Eine große Gruppe von Menschen lächelt, steht zusammen in einem modernen Gebäude. Sie tragen Namensschilder und blaue Lanyards. Hinter ihnen sind Banner mit den Logos „BRITISH COUNCIL“ und „IJAB“ zu sehen. Eine große Gruppe von Menschen lächelt, steht zusammen in einem modernen Gebäude. Sie tragen Namensschilder und blaue Lanyards. Hinter ihnen sind Banner mit den Logos „BRITISH COUNCIL“ und „IJAB“ zu sehen.
UK-Germany Youth Summit

Why can’t we be leaders of the present?

Der UK-Germany Youth Summit in Berlin

Vier Tage intensiver Austausch, fünf Workshops und eine gemeinsame Vision: Beim UK-Germany Youth Summit, der vom 19. bis 22. März 2026 in Berlin stattfand, kamen 70 junge Menschen aus Deutschland und dem Vereinigten Königreich zusammen, um Antworten auf eine zentrale Frage zu finden: Wie lassen sich demokratische Gesellschaften widerstandsfähig und inklusiv gestalten?

04.05.2026 / Cathrin Piesche

Demokratie als Praxis – zuhören, streiten, gestalten

Schon zum Auftakt wurde unterstrichen, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist, sondern etwas, das immer wieder neu gelernt, erlebt und ausgehandelt werden muss. Marion Binder vom deutschen Jugendministerium ordnete den Summit entsprechend ein. Demokratien stünden aktuell unter Druck – umso wichtiger sei es, junge Menschen als aktive Mitgestalter*innen einzubeziehen und ihnen Räume für demokratische Praxis zu eröffnen. 

Was das konkret bedeutet, brachte Ian Wood von der britischen Botschaft in Berlin mit den Worten

Listening carefully, engaging respectfully, being open to challenge – those are core democratic skills”

auf den Punkt. Der Summit wurde damit bewusst als ein Ort gestaltet, an dem genau diese Fähigkeiten nicht nur diskutiert, sondern im gemeinsamen Arbeiten, im Austausch und auch im Widerspruch praktisch erprobt werden konnten.

Gemeinsam arbeiten und über Unterschiede hinweg lernen

Der Summit entwickelte sich zu einem Ort intensiver Diskussionen, neuer Begegnungen und gemeinsamer Lernprozesse. Eine offene und zugleich konzentrierte Atmosphäre prägte die Zusammenarbeit über nationale, sprachliche und kulturelle Unterschiede hinweg. 

Im Mittelpunkt standen fünf Workshops zu zentralen Herausforderungen demokratischer Gesellschaften: Von Polarisierung und Krisen über Medienkompetenz bis hin zu Fragen von Vielfalt, Teilhabe und demokratischem Lernen. Dabei ging es nicht nur um Analyse, sondern vor allem um das gemeinsame Entwickeln von Ideen und Lösungsansätzen. Unterschiedliche Perspektiven wurden aktiv eingebracht und als Ressource genutzt. Gleichzeitig zeigte sich, dass solche Prozesse Offenheit und Aushandlung erfordern und genau darin ihre Stärke liegt.

Working in diverse groups always brings new ideas and perspectives.”

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Fünf Impulse für resiliente Demokratien

Auf dieser Grundlage entwickelten die Teilnehmenden konkrete Ansätze, die sie in der Abschlussveranstaltung präsentierten und zu gemeinsamen Impulsen für Politik und Gesellschaft verdichteten. Die Ergebnisse machen unterschiedliche, aber miteinander verbundene Perspektiven sichtbar und zeigen zugleich, wie klar und konkret die Forderungen junger Menschen sind:

Demokratisches Lernen neugestalten – „Co-Design“ statt Auswendiglernen

Demokratisches Lernen geht weit über den Unterricht hinaus, bleibt jedoch häufig von Prüfungslogiken und Auswendiglernen geprägt. Um junge Menschen zu aktiven Gestalter*innen auszubilden, braucht es praxisnahe Handlungskompetenzen, Räume für kritisches Denken und echte Beteiligung. Lehrpläne sollten gemeinsam mit Schüler*innen entwickelt („Co-Design“) und Beteiligung verbindlich in Entscheidungsprozesse integriert werden. Hinsichtlich struktureller Hürden wie fehlenden Räume, Zeit oder finanziellen Ressourcen könnten Bildungseinrichtungen sich stärker lokal vernetzen und Ressourcen solidarisch teilen.

We need to have real power to co-create, influence decisions, and transform the systems that foster learning.”

Medienkompetenz im KI-Zeitalter stärken

Angesichts rasanter technologischer Entwicklungen ist ein grundlegendes Umdenken im Umgang mit Medien und Künstlicher Intelligenz erforderlich.  Neben der Bewertung von Informationen rückt zunehmend das Verständnis algorithmischer Dynamiken sowie die Auswirkungen unregulierter KI auf die psychische Gesundheit in den Mittelpunkt. Verpflichtende KI-Schulungen für Lehrkräfte sowie die feste Verankerung von Medienkompetenz in Lehrplänen – kombiniert mit klaren, international abgestimmten Regulierungen für Technologieunternehmen – sind Lösungsansätze.

…we take control over the information that we consume and not let AI take over.”

Vielfalt und Inklusion erlebbar machen – Legislative Theatre

Mit der Methode des „Legislative Theatre“ machten die Teilnehmenden strukturelle Ungleichheiten und Diskriminierung sichtbar und emotional nachvollziehbar. Sie zeigten, wie künstlerische Formate Perspektiven erfahrbar machen und politische Prozesse öffnen können. Im Zentrum stand die Darstellung einer fiktiven Person, die trotz großer Anstrengung im Alltag an strukturellen Hürden zu scheitern droht – ein eindrückliches Bild für die oft unsichtbare Dimension von Benachteiligung. 

Gleichheit, demokratische Teilhabe, Selbstwirksamkeit und insbesondere die Fähigkeit zuzuhören wurden dabei als zentrale Hebel hervorgehoben.

Legislative theater is a creative way to bring about tangible policy change.”

Konstruktiv mit Polarisierung umgehen – Strukturen verändern

Ungleiche Bildungschancen, fehlende Beteiligung und mangelndes Vertrauen in politische Prozesse sind Ursachen für Polarisierung. Diese kann als Ausgangspunkt demokratischer Aushandlung verstanden werden. Entscheidend ist, wie politische Systeme mit unterschiedlichen Positionen umgehen und ob sie Räume für konstruktiven Dialog schaffen.

Bürger*innen-Versammlungen nach irischem Vorbild, unabhängige Faktencheck-Systeme sowie eine stärkere Verankerung von politischer Bildung sind erforderlich, um demokratische Prozesse informierter, inklusiver und handlungsfähiger zu gestalten.

…reducing polarization is not about avoiding disagreements… but making them more constructive.”

Resilienz in Krisenzeiten – Jugend als Akteurin der Gegenwart

Adultismus führt zu struktureller Ausgrenzung junger Menschen aus Entscheidungsprozessen. Junge Erwachsene wollen nicht als die Führungskräfte der Zukunft, sondern als aktive Gestalter*innen der Gegenwart wahrgenommen werden. Gerade in Krisenzeiten sind junge Menschen vulnerabel. Nationale und internationale Jugend-Krisenräte können Beteiligung junger Menschen in schwierigen Zeiten verankern. 

Why can’t we be leaders of the present?”

Politische Einordnung: Anerkennung und Auftrag

In der Abschlussveranstaltung wurden die Ergebnisse auf einem gemeinsamen Vision Board zusammengeführt, das die Bühne füllte und die Vielfalt der Perspektiven sichtbar machte. Es wurde zu einem starken Symbol für die inhaltliche und gestalterische Kraft der jungen Menschen.

Die Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesjugendministerin, Mareike Wulf, hob zudem den Charakter des Summits als Lern- und Erfahrungsraum hervor – ein Ort, an dem junge Menschen demokratische Prozesse konkret erproben konnten. Auch die britische Seite unterstrich die Bedeutung dieses Engagements. “Be brave and be tenacious” ermutigte Clare Colvin vom Department for Education die Teilnehmenden. 

Impulse für Bildung, Politik und Gesellschaft

Die entwickelten Ideen greifen aktuelle Herausforderungen auf und übersetzen sie in konkrete Ansätze für Bildung, Politik und gesellschaftliches Zusammenleben. Das Vision Board bündelt diese Impulse und macht sie als gemeinsames Ergebnis sichtbar.

Der UK-Germany Youth Summit ist ein Projekt im Rahmen des deutsch-britischen Freundschaftsvertrags (Kensington Treaty).

Koordiniert wurde der Summit von IJAB und dem British Council. Gefördert wurde er durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) sowie das britische Department for Culture, Media and Sport (DCMS) und das Department for Education (DfE).
 

Personen auf einer Bühne diskutieren mit Mikrofonen. Im Hintergrund sind Poster mit den Logos von IJAB und British Council, und Texten: „International Youth Service of the Federal Republic of Germany“ und „Supporting a more peaceful and prosperous world“.
UK-Germany Youth Summit

Wie können junge Menschen dazu beitragen, demokratische Gesellschaften widerstandsfähig und inklusiv zu gestalten? Mit dieser Frage beschäftigte sich der UK-Germany Youth Summit, der vom 19. bis 22. März 2026 in Berlin stattfand.

Ansprechpersonen
Annika Gehring
Referentin für internationale jugendpolitische Zusammenarbeit
Tel.: 0228 9506-101
Elena Neu
Referentin für internationale jugendpolitische Zusammenarbeit
Tel.: 0228 9506-105
Julia Weber
Referentin für internationale jugendpolitische Zusammenarbeit / Sachbearbeitung USA
Tel.: 0228 9506-165
Luca Zwicker
Sachbearbeitung
Kompetenzstelle Sprache
Tel.: 0228 9506-106