Lea Danninger und Johannes Bergunder Lea Danninger und Johannes Bergunder
Lea Danninger und Johannes Bergunder
Coronavirus

Vom Sofa in die Welt

Mit einer „Playlist“ den Auslandsaufenthalt vorbereiten

Schule zu, Jugendbildungsstätte zu, Festival abgesagt. Überall dort, wo Lea Danninger und Johannes Bergunder von GOEUROPE! junge Menschen in Sachsen-Anhalt zu Auslandsaufenthalten berieten, hat ihnen die Coronakrise einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie mussten digitale Wege zur Informationsvermittlung gehen und das, wie sie sagen, mit spielerischem Ansporn. IJAB hat mit ihnen gesprochen.

08.06.2020 / Christian Herrmann

ijab.de: Lea, Johannes, als GOEUROPE! beratet ihr junge Leute in Sachsen-Anhalt zu den Möglichkeiten von Auslandsaufenthalten. Macht das im Augenblick Sinn? In vielen Fällen ist ja noch unklar, wann man wieder reisen kann und welche Angebote dann überhaupt zur Verfügung stehen.

Lea Danninger: Ja, sicher macht das Sinn. Freiwilligendienste brauchen zum Beispiel einen relativ langen Vorlauf und man sollte rechtzeitig mit der Planung beginnen. Aber auch für andere Formate ist es grundsätzlich hilfreich, sich Zeit für die Recherche und Vorbereitung des Auslandsaufenthalts zu nehmen, auch dann, wenn es Kurrzeitmaßnahmen sind. Wir sagen aber auch, „ihr müsst flexibel sein und ihr solltet in jedem Fall einen Plan B haben, wenn das Wunschprojekt nicht klappt“.

Johannes Bergunder: Wir haben uns den Slogan von Eurodesk zu eigen gemacht, schließlich sind wir ja auch Teil von Eurodesk: Don‘t stop dreaming – start planning. Man kann den Sommer gut nutzen, um sich zu informieren und zu planen. Schließlich fragen die jungen Leute auch bei uns an und wollen wissen, was geht. Wir bestärken sie darin, ihren Traum nicht aufzugeben, sondern ihn allenfalls auf später zu verlegen.

ijab.de: Ihr geht bei der Beratung neue Wege und habt das Projekt „Vom Sofa in die Welt“ aufgesetzt. Was ist das und wie kam es dazu?

Lea Danninger: Als das mit Corona losging, dachten wir, was machen wir denn jetzt? An allen Orten, an denen wir gewöhnlich beraten, ging ja nichts mehr. Schulen und Jugendzentren, auch unsere europäische Jugendbildungsstätte in Magdeburg waren dicht und die Musik-Festivals, auf denen wir dieses Jahr viele junge Leute beraten wollten, abgesagt. Wir haben uns also eines Tools bedient, das wir gemeinsam mit unseren internationalen Partnern aus dem Cities and Regions of Learning-Netzwerk entwickelt haben. Die digitalen Plattformen, die wir in verschiedenen Städten und Regionen betreiben, bieten die Möglichkeit, Aktivitäten vor Ort, aber eben auch digitale Informations- und Beteiligungsangebote sichtbar zu machen und dann auch noch einen Badge als Nachweis für die dabei gewonnenen Erfahrungen und Lernerfolge zu erhalten. Die Palette der Möglichkeiten an on- und offline Aktivitäten ist dabei sehr vielfältig. Das kann ein Video über Freiwilligendienste sein, ein Meeting in einem Jugendzentrum oder ein Livestream bei Instagram. Diese Informationen kann man je nach Thema oder lokalem Bedarf zu einer Playlist zusammenstellen. Stell dir das vor, wie bei Musik. Da kannst du ja auch Playlists zu einem Musikgenre oder einer Band zusammenstellen. Bei uns sind es eben Informationen zu Auslandsaufenthalten – wir zeigen, was es alles gibt, wo man sich informieren kann, und die Playlist weist einem sozusagen den Weg zum Auslandsaufenthalt.

Johannes Bergunder: Früher hatten wir immer eine Mischung aus analog und digital bei den Playlists. Man konnte uns zum Beispiel in unserem Büros und Infopunkten für Beratungsgespräche besuchen, ein Video mit einem Freiwilligen ansehen, einen Erfahrungsbericht lesen oder Events besuchen, bei denen man auf Freiwillige aus anderen Ländern trifft. Die „Cities of Learning“ - Plattformen, die ja vor allem Aktivitäten vor Ort sichtbar machen, waren außerdem schon immer als eine gemeinsame europäische Idee gedacht. Immerhin machen schon 13, 14 Städte in Europa mit – wobei wir uns mit unserer Plattform nicht auf unsere Heimatstadt Halle beschränken, sondern eher das ganze Bundesland Sachsen-Anhalt im Blick haben. Als internationales Netzwerk tauschen wir uns natürlich auch über die Inhalte aus. Unsere “Vom Sofa in die Welt”-Playlist, gibt es daher eventuell auch bald auf den anderen Plattformen des Netzwerks in Europa, dann natürlich in der jeweiligen Landessprache und angepasst auf die Situation vor Ort.

Lea Danninger: Unsere bestehenden Playlists mussten wir dann an die Bedingungen der Corona-Situation anpassen. Der Anstoß kam von unseren Jugendbotschafterinnen und -botschaftern. Die haben uns gesagt: „Hey, das ist eure Chance! Die Leute sitzen zuhause und träumen vom Reisen. Die müsst ihr abholen!“ Sie haben uns dann auch in der Konzeption und Erstellung der Playlist mit unterstützt

ijab.de: Und wenn man so eine Playlist abgeschlossen hat, dann bekommt man einen Badge – also ein „virtuelles Abzeichen“?

Johannes Bergunder: Man bekommt einen Badge für die Playlist, aber auch für jede Einzelaktion innerhalb der Playlist. Und auch für die Teilnahme an einer Jugendbegegnung oder einem Freiwilligendienst kann man Badges bekommen.

ijab.de: Wo wird der Badge sichtbar und was kann man damit machen?

Johannes Bergunder: Der Badge wir zunächst im Profil der Nutzerinnen und Nutzer sichtbar. Von dort kann er aber auch geteilt werden – zum Beispiel in sozialen Netzwerken.

Lea Danninger: Der Badge ist erstmal für die Nutzerinnen und Nutzer. Wir sehen das als spielerischen Ansporn: Hey, einen Badge hab ich schon, jetzt will ich den nächsten. Wir stellen ja keine Zeugnisse aus, wie in der Schule. Uns geht es um den Nachweis non-formaler Bildung und ihre Sichtbarkeit. Wir stellen aber auch eine PDF-Version zum Download zur Verfügung, die man ausdrucken kann und dadurch beispielsweise eben doch beilegen kann, wenn man eine bestimmte Erfahrung oder Teilnahme an einer Aktivität nachweisen möchte.

Johannes Bergunder: Wir finden, dass Engagement belohnt werden sollte und dass non-formale Bildung Anerkennung verdient. In Litauen, ist es sogar möglich, dass zukünftige Studentinnen und Studenten mit bestimmten Engagement-Badges höhere Punkte für bestimmte Uni-Bewerbungen bekommen konnten, aber das ist bisher noch eher die Ausnahme. Ich würde aber auch noch einen anderen Zusammenhang herstellen, nämlich den Aspekt der Gamification, also einen spielerischen Zugang zu Information. Badges können auch als Motivationsträger fungieren - ähnlich wie Punkte oder Level in einem Spiel. Badges machen Spaß und das passt ja zum Feld der internationalen Jugendarbeit.

ijab.de: Wie geht es jetzt bei euch weiter? Noch ist die Pandemie ja noch nicht vorbei.

Johannes Bergunder: Bei den Playlists haben wir gemerkt, wie wichtig es ist, die jungen Leute miteinzubeziehen. Der Impuls von unseren Jugendbotschafterinnen und Jugendbotschaftern war wirklich wichtig. Wir wollen mehr Verantwortung in ihre Hände legen. Außerdem hoffen wir, dass wir bald wieder unsere eigenen Begegnungen durchführen können. Fünf Jugendbegegnungen hatten wir für den Sommer geplant und im Rahmen des Europäischen Solidaritätskorps wollten wir ein Freiwilligenteam bei uns in der Europäischen Jugendbildungsstätte Magdeburg für die Unterstützung der Europäischen Kinderstadt in Magdeburg willkommen heißen, letzteres mussten wir leider abbrechen. Wir hoffen nun darauf, diese Projekte und Begegnungen bald nachzuholen.

Lea Danninger: Ja, denn für Aktivitäten vor Ort gibt es keinen Ersatz.

Thema Coronavirus

Das Corona-Pandemie stellen die Internationale Jugendarbeit vor große Herausforderungen. Im "Thema Coronavirus" finden sich die gesammelten Beiträge.