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Runder Tisch Fachkräftequalifizierung

Mobilität von Fachkräften stärken

Expert(inn)en diskutierten in Bonn

Was brauchen Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe, um selbst Jugendaustausche durchführen zu können und ihre Organisationen internationaler aufzustellen? Während einer Veranstaltung von IJAB und JUGEND für Europa am 16. und 17. Januar 2020 in Bonn versuchten 40 Expertinnen und Experten darauf Antworten zu finden.

28.01.2020 / Christian Herrmann | Daniel Poli

Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland hat die Aufgabe, die gesellschaftliche Teilhabe und Teilhabegerechtigkeit für alle jungen Menschen zu ermöglichen. Sie ist darauf ausgerichtet, dass junge Menschen befähigt werden, mit den Herausforderungen moderner Gesellschaften eigenständig und verantwortungsbewusst umzugehen. Die gesellschaftliche Teilhabe junger Menschen ist dabei eng verknüpft mit der Befähigung, sich in einer globalisierten Welt besser orientieren zu können und auf die internationalisierte und europäisierte Lebenswirklichkeit überzeugende Antworten in Bezug auf die eigene Lebensführung und das soziale Umfeld zu finden.

Daher ist es ein zentrales jugendpolitisches Anliegen, die Internationalisierung und Europäisierung der Kinder- und Jugendhilfe zu stärken.

Begeisterung an junge Menschen weitergeben

In diesem Sinne formuliert das Leitbild des Kinder- und Jugendplans des Bundes, dass die Träger in allen Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe jungen Menschen und Fachkräften adäquate Angebote unterbreiten sollen, Europäisierungs- und Globalisierungsprozesse zu erfahren und sich differenziert mit ihnen auseinanderzusetzen. Gleichzeitig soll die Praxis der Jugendarbeit durch internationale und europäische Impulse weiterentwickelt und das Voneinander-Lernen gestärkt werden. Im Positionspapier der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) zur

Umsetzung europäischer Jugendpolitik in Deutschland ab 2019 wird beschrieben, wie der Austausch von Fachkräften zur Weiterentwicklung und Verbesserung der Praxis vor Ort dienen kann und damit einen wichtigen Beitrag zur Qualitätsentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe insgesamt leistet. Dabei müssen die Träger und die dort handelnden Fachkräfte mitgenommen und unterstützt werden, grenzüberschreitende Lernerfahrungen zu machen, um die eigene Arbeit weiterzuentwickeln, zu reflektieren und Jugendliche dazu zu motivieren, selbst an internationalem und europäischem Austausch teilzunehmen. Denn die Motivation, Begleitung und Unterstützung Jugendlicher beim Lernen durch internationalen Jugendaustausch sowie die Organisation von Mobilitätsprojekten kann nur gelingen, wenn Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe gut qualifiziert sind und eigene Mobilitätserfahrungen gemacht haben. Nur wer selbst den Wert einer internationalen Lernerfahrung schätzen gelernt hat, kann dies auch mit Begeisterung an junge Menschen weitergeben.

Vielfältiges Feld von Akteuren

Das Feld der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des „Runden Tischs Fachkräftequalifizierung“ in Bonn war bunt gemischt. Besonders gut vertreten waren die politische Bildung und die Jugendsozialarbeit und solche Institutionen deren Arbeitsfelder eher divers sind, also nationales und internationales Engagement gleichermaßen abdecken. Mit ihren Fragen nach dem Wie und Was von Fachkräftequalifizierung stehen sie nicht allein dar. Hintergrundinformationen hierzu gab es zu den Ergebnissen des europäischen Forschungsnetzwerks RAY CAP und von Andreas Thimmel, der die „Zugangsstudie“ vorstellte.

In BarCamp-Sessions wandten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihren eigenen Fragestellungen zu. Dabei wurde deutlich: Einige Themenvorschläge sind sehr nah am Thema Fachkräftequalifizierung verortet, andere benötigen einen thematischen Brückenschlag. Offensichtlich gibt es einen großen Mitteilungsbedarf zu ganz unterschiedlichen Themen, der Fachkräfte motiviert, sich am „Runden Tisch“ zu beteiligen. Ein guter Grund, vielleicht einmal ein völlig offenes BarCamp zur Internationalen Jugendarbeit anzubieten.

Themen für Fachkräftequalifizierung ausgewählt

Gleich zwei Sessions beschäftigten sich mit der Frage, wie politisch Internationale Jugendarbeit in Zeiten von Populismus und Erosion des europäischen Gedankens sein muss. Einen weiteren Schwerpunkt bildeten Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Was bedeutet es, wenn zukünftig zum Beispiel Beratungsleistungen von Robotern vorgenommen werden können und welche digitale Formate braucht Internationale Jugendarbeit heute, um an die Lebenswirklichkeit junger Menschen anzuschließen? Andere Sessions fragten nach der Zukunft des Ehrenamts, der Vernetzung von formaler und non-formaler Bildung für die Qualifizierung und nach Fortbildungen für Vorstände und Geschäftsführungen, um die Chancen von Internationalisierung in den Köpfen zu verankern.

Inhalte müssen operationalisiert werden

Am Ende waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgerufen, die vier wichtigsten Themen auszuwählen, die weiterbearbeitet werden sollen. „Keine Angst vor der Politik“, Digitalisierung, die Vernetzung von formaler und non-formaler Bildung für die Fachkräftequalifizierung sowie die Entwicklung niederschwelliger Angebote machten das Rennen. Nun müssen die Inhalte weiterentwickelt und operationalisiert werden. Die breite Palette der anwesenden Träger und die Präsenz des fördernden Bundesjugendministeriums während der Veranstaltung machen Hoffnung, dass dies gelingen kann.

INT 4.0 – Namensnennung CC BY 4.0
Dieses Werk ist lizenziert unter einer INT 4.0 – Namensnennung CC BY 4.0 Lizenz.
Eine Gruppe von Menschen steht in einem Raum und diskutiert.
Über den Runden Tisch

Der „Runde Tisch Fachkräftequalifizierung" ist ein trägerübergreifendes Angebot von IJAB und JUGEND für Europa. Es zielt darauf, die Mobilität von Fachkräften zu stärken und einen Beitrag zur Kompetenzentwicklung dieser Berufsgruppe in Deutschland und Europa zu leisten.

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Ansprechpartnerin
Portrait Kerstin Giebel
Kerstin Giebel
Koordinatorin
Qualifizierung und Weiterentwicklung der Internationalen Jugendarbeit
Tel.: 0228 9506-223