Democracy in Action - Youth Work Matters!

Democracy in Action – Youth Work Matters!

Wie Jugendarbeit Demokratie stärkt

Wie erleben junge Menschen demokratische Entwicklungen in ihren Ländern – und welche Rolle spielen Jugendorganisationen, wenn Handlungsspielräume enger werden? Unter dem Titel „Democracy in Action – Youth Work Matters!“ kamen auf Einladung von IJAB und dem Europarat mehr als 80 engagierte junge Menschen, Fachkräfte der Jugend- und Sozialarbeit sowie Akteure aus Politik und Forschung aus 28 Ländern zusammen. Das Ziel: Erfahrungen austauschen, die aktuelle demokratische Lage einordnen und gemeinsam Impulse für die Stärkung demokratischer Räume in Europa und weltweit entwickeln.

19.12.2025 / Cathrin Piesche

Ein gemeinsames Ziel: Verstehen, vernetzen, handeln 

Die Konferenz richtete sich an engagierte junge Menschen und Fachkräfte, die sich in der Jugend- und Sozialarbeit sowie in zivilgesellschaftlichen Organisationen für Demokratie einsetzen – oft unter schwierigen politischen Bedingungen. Im Mittelpunkt standen drei klare Ziele: 

Schon zum Auftakt wurde deutlich: Der Jugendsektor spielt eine entscheidende Rolle bei der Revitalisierung demokratischer Prozesse in Europa. 

Demokratie unter Druck: Globale Analyse und europäische Realität 

Nach den Eröffnungsstatements berichteten Teilnehmende in sechs Arbeitsgruppen von ihren Erfahrungen vor Ort. Das Bild war oft besorgniserregend: schwindende Freiräume, bürokratische Hürden für zivilgesellschaftliche Arbeit und zunehmender politischer Druck. Trotz regionaler Unterschiede verband alle die zentrale Frage: Wie können junge Menschen demokratische Räume verteidigen, wenn diese systematisch eingeschränkt werden? 

In seiner Keynote lieferte Prof. Staffan I. Lindberg (V-Dem Institute) die wissenschaftliche Einordnung dazu. Sein prägnanter Befund aus dem aktuellen Demokratiebericht: „There have never been more countries autocratizing than now, not even in the 1930s.“ 

Lindberg skizzierte typische Muster demokratischer Erosion – vom Ausschalten kritischer Medien über die Schwächung der Zivilgesellschaft bis hin zur gezielten Verunsicherung durch Desinformation. Sein Appell hallte wie ein Leitmotiv durch die Konferenz: „Democracy protection is something very different from democracy support – let’s get to work!“ Demokratie brauche aktiven Schutz, klare Haltung und gemeinsame Verantwortung. 

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Inspiring Examples: Wie demokratische Räume behauptet werden 

Dass es Hoffnung gibt, zeigte der Nachmittag. Vertreter*innen aus der Türkei, Dänemark, Belarus, Marokko, Ungarn, Deutschland, Italien, Tunesien und Portugal stellten Best-Practice-Beispiele vor. Die Vielfalt der Ansätze – vom lokalen Jugendrat bis zu digitaler Demokratiearbeit – verdeutlichte, wie wichtig internationale Allianzen sind. Im anschließenden Learning Carousel nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, diese Erkenntnisse zu vertiefen und Strategien für die eigene Arbeit zu adaptieren. 

Ein neuer „Pakt für Demokratie“ 

Der abschließende Konferenztag startete mit einem klaren Weckruf von Matjaž Gruden (Director for Democracy, Europarat): 

Democracy is fragile — it requires constant effort, work and protection. It is not a natural state."

Gruden plädierte dafür, demokratische Modelle klarer zu definieren, Frustration in der Bevölkerung ernst zu nehmen und Demokratie neu zu organisieren. Die Vision eines „New Democratic Pact for Europe“ lieferte einen starken inhaltlichen Impuls für die Rolle der Jugendarbeit. 

In barcamp-artigen Sessions, den Seeds for Democracy,  griffen die Teilnehmenden diesen Ball auf: Sie entwickelten eigene Themenschwerpunkte und erste Projektskizzen zu demokratischer Bildung und internationaler Zusammenarbeit. 

Fazit: Ein eindringlicher Appell für Allianzen 

In seinem Schlusswort brachte Daniel Poli (Direktor IJAB) die Dringlichkeit der Lage auf den Punkt: 

 „We need to build alliances – we have to adopt the European Council's New Democratic Pact for Europe – otherwise we are lost. We need to build alliances with people who share the same values: democracy, human rights, the state of law.“ 

Mit diesem Appell verband er einen konkreten Ausblick: IJAB wird einen multilateralen Prozess anstoßen, der im kommenden Jahr in ein gemeinsames Projekt zur Demokratieförderung münden soll – auch offen für die Konferenzteilnehmenden. 

Das Schlusswort gehörte Sophie Kwasny vom Youth Department des Europarats, die die Haltung des Plenums zusammenfasste: „Youth work not only matters – it is fundamental!“ 

Dank und Ausblick

IJAB dankt allen Teilnehmenden, insbesondere den jungen Menschen aus zivilgesellschaftlichen Organisationen, die die Diskussionen mit ihren Erfahrungen geprägt haben. Ein besonderer Dank gilt dem Europarat und den IJAB-Mitgliedsorganisationen für die gelungene Kooperation. Für alle Interessierten wird im Nachgang eine Dokumentation der Veranstaltung bereitgestellt. 

Democracy in Action - Youth Work Matters!

Alle Infos zur internationalen Konferenz gibt es hier.

Hände halten einen fiktiven Pass, in den Namen politischer Gefangener eingestempelt sind
Über Demokratie und Menschenrechte

Internationale Jugendarbeit und jugendpolitische Zusammenarbeit versteht IJAB als Beitrag zur Entwicklung einer starken Zivilgesellschaft und zur Förderung eines demokratischen Gemeinwesens.

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