Jarosław Brodowski Jarosław Brodowski
Jarosław Brodowski
Coronavirus

Vieles wird Standard werden

Deutsch-Polnische Erfahrungen in der Online-Trägerberatung

Interessierte am deutsch-polnischen Jugendaustausch konnten sich früher in Präsenzveranstaltungen informieren oder zum Telefon greifen. In der Coronakrise zeigt sich: Online-Beratung erreicht neue Zielgruppen und macht manches leichter. IJAB hat mit Jarosław Brodowski vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk darüber gesprochen.

13.07.2020 / Christian Herrmann

ijab.de: Herr Brodowski, Sie haben während der Corona-Pandemie die Trägerberatung des Deutsch-Polnischen Jugendwerks auf Online-Beratung umgestellt. Wie können wir uns die vorstellen?

Jarosław Brodowski: Wir fahren zwei Schienen: die individuelle Beratung und die Gruppenberatung. Bei der individuellen Beratung können sich Interessierte über ein Formular anmelden und bekommen dann einen Termin vorgeschlagen. Wir reden dann über Skype, über Microsoft Teams oder andere Tools miteinander – je nachdem, was unseren Partnern zur Verfügung steht.

Unsere Online-Gruppenberatung nennen wir „Beratungscafé“. Seit Juni findet es am Dienstag auf Polnisch und am Donnerstag auf Deutsch statt. Im Sommer machen wir eine kurze Pause, ab September geht es dann wieder los. Dabei bieten wir Basisinformationen an: Was fördert das Deutsch-Polnische Jugendwerk, wie füllt man das Antragsformular aus, wie rechnet man seine Begegnung ab? Darüber hinaus gibt es thematische Angebote – zum Beispiel zur Östlichen Partnerschaft oder zur deutsch-polnischen Geschichte.

ijab.de: Warum greifen diejenigen, die Fragen haben, nicht einfach zum Telefon und rufen Sie an?

Jarosław Brodowski: Es gibt Dinge, die man online einfach besser erklären kann. Man kann zum Beispiel den Bildschirm mit jemandem teilen und Schritt für Schritt das Ausfüllen eines Formulars erklären. Und man sieht ein Gesicht, das macht das Gespräch sofort persönlicher.

ijab.de: Kommen wir nochmal zu den thematischen Angeboten für Gruppen. Um was für Themen geht es?

Jarosław Brodowski: Die Östliche Partnerschaft habe ich ja schon genannt, also den trilateralen Austausch zwischen Polen und Deutschland und Ländern wie der Ukraine und Belarus. Das deutsch-polnische Geschichtsbuch, das wir herausgegeben haben, und unsere Förderlinie Wege zur Erinnerung sind Themen. Außerdem stellen wir i-EVAL vor und erklären, wie man mit diesem Online-Tool eine Jugendbegegnung evaluieren kann. Natürlich informieren wir auch über unseren neuen Schwerpunkt: die Stärkung von regionalen Partnerschaften und Städtepartnerschaften zwischen beiden Ländern. MINT ist ebenfalls ein neues Thema, dem wir uns annehmen wollen. Mit #2amongmillions haben wir zudem eine neue Förderlinie für den individuellen Jugendaustausch. Dann gibt es auch noch weitergehende Förderberatung, zum Beispiel zum Einwerben von Drittmitteln. Unsere Themenpalette ist ziemlich breit.

ijab.de: Welche Fragen beschäftigen die Träger in diesen für den Austausch schwierigen Zeiten?

Jarosław Brodowski: Mein Eindruck ist, in den Schulen und in der außerschulischen Jugendarbeit waren alle so mit den Folgen der Pandemie beschäftigt, dass sie nicht über Austausch nachgedacht haben. Trotzdem gibt es Interesse und in unserem Beratungscafé haben wir meistens etwa 20 Teilnehmende. Eine häufig gestellte Frage ist zum Beispiel: Welche neuen Formate sind förderfähig? Kann beispielsweise eine Begegnung, die über Zoom stattfindet, gefördert werden? Einige wollen aber auch generell über die Perspektiven der deutsch-polnischen Beziehungen sprechen.

ijab.de: Sie haben die neuen Formate und ihre Förderfähigkeit angesprochen. Gibt es im Deutsch-Polnischen Jugendwerk eine Diskussion, ob die Förderung an die neuen Bedingungen angepasst werden muss?

Jarosław Brodowski: Oh ja, die gibt es. Wir haben dazu eine Arbeitsgruppe gebildet. Wir müssen damit rechnen, dass die Coronakrise weiter andauern wird. Realer Austausch wird kurzfristig nur in geringem Umfang möglich sein. Aus einigen Regionen hören wir, dass die Schulen bis zum Herbst geschlossen bleiben, an einzelnen Orten ist sogar erst von einer Öffnung im nächsten Frühjahr die Rede. Wir müssen also auf eine längerfristige Perspektive vorbereitet sein.

Einiges ist aber auch jetzt schon möglich, auch ohne dass wir Richtlinien ändern müssen. Bei 4x1 ist einfacher! vergeben wir zum Beispiel 1.000 Euro pro Projekt, ohne dass ein direkter Austausch stattfinden muss. Damit kann man auch Online-Projekte durchführen.

ijab.de: Was wird von den Online-Formaten, die Sie in den letzten Monaten in der Beratung erprobt haben, auch jenseits der Coronakrise bleiben?

Jarosław Brodowski: Aus der Perspektive derjenigen, die Begegnungsprojekte planen, würde ich sagen: Vorbereitung, Kontaktaufnahme und Nachbereitung werden einfacher. Aus der Perspektive der Förderer meine ich: Die Online-Beratung hat uns sehr dabei geholfen, in den Regionen stärker präsent zu sein. Wir haben Menschen erreicht, die wir mit unseren Präsenzveranstaltungen nicht erreicht haben. Wir haben früher Infotage mit Workshops in den Regionen angeboten. Viele, die gerne daran teilgenommen hätten, wurden aber von ihrem Arbeitgeber dafür nicht freigestellt. Ein Online-Angebot, das über mehrere Tage verteilt mit jeweils zwei Stunden am Nachmittag angeboten wird, erleichtert vielen die Teilnahme. Das werden wir sicher als Standard beibehalten und das trifft auf unsere Online-Seminare ebenfalls zu.

Es ist wirklich erstaunlich, was alles online funktioniert. Letztens hatten wir ein Matchmaking-Seminar zu MINT. Dort haben sich Tandems gebildet, die Projektideen entwickelt haben. Wenn sich die Situation beruhigt hat, wollen sie starten.

Themenschwerpunkt Coronavirus

Reisewarnungen und Kontaktbeschränkungen bedingt durch das Coronavirus stellen die Internationale Jugendarbeit aktuell vor große Herausforderungen.