NEXTdays

Jugendliche in Europa fordern nachhaltigen Verbraucherschutz

Mit Kreativität und großer Motivation

Bei der von IJAB realisierten Online-Konferenz „NEXTdays 2020“ entwickelten junge Europäerinnen und Europäer vom 16. bis 18. Oktober 2020 konkrete Forderungen an die Politik in Bezug auf nachhaltige Verbraucherpolitik. Zusätzlich werden die Ergebnisse im Dezember 2020 im Rahmen des „Consumer Day“ des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) präsentiert und diskutiert.

29.10.2020 / Leonie Kaiser

Damit schlägt die Konferenz eine Brücke zwischen Jugend und Politik. „Das ist eure Möglichkeit, eine Jugendagenda für nachhaltige Verbraucherpolitik in Europa zu erarbeiten“, begrüßte Moderatorin Nadia Zaboura die Teilnehmenden. Von Rumänien, über Deutschland bis hin zu Spanien – aus den verschiedensten Ländern nahmen hoch interessierte und motivierte junge Menschen teil.

Von Nachhaltigkeit und Glück

Los ging es mit einem Vortrag von Politikwissenschaftler Jochen Dallmer zu nachhaltigem Konsum und zu der Frage, wo wir stehen, wo es hingehen soll und was uns wirklich glücklich macht. Um es gleich vorwegzunehmen: Mehr Geld (bei einem Durchschnittseinkommen) macht uns nicht glücklich, sondern vielmehr Zeit mit Familie und Freunden sowie Freizeitaktivitäten, Kreativität und Natur. So hat auch die gefühlte Befriedigung beim Shopping keine andauernde Wirkung, das gute Gefühl schwindet schon nach kurzer Zeit. Ein Argument also, den eigenen Konsum zu reduzieren und nachhaltig zu leben. Daher sind mehr Information, Bildung sowie politische Initiative gefragt.

Die FutureLabs

Die eigentliche Arbeit fand in den vier Workshops – den FutureLabs – statt. Dort konnten die jungen Teilnehmenden ihre Forderungen an die Politik zu den folgenden vier Themenbereichen erarbeiten:

Die Lebensmittelproduktion nachhaltig gestalten

Beginnen wir mit einem Gedankenexperiment: Stellt euch vor, dass bisher niemand etwas von der Klimakrise wusste und dann treffen 2020 nicht die Corona-Krise, sondern die Erkenntnisse der Wissenschaftler/-innen über eine andere Krise – die Klimakrise – ein: Wie würde die Politik und die Menschheit reagieren? Neben solchen Überlegungen, wurde auch die Gemeinwohlökonomie sowie die Frage diskutiert, wie es sein kann, dass umweltschädliche Landwirtschaft billiger ist als umweltschützende. Im Fazit forderten die Teilnehmenden unter anderen ein Verbot von Subventionen für klimaschädliche Landwirtschaft. Nachhaltigkeitsthemen im Lehrplan sowie Informationskampagnen, ähnlich denen von Alkohol und anderen Drogen, sollen die Konsument(inne)n von Anfang an aufklären. Auf Lebensmitteln soll mithilfe von Labels im Ampeldesign (Kriterien: Art der Landwirtschaft, Arbeitsbedingungen, Herkunft der Zutaten, Transportbedingungen) ein leicht zu verstehendes und obligatorisches Informationssystem geschaffen werden.

Das Blatt wenden

Bei der Reduktion von Plastikabfällen, ist nicht nur das Individuum, sondern sind auch Unternehmen und die Politik gefragt. Ihre Forderungen unterteilten die jungen Teilnehmenden in drei Bereiche:

Im ersten Bereich können neben der Verankerung von Nachhaltigkeitsthemen im Lehrplan, und einem Labeling-System auf Plastikverpackungen, das angibt, was mit dem Plastikmüll passiert, fruchtbare Lösungsansätze sein. Wiederverwendbare Boxen oder eine Gebühr für Take-Away sind eine Möglichkeit, um Konsument(inne)n auf die Vermeidung von Plastikabfällen hinzuweisen. Um Müll auch im Nachhinein zu vermeiden, sollten Supermärkte Lebensmittel am Ende eines Tages nicht wegwerfen und Menschen, die ihre Abfälle gut recyceln belohnt werden

Die dunkle Seite der Digitalisierung

Da Bilder und Videos immer detaillierter werden und immer öfter auf Webseiten eingesetzt werden, benötigen diese immer mehr Speicherplatz. Auch Server benötigen eine große Menge an Energie. Daher haben datenintensive digitale Technologien einen hohen Energieverbrauch und damit eine negative Auswirkung auf die CO2-Bilanz.

Auf individueller Ebene kann man sich nachhaltig verhalten, in dem man unnötige Daten löscht, in eher niedriger Qualität streamt und Geräte nicht in Stand-by laufen lässt. Wichtig ist dabei eine große Transparenz von Unternehmen in der Digitalbranche über ihre CO2-Bilanz und ihren Energieverbrauch. Besorgt zeigen sich die Teilnehmenden auch über die zunehmende Menge an Elektroschrott. Von großer Bedeutung bei dessen Reduzierung ist das Recht auf Reparatur. Um das zu gewährleisten, müssen Einzelteile produziert werden und zugänglich sein.

Kreativ präsentiert

Auf eine kreative Art und Weise präsentierten die Teilnehmenden ihre Forderungen dem Plenum: In Form von digitalen Pinnwänden und einem Video, das sie sogar in ihrer freien Zeit nach der Konferenz teilweise noch erarbeiteten, erklärten sie ihre Forderungen in verschiedenen Statements.

Mit Expertinnen austauschen

Am Ende der Konferenz erhielten die Teilnehmenden nochmal die Möglichkeit, mit drei Expertinnen über die Ergebnisse der Konferenz zu diskutieren. Helen Czioska (Umweltbundesamt), Madeline Schillinger und Petra Kristein (beide Europäisches Verbraucherzentrum) waren beeindruckt von der Arbeit der Jugendlichen und den Ergebnissen der Konferenz. Sie lobten den ganzheitlichen Ansatz der Vorschläge, da diese auf allen Ebenen ansetzen: Belohnungen und Verbote, Steuersystem und Subventionen, Bildung und Information.

Notwendig ist meistens ein ganzes Paket an Maßnahmen. "Weiche" Maßnahmen wie Informationen und Bildung fördern Wissen und Akzeptanz und sind damit wichtige gesellschaftliche und politische Wegbereiter für "harte" Maßnahmen wie Gesetze.

Helen Czioska, Umweltbundesamt (UBA)

Ready to mingle?

Auch bei einer Online-Konferenz wird der persönliche Austausch großgeschrieben. Ob abends nach der Konferenz oder zwischendurch in der Mittagspause, das Sich-unter-die-Leute-mischen fand natürlich auch digital statt. Auf einer virtuellen Düne der Online-Plattform Wonder.me tauschten sich Teilnehmende und Workshop-Leitende in gelöster Stimmung über die Themen der Workshops, aber auch ihre eigene Arbeit in der Startup-Szene aus und konnten dabei einige Parallelen feststellen.                                                                                                              

NEXTsteps

Die Forderungen der Jugendlichen werden am 1. Dezember 2020 auf dem „Consumer Day“ des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft vorgestellt und diskutiert. Dadurch werden die bei den „NEXTdays 2020“ erarbeiteten Forderungen junger Verbraucherinnen und Verbraucher direkt in den politischen Diskurs eingebracht und können somit politische Entscheidungsträgerinnen und -träger informieren und jugend- wie zukunftsgerecht beeinflussen.

Über die NEXTdays

Wie kann nachhaltige Verbraucherpolitik in Europa aussehen? NEXTdays fragt junge Menschen aus Europa und sorgt dafür, dass ihre Ideen, Meinungen und Interessen gehört werden!

Ansprechpartnerin
Portrait Kira Schmahl
Kira Schmahl-Rempel
Projektreferentin
WebDays und Young Consumers for Sustainable Development – Europäische Jugendagenda für nachhaltige Verbraucherpolitik
Tel.: 0228 9506-104