Annette Fuchs Annette Fuchs
Annette Fuchs, Kolping Jugendgemeinschaftsdienste
Coronavirus

Die Partner freuen sich, wenn es wieder losgeht

Austausch mit dem globalen Süden

Wenn der Jugendaustausch wieder auf die Beine kommt, dann werden voraussichtlich Europa und Nordamerika zunächst im Fokus stehen. Die Länder des globalen Südens geraten dabei schnell aus dem Blick. Die Kolping Jugendgemeinschaftsdienste haben eine lange Tradition von Workcamps und Freiwilligendiensten in Europa, Afrika, Asien und Lateinamerika. Die Redaktion von ijab.de hat mit der Leiterin Annette Fuchs gesprochen.

11.10.2021 / Christian Herrmann

ijab.de: Frau Fuchs, was machen die Kolping Jugendgemeinschaftsdienste im globalen Süden?

Annette Fuchs: Wir bieten zwei- bis vierwöchige Workcamps für Gruppen von 5 bis 10 Personen und einjährige Freiwilligendienste an, die in einem gemeinnützigen Projekt im globalen Süden stattfinden. Umgekehrt laden wir junge Menschen aus dem globalen Süden ein, an unseren internationalen Jugendwochen teilzunehmen oder als Freiwillige in Deutschland einen Freiwilligendienst zu absolvieren oder wir bereiten Projektpartner und Mentor*innen aus dem globalen Süden auf den Freiwilligeneinsatz vor.

ijab.de: In welchen Ländern sind die Kolping Jugendgemeinschaftsdienste aktiv?

Annette Fuchs: In Afrika arbeiten wir mit Partnern in Malawi, Tansania, Kenia, Uganda, Südafrika, Namibia und Ghana zusammen. In Asien sind wir in Indien, Indonesien, Nepal, auf den Philippinen, Vietnam und Thailand aktiv und in Ozeanien auf den Fidschi-Inseln. In Südamerika unterstützen wir Projekte in Costa Rica, der Dominikanischen Republik, Mexiko und Ecuador. Außerdem finden Workcamps in den USA in Los Angeles und in Europa in Litauen und Nord-Irland statt. Die Arbeit in all diesen Ländern macht uns viel Spaß und wir sind stolz darauf, Freiwillige in so viele interessante Projekte vermitteln zu können.

„Wir stehen für Verlässlichkeit“

ijab.de: Das ist ein ziemlich eindrucksvolles internationales Portfolio. Wie kommt es zustande?

Annette Fuchs: In Indien bieten wir zum Beispiel Workcamps in Dorfgemeinden an. Wenn die Nachbargemeinde davon hört, dann will sie im nächsten Jahr auch gerne eine Workcampgruppe betreuen. Daher ändert sich der Projektort dort oft. Durch unsere langjährige Zusammenarbeit schätzen die Partner uns als verlässliche Partnerorganisation. In Kenia können wir inzwischen in 12 Projekte vermitteln, die alle durch Mund-zu-Mund-Propaganda entstanden sind. Dabei sind sowohl das weltweite Kolping-Netzwerk und auch kirchliche Strukturen sehr hilfreich. Auch bringen unsere ehrenamtlichen Teamenden, viel Erfahrung in gemeinnützigen Projekten weltweit mit, aus denen schon einige langjährige Projekt-Kooperationen entstanden sind.

ijab.de: Wie hat sich eure Arbeit während der Pandemie entwickelt und wie geht es euren Partnern vor Ort?

Annette Fuchs: Den Partnern geht es – soweit wir es überblicken können - weitestgehend gut, wir stehen mit ihnen unter anderem durch Videokonferenzen in Kontakt. Wir hoffen, dass es so bleibt. Leider konnten wegen Covid-19 in diesem Jahr keine der Workcamp- und Freiwilligenstellen besetzt werden. Im Dialog mit unseren Partnern haben wir diese Entscheidung für 2021 im Mai getroffen. Die Unsicherheit war einfach zu groß und die Gefahr bestand, dass sich die Situation in vielen Ländern noch verschlimmern könnte, was auch geschah. Lockdowns und gesundheitliche Risiken schränken die Workcamp-Teilnehmenden und Freiwilligen enorm ein und hindern sie an Kontakten. Und gerade die menschlichen Kontakte und der interkulturelle Austausch sind es ja, die wir ermöglichen möchten. Damit entfiel ein wichtiger Aspekt eines Workcamps beziehungsweise Freiwilligendienstes. Im Moment verbessert sich die Situation langsam. Die Menschen halten sich zum Beispiel in Afrika viel im Freien auf, die Bevölkerung ist jung und hat im Vergleich mit Europäer*innen ein relativ robustes Immunsystem. Für uns ist es im Moment überlebenswichtig, dass wir über den Kinder- und Jugendplan des BMfSFJ Personalkosten bezuschusst bekommen. Auch das weltwärts-Programm des BMZ bezuschusst in dringenden Fällen in kleinem Rahmen nicht vermeidbare Unterkunftskosten der Projektpartner, um die Infrastruktur für künftige Freiwillige zu erhalten.

Hinter manchem steht ein Fragezeichen

ijab.de: Wir hören viel von einer globalen Impfungerechtigkeit. Spielt das auch eine Rolle bei der Risikoabwägung?

Annette Fuchs: Tatsächlich ist in Afrika bisher wenig geimpft worden. Ob und welche Rolle dies im nächsten Jahr bei der Risikoabwägung spielt, steht noch nicht fest. Wir versuchen, möglichst viele verschiedene Informationen und Einschätzungen einzuholen und wägen dann ab.

ijab.de: Wie sind die Perspektiven? Wann kann es wieder losgehen?

Annette Fuchs: Unsere Partner, zumindest in Afrika, sind im Moment optimistisch, dass sie ab Sommer 2022 wieder Workcamp-Gruppen und Freiwillige aufnehmen können. Ob es so sein wird, werden wir im nächsten Jahr sehen. Das Virus ist nicht planbar.

ijab.de: Wie ist die Perspektive der Freiwilligen? Warten viele darauf, nun endlich ihren Freiwilligendienst antreten zu können?

Annette Fuchs: Noch sind sie eher zögerlich. Aber wir haben schon ein paar Workcamp-Anmeldungen und einige Bewerbungen für eine Ausreise als Freiwillige im nächsten Jahr, sodass wir zuversichtlich sind, die Einsatzstellen besetzen zu können.

Thema Coronavirus

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