Eine junge Frau trägt einen Eimer mit Erde durch einen Garten Eine junge Frau trägt einen Eimer mit Erde durch einen Garten
Laya Hilder während ihres Freiwilligendienstes in Costa Rica
Coronavirus

Ich hab mich total geärgert

Wenn ein Freiwilligendienst an Corona scheitert

Laya Hilder war für einen weltwärts-Freiwilligendienst in Costa Rica und hat in einem ökologischen Tourismusprojekt gearbeitet. Als die Coronakrise kam, musste sie ihre Arbeit abbrechen und war enttäuscht. IJAB hat mit ihr über ihre Erfahrung gesprochen.

10.07.2020 / Christian Herrmann

ijab.de: Laya, du hast in Costa Rica einen einjährigen Freiwilligendienst geleistet. Eigentlich müsste man sagen, du wolltest das, denn du musstest den Freiwilligendienst wegen der Coronakrise abbrechen. Was genau hast du gemacht?

Laya Hilder: Ich war in einem ökologischen Projekt in der Nähe der Hauptstadt, bei dem es um Ökotourismus geht. Ich habe in einer schönen Lodge mit Garten gearbeitet und dabei Führungen und Touren für Touristen angeboten. Außerdem habe ich in der Küche ausgeholfen und kleinere Instandhaltungsarbeiten in Haus und Garten erledigt. In einer benachbarten Schule habe ich zudem Englischunterricht gegeben.

ijab.de: Wer war der Träger?

Laya Hilder: Eirene, ein christlicher Freiwilligendienst, über den man auch ein weltwärts-Jahr machen kann.

ijab.de: Wann bist du in Costa Rica angekommen und wie viel von deinem Freiwilligendienst konntest du überhaupt ableisten?

Laya Hilder: Ich bin am 18. August angekommen. Das heißt, ich konnte immerhin 7 Monate in Costa Rica arbeiten.

ijab.de: Warum hast du dir Costa Rica ausgesucht?

Laya Hilder: Ich bin in Guatemala geboren, meine Eltern haben dort gearbeitet. Ich spreche also schon ein bisschen Spanisch und wollte unbedingt in ein ökologisches Projekt. Davon werden in Costa Rica besonders viele angeboten.

ijab.de: Ab wann wurde die Corona-Pandemie für dich ein Thema?

Laya Hilder: Wir haben natürlich von dem Ausbruch der Epidemie in China gehört, haben uns aber keine Gedanken gemacht. Dann hatten wir ein Zwischenseminar – da gab es schon die ersten Fälle in Deutschland. Aber auch das habe ich nicht als bedrohlich empfunden. Im März wurden dann schon die ersten Freiwilligen zurückgeschickt.

ijab.de: Wann wurde es für dich ernst?

Laya Hilder: Das ging alles ziemlich kurzfristig. Ich habe mit meinem Koordinator vor Ort geredet, aber der sagte, „macht euch keine Gedanken“. Es war dann weltwärts, die haben klar Nein gesagt und uns in die Hauptstadt zurückgeschickt. Am 23. März bin ich dann mit einem Rückholflug nach Deutschland zurückgekommen.

ijab.de: Hast du dich geärgert, wieder nachhause zu müssen?

Laya Hilder: Ja, total! Für mich fühlte sich die Situation nicht bedrohlich an und ich hatte ja noch viel geplant – Reisen zum Beispiel, die ich an den Freiwilligendienst dranhängen wollte. Die ganze Rückholung kam praktisch ohne Vorwarnung. Im Nachhinein hat es natürlich Sinn gemacht, denn mein Projekt war ja vom Tourismus abhängig. Wenn die Touristen nicht mehr kommen, gibt es auch für die Freiwilligen nichts mehr zu tun. Aber in dem Moment war das für mich unverständlich.

ijab.de: Wie ist denn die Infektionsrate in Costa Rica?

Laya Hilder: Zum Zeitpunkt meiner Abreise war sie sehr niedrig. Aber es verschlimmert sich und das Virus breitet sich aus.

ijab.de: Hat dir dein Freiwilligendienst – trotz des Abbruchs – Spaß gemacht?

Laya Hilder: Ja, total! Es war wirklich, wirklich schön! Es ist toll auf eigene Faust und ohne Eltern etwas zu unternehmen und in eine andere Sprache und Kultur einzutauchen.

ijab.de: Kannst du den Rest deines Freiwilligendienstes nachholen?

Laya Hilder: Das Gute ist, der Freiwilligendienst gilt formal nicht als abgebrochen. Ich könnte jetzt in Deutschland etwas machen oder auch nochmal mit weltwärts, sobald das wieder möglich ist. Das muss dann auch nicht sofort sein, es kann auch erst in ein paar Jahren sein. Normalerweise ist ein Freiwilligendienst mit weltwärts nur einmal möglich.

ijab.de: Wird es dann wieder Costa Rica?

Laya Hilder: Costa Rica war total schön, aber ich würde eher noch ein anderes Land kennenlernen wollen. Jetzt werde ich aber erst mal studieren.

Themenschwerpunkt Coronavirus

Reisewarnungen und Kontaktbeschränkungen bedingt durch das Coronavirus stellen die Internationale Jugendarbeit aktuell vor große Herausforderungen.