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Coronavirus

„Ich würde es wieder machen“

Eine Jugendbegegnung unter Corona-Bedingungen

Im Sommer 2020, als die Infektionszahlen niedrig waren, nutzte der Landesjugendring Mecklenburg-Vorpommern das sich bietende Zeitfenster, um sich an einer Jugendbegegnung in Estland zu beteiligen. Wie war das und wie hat es sich angefühlt? IJAB hat darüber mit Reinhold Uhlmann vom Landesjugendring und dem Teilnehmer Hannes Lohrmann gesprochen.

11.11.2020 / Christian Herrmann

ijab.de: Reinhold, Hannes, als im Sommer die Reisebeschränkungen gelockert wurden, habt ihr euch entschlossen, an einer Jugendbegegnung in Estland teilzunehmen. Viele Träger der Internationalen Jugendarbeit hatten zu dem Zeitpunkt bereits alle Aktivitäten für den Sommer abgesagt. Wart ihr besonders mutig?

Reinhold Uhlmann: Ich glaube nicht. Erstmal: Nicht wir waren die Organisatoren des Camps, sondern unsere estnischen Partner. Sie haben die Hygiene- und Sicherheitsregeln festgelegt und die waren in Übereinstimmung mit unserer Landesrichtlinie für Jugendfreizeiten in Mecklenburg-Vorpommern.
Natürlich haben wir uns viele Fragen gestellt. Was ist, wenn jemand in Quarantäne muss? Welche kurzfristigen Mehrkosten oder Stornokosten können auf uns zukommen? Welche Kosten können entstehen, wenn unsere Gruppe in Quarantäne muss und wir die Flüge umbuchen müssen? Eine Versicherung für so etwas gab es zumindest zu dem Zeitpunkt nicht. Wir haben uns dann entschlossen, nur 5 Tage am Camp teilzunehmen und nicht 14 Tage, um so Risiken zu reduzieren. Nach eingehender Prüfung waren wir uns sicher: Die Risiken sind gering, beziehungsweise wir waren in der glücklichen Lage, dass wir die finanziellen Risiken eingehen konnten.

ijab.de: Hannes, war dir als Teilnehmer manchmal mulmig zumute?

Hannes Lohrmann: Nein, überhaupt nicht. Allerdings muss ich dazu sagen, dass wir hier in Mecklenburg-Vorpommern in einer Sondersituation waren. Die Infektionszahlen waren so niedrig, dass wir mit dem Virus nicht viel zu tun hatten. Der Flug war okay, wir haben alle Masken getragen. Das war für uns kein Problem, wir waren das ja gewöhnt. Im Camp war dann alles relativ normal und ich hab mich sicher gefühlt.

ijab.de: Wie waren die Sicherheitsregeln bezüglich Corona im Camp?

Hannes Lohrmann: Im Camp selbst war es total entspannt. Auf der Reise und in der Hauptstadt gab es natürlich Regeln, so wie man das von hier auch kennt.

Reinhold Uhlmann: Wir achten natürlich darauf das die Regeln von Mecklenburg-Vorpommern für Ferienfreizeiten eingehalten werden, also zum Beispiel regelmäßiges Händewaschen und Lüften.

ijab.de: Wie war es in Estland? Was habt ihr dort erlebt?

Hannes Lohrmann: In der ersten Nacht haben wir in einer Turnhalle in der Hauptstadt Tallinn übernachtet. Das Camp war ungefähr anderthalb Stunden mit dem Bus außerhalb. Es gab Holzhütten, in denen wir übernachten konnten und eine Feuerstelle für Treffen. Wir waren etwa 30 Leute aus Estland, Frankreich, Italien und Polen, unsere Gruppe aus Mecklenburg-Vorpommern war mit 8 Leuten die größte.
Das Thema des Camps war Sport und das Motto war „A healthy spirit in a healthy body“. Wir sind jeden Morgen zum Strand gelaufen und haben Frühsport gemacht. Das waren Spiele wie Tauziehen oder Wasser-Rugby. Dann gab es Frühstück im Camp und danach eine Fahrradtour oder Kanufahren. Was mich erstaunt hat: In Estland kann es ganz schön heiß werden – auch nachts fielen die Temperaturen nicht unter 20 Grad. Da war es schon gut, dass wir Wasser in der Nähe hatten.
Um 14 Uhr gab es Mittagessen, das Nachmittagsprogramm war dann freiwillig. Wir haben Fußball oder Basketball gespielt und beim gemeinsamen Austausch an unserem Englisch gearbeitet. Es gab auch Freiwilligenarbeit. Wir haben zum Beispiel auf einem Feld Teeblätter geerntet. Ich hatte keine Ahnung, dass es in Estland Tee gibt. Es waren noch mehr solche Freiwilligenarbeiten geplant – Bäume pflanzen und Spielzeug bauen –, aber die haben wir nicht mitbekommen, weil wir nicht das ganze Camp mitgemacht haben.

ijab.de: Wie hat dir Estland gefallen?

Hannes Lohrmann: Ich fand es interessant, denn ich war ja noch nie da. Das Land ist ja wirklich keine Touristenhochburg. Spanien und Italien kenne ich, aber von Estland hatte ich keine Ahnung. Manches hat mich an die USA erinnert: die kleinen Orte und die Architektur.

Reinhold Uhlmann: Der Landesjugendring macht immer wieder Projekte mit osteuropäischen Ländern. Wir haben Partner im Ostseeraum, aber auch in Polen, der Ukraine und in der Slowakei.

ijab.de: Würdet ihr das nochmal machen – vielleicht sogar unter den aktuellen Bedingungen? Die Infektionszahlen steigen ja gerade rapide.

Hannes Lohrmann: Ich würde es wieder machen – solange die Grenzen offen sind. Die letzte Frage, die wir bei der Verabschiedung gehört haben, war, „kommt ihr wieder?“ – das hat mich irgendwie berührt.

Reinhold Uhlmann: Ich halte ständig Ausschau nach Jugendbegegnungen, bei denen wir mitmachen können und gehe davon aus, dass der Sommer 2021 ungefähr so sein wird, wie 2020. Trotzdem können wir nur kurzfristig entscheiden und müssen die Teilnahme von der Situation abhängig machen.

Themenschwerpunkt Coronavirus

Reisewarnungen und Kontaktbeschränkungen bedingt durch das Coronavirus stellen die Internationale Jugendarbeit aktuell vor große Herausforderungen.