Democratic Youth Work: Haltung zeigen in bewegten Zeiten
Im Impulsvortrag „Democratic Youth Work“ zeichnete Daniel Poli (IJAB) ein klares Bild der globalen Lage. Demokratische Institutionen geraten weltweit unter Druck. Autokratische Entwicklungen nehmen zu, zivilgesellschaftliche Räume werden eingeschränkt, Polarisierung wächst.
Internationale Jugendarbeit kann sich in diesem Kontext nicht auf eine vermeintliche Neutralität zurückziehen: „Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaat sind für uns keine Option – sie sind verpflichtende Wertebasis."
Gleichzeitig wurde deutlich: Demokratie ist kein statischer Zustand. In vielen Ländern engagieren sich junge Menschen unter schwierigen Bedingungen für demokratische Rechte. Begegnung, Austausch und internationale Kooperation wirken hier als langfristige demokratische Investition.
Die zentrale Frage lautete daher nicht, ob Internationale Jugendarbeit demokratiepolitisch relevant ist – sondern wie bewusst und strategisch sie diese Rolle wahrnimmt.
Programme im Wandel – Demokratie politisch denken
Manfred von Hebel (JUGEND für Europa) richtete den Blick auf die europäische Programmentwicklung. Begriffe wie „Skills“ und „Preparedness“ markieren eine neue Schwerpunktsetzung: Resilienz, Krisenvorsorge und gesellschaftliche Handlungsfähigkeit rücken stärker in den Fokus.
Im Raum stand die Frage: Reagieren wir zu spät? Kann Jugendarbeit noch gegensteuern, wenn gesellschaftliche Erosion bereits fortgeschritten ist?
Die Diskussion machte deutlich: Rückzug ist keine Option. Demokratiebildung ist systemrelevant. Internationale Jugendarbeit muss ihren Beitrag selbstbewusst benennen – auch gegenüber Politik und Verwaltung.
Peer-Café: Wo stehen wir – und was brauchen wir?
Noch am ersten Tag bot das Peer-Café Raum für kollegiale Reflexion. Hier ging es weniger um Förderlogiken, sondern um professionelle Praxis, Haltung und strukturelle Fragen. Diskutiert wurde unter anderem:
- Wie erreichen wir unterrepräsentierte Gruppen – auch im ländlichen Raum?
- Wie gestalten wir Inklusionsförderung strukturell inklusiver?
- Wie gehen wir mit politischen Spannungen, Polarisierung und extremen Positionen um?
- Wie stärken wir Fachkräfte in ihrer Debatten- und Konfliktfähigkeit?
- Welche gemeinsamen Standards brauchen wir in internationalen Kooperationen?
Dabei wurde spürbar: Internationale Jugendarbeit ist ein professionelles Feld mit hoher Reflexionsbereitschaft. Demokratiebildung findet nicht nur mit Teilnehmenden statt – sondern auch im Team, in Partnerschaften, in Aushandlungsprozessen.
„Wieder streiten lernen“ lautete eine zentrale Botschaft. Demokratische Streitkultur braucht Räume, Spielregeln und Respekt.
Markt der Möglichkeiten – Werkzeuge für die Praxis
Auf diese Selbstverortung folgte mit den Spotlights ein breiter Einblick in aktuelle Instrumente, Projekte und Entwicklungen.
Vorgestellt wurden unter anderem das Qualitätshandbuch Internationale Jugendarbeit, das Evaluationstool i-EVAL, der Argumentationsleitfaden „Worte finden – Wirkung zeigen“, Inklusionsangebote sowie Forschungs- und Praxisprojekte zu Antirassismus, Mental Health und Jugendinformation.
Es zeigte sich: Die fachlichen Werkzeuge sind vorhanden. Entscheidend ist, wie sie strategisch eingesetzt und miteinander verbunden werden – in Kommunen, Trägerstrukturen und internationalen Partnerschaften.














































































