfliktfähigkeit lernen.

Den Bedeutungszuwachs von Räumen griff auch Tobias Bütow vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) in seiner Keynote auf. Der Generalsekretär des DFJW hielt bereits 2023 vor den Vereinten Nationen eine Rede zum Thema Youth, Peace and Security (YPS). Heute ging es für ihn darum, alte Fragen neu zu beantworten. Jugendaustausch sei vom Selbstverständnis her eng mit der YPS-Agenda verknüpft. Dennoch fehle dort die Säule des Jugendaustauschs bisher. Damit Internationale Jugendarbeit ihre Wirkung entfalten und möglichst alle jungen Menschen erreichen könne, brauche es eine verlässliche Finanzierung, konkrete Ziele sowie Mut, gemeinsam für diese Ziele zu werben.  

Friedensarbeit neu denken – junge Menschen beteiligen

Auf dem Panel diskutierten Eva Feldmann-Wojtachnia (Centrum für angewandte Politikforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München), Pawel Prokop (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Kirsten Hartmann (Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg ), Emilia Iron (Aktion Friedenslicht der Pfadfinderinnenschaft St. Georg), Georg Pirker (Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten e. V. ) und Tobias Bütow (DFJW) darüber, wie Internationale Jugendarbeit mit Friedensarbeit verknüpft ist und was das konkret bedeutet.  

Das Panel machte deutlich, wie sehr sich die Ausgangssituation verändert hat: Lange Zeit wurde Friedensarbeit als etwas gesehen, das woanders stattfindet. Krieg sei nun wieder in Europa, Friedensarbeit damit weniger abstrakt. Gleichzeitig stünden europäische Gesellschaften unter Druck, etwa durch Spaltung und Desinformationskampagnen. Daher brauche es neue Lösungen: Statt ausschließlich auf Top-down-Ansätze zu setzen, müssten junge Menschen stärker als aktive Gestalter*innen wahrgenommen und einbezogen werden.  

Ob Friedensarbeit lokal oder global beginnt, war eine weitere zentrale Frage des Panels. Besonders wichtig sei die lokale Ebene, da dies oft der erste Berührungspunkt mit jungen Menschen sei. Gleichzeitig gebe es auch Wechselbeziehungen zu politischen Rahmenwerken, wie der YPS-Agenda. Auch wenn viele Fachkräfte noch zögerten, solche Bezüge herzustellen, könne genau darin eine wichtige Aufgabe liegen: lokale Erfahrungen vor Ort mit globalen politischen Entwicklungen in Beziehung zu setzen.

„Mangelt es der Internationalen Jugendarbeit an Selbstbewusstsein?“ Diese Frage stand in der darauffolgenden Diskussion ebenso im Raum wie die Suche nach Orten, an denen eine fragmentierte Szene zusammenfinden, sich besser organisieren und gemeinsame Forderungen entwickeln kann. 

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Für Mut braucht es Sicherheit

Um die Diskussionen zu vertiefen und verschiedenen Facetten von Internationaler Jugendarbeit in Verknüpfung mit Friedensarbeit kennen zu lernen, konnten die Teilnehmenden anschließend in zwei Runden verschiedene Workshops besuchen. 

Im Mittelpunkt der Workshops stand die Frage, wie junge Menschen als Akteur*innen von Frieden ernst genommen werden und wie Fachkräfte diese Räume gestalten können. Für Fachkräfte bedeutet das auch, die eigene Rolle zu reflektieren: bei der Gestaltung der Räume als traumasensibler „Brave Space“, beim Umgang mit Machtverhältnissen bei der Arbeit mit jungen Menschen, bei der langfristigen Einbindung von jungen Menschen in Friedensprozesse oder bei der Schwierigkeit abstrakte politische Rahmenwerke in die konkrete Arbeit vor Ort einzubinden.

Till Veerbeck-Stroetmann, Koordinator der Veranstaltung, fasste zusammen: 

Junge Menschen brauchen sichere Räume, um Selbstwirksamkeit zu erfahren – sonst springen sie ab. Hier müssen wir ansetzen. 

Mit einer gemeinsamen Stimme

Auch am Ende des Fachtags blieb der Gesprächsbedarf groß. Zum Abschluss richtete sich der Blick nach vorn: Was braucht es, damit Internationale Jugendarbeit in der Friedensarbeit mehr Wirkung und Sichtbarkeit entfalten kann?

Am Ende des Fachtages waren sich die Teilnehmenden einig: Es braucht mehr Sichtbarkeit und Vernetzung. Ein erster konkreter Schritt ist die Einladung durch IJAB, gemeinsam an einer Publikation mitzuwirken – als offener Raum, der von den Beteiligten gefüllt werden kann. Der Fachtag kann damit als Ausgangspunkt für eine längerfristige Entwicklung verstanden werden. Denn Friedensarbeit ist ein kontinuierlicher Prozess, der stetig verhandelt werden muss.

Hier geht es zur Dokumentation der Veranstaltung: Fachtag Friedensarbeit in der Internationalen Jugendarbeit

Hände halten einen fiktiven Pass, in den Namen politischer Gefangener eingestempelt sind
Über Demokratie und Menschenrechte

Internationale Jugendarbeit und jugendpolitische Zusammenarbeit versteht IJAB als Beitrag zur Entwicklung einer starken Zivilgesellschaft und zur Förderung eines demokratischen Gemeinwesens.

Eine Gruppe junger Erwachsener steht für ein Gruppenfoto zusammen, mit einem älteren Herrn in der Mitte, auf einer Balkonterrasse vor einer städtischen Kulisse mit sichtbarem Regierungsgebäude und Fernsehturm.
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