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USA-Special 2022

Tri-City-Fachkräfteaustausch: Chicago-Hamburg-Birmingham

Städtepartnerschaften

Städtepartnerschaften bieten ein gutes Fundament für den Aufbau von langfristigen internationalen Beziehungen. Das beweisen auch die Partnerstädte Hamburg und Chicago, die seit über 25 Jahren im Austausch miteinander stehen. Im Tri-City-Projekt entwickelte sich diese Partnerschaft weiter und wurde durch den Einstieg der englischen Stadt Birmingham zum trilateralen Fachkräfteaustausch. Themen für den Austausch mit Kolleg*innen jenseits des Atlantiks gibt es genug, aber auch die ein oder andere Herausforderung.

25.02.2022 / Gabriele Scholz, Landesjugendamt Hamburg

Seit jeher üben die USA, das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“, eine große Anziehungskraft auf Menschen aus vielen Teilen der Welt aus. Dies gilt auch für Deutsche, die in den vergangenen Jahrhunderten in großer Zahl aus unterschiedlichen Gründen und, nicht selten von Hamburg aus, einen neuen Anfang jenseits des Atlantiks wagten. Auch heute sind die USA für viele, auch junge, Menschen ein beliebtes, wenn nicht das beliebteste Reiseziel. Zwischen 10.000 und 13.000 Jugendliche verbringen im Rahmen des schulischen Austausches jährlich Zeit an einer US-amerikanischen High School.

Auch im Rahmen der Internationalen Jugendarbeit spielen die USA eine Rolle. Dies gilt insbesondere für Hamburger Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe. Sie finden einen Austausch mit den USA, hier namentlich Chicago, durchaus interessant und attraktiv. Was 1996, (vor mehr als 25 Jahren,) als bilateraler Austausch zwischen den Partnerstädten Chicago und Hamburg begann, entwickelte sich durch das Hinzutreten von Birmingham zum Tri-City Exchange und zu einem festen Bestandteil der Internationalen Jugendarbeit der Stadt. Mehrere hundert Fach- und Führungskräfte aus Kinder- und Jugendhilfe, aber auch anderen Bereichen der sozialen Arbeit, konnten in Folge der engen Zusammenarbeit der National Association of Social Work (NASW) in Chicago, dem City Council of Birmingham und dem Landesjugendamt Hamburg an den Programmen teilnehmen, berufliche und private Kontakte knüpfen und vielfältige Erfahrungen sammeln.

Gesundheitsschutz, Digitalisierung, Urbanisierung: Es gibt viel zu besprechen

Wie bei einem Jugend-, ist auch der Fachkräfteaustausch mit Chicago auf Begegnung vor Ort ausgelegt. Die Delegierten besuchen Projekte und Einrichtungen der jeweils gastgebenden Stadt und sprechen mit Vertreterinnen und Vertretern aus Hochschulen, Politik und Verwaltung. Sie diskutieren ihre praktischen Erfahrungen und die Wirkungen der politischen Praxis auf ihre Arbeit und erweitern dadurch ihr theoretisches und konzeptionelles Wissen. Die Themen sind dabei so divers wie die Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe: Gesundheitsschutz, Digitalisierung, die wachsende Stadt oder die Frage nach dem fachlichen Umgang mit populistischen Strömungen und aufkeimendem Nationalismus werden ebenso besprochen wie neue Konzepte der sozialen Arbeit, z. B. signs of safety oder Sozialraumorientierung.

Nicht nur ein gutes Netzwerk: Was es für gelingende Fachkräfteprogramme braucht

Organisation und Durchführung der Austausche sind dabei durchaus herausfordernd. Sie stehen und fallen nicht nur mit dem Engagement und den persönlichen Beziehungen der beteiligten Organisatorinnen und Organisatoren. Neben der auch bei jüngeren deutschen Fachkräften zu beobachtenden sprachlichen Hemmschwelle (Arbeitssprache ist Englisch) spielen vor allem Ressourcenfragen eine große Rolle. Dies gilt in besonderem Maße für die US-amerikanischen Fachkräfte. Im Gegensatz zu den Deutschen, die durch Mittel des Kinder -und Jugendplan des Bundes (KJP) und Senatsmittel unterstützt werden, müssen Fachkräfte aus Chicago ihre 10-tägigen Reisen nicht nur aus eigenen Mitteln finanzieren, sondern diese auch außerhalb ihrer Arbeitszeit durchführen. Das Gelingen von Incoming-Maßnahmen hängt mangels staatlicher Förderung schließlich immer davon ab, dass ausreichend Sponsoren gefunden werden, mit deren Hilfe dem Gastgeberprinzip Genüge getan werden kann. All dies hat zur Folge, dass es teilweise nur schwer gelingt, aktive Fachkräfte für die Dauer eines 10-tägigen Austausches zu gewinnen.

Umso erfreulicher ist es, dass gleichwohl und im guten Zusammenwirken mit Politik und Hochschulen über die Jahre ein tragfähiges Netzwerk engagierter Unterstützerinnen und Unterstützer in und zwischen den drei Städten entstanden ist. Dem konnte auch die Corona-Pandemie bislang nichts anhaben. Im Gegenteil: Der Tri-City Exchange scheint auch unter veränderten Bedingungen nur wenig an Attraktivität eingebüßt zu haben. Darüber hinaus hat es den Anschein, als hätten die digitalen Formate der Jahre 2020 und 2021 Fachkräfte dies- und jenseits des Atlantiks zur Mitwirkung animiert, die unter „normalen“ Umständen vielleicht nicht für die Teilnahme hätten gewonnen werden können.

Persönliche Begegnung in Pandemiezeiten

Die Rückmeldungen aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigen dabei die Bedeutung des internationalen Austauschs auch und gerade in Pandemiezeiten. Den Blick zeitweise von den täglichen Routinen und Anforderungen zu lösen und durch den berühmten „Blick über den Tellerrand“ neue Impulse zu erhalten, empfanden sie dabei ebenso als bereichernd wie die Erkenntnis, den Auswirkungen der Pandemie nicht allein ausgesetzt zu sein.

Wenngleich kein Ersatz für die persönliche Begegnung: Online-Formate haben sich als eine gute Ergänzung von Präsenzformaten erwiesen. Diese Erfahrung soll künftig genutzt werden, die Internationale Jugendarbeit mit Chicago (und Birmingham) sowohl mit Blick auf Fachkräfte als auch mit Blick auf Kinder und Jugendliche weiter zu stärken und die ihr innewohnenden Potenziale weiter auszuschöpfen. Digitale Formate sollen es Interessierten ermöglichen, ohne großen zeitlichen und organisatorischen Aufwand, in regelmäßigen Abständen und im informellen Rahmen zu ausgewählten Themen zu diskutieren und dadurch auch unterjährig fachliche und persönliche Bande zu knüpfen. Idealiter kann Internationale Jugendarbeit dadurch fester Bestandteil im Arbeitsalltag der Fachkräfte werden und sie ermutigen, internationale Angebote für Jugendliche durchzuführen. Themen gibt es jedenfalls genug.

Das Projekt im Netz
www.hamburg.de: Internationale Jugendarbeit und Fachkräfteaustausch

Zur Autorin: Gabriele Scholz ist Abteilungsleiterin Überregionale Förderung und Beratung der Sozialbehörde Hamburg – Landesjugendamt im Amt für Familie der Sozialbehörde Hamburg.

Ein Junge auf einem Fahrrad und ein laufendes Mädchen mit US-Flaggen
USA-Special 2022
Deutsch-US-amerikanischer Jugendaustausch

Die Autor*innen und Interviewpartner*innen im USA-Special zeigen, dass sich ein transatlantischer Austausch für alle Beteiligten lohnt, allen voran für Jugendliche.

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Nahaufnahme der US-amerikanischen Flagge
Über die Zusammenarbeit mit den USA

IJAB unterstützt, gefördert durch das BMFSFJ, die Intensivierung von Aktivitäten im Bereich des Jugend- und Fachkräfteaustauschs mit den USA und führt ein Fortbildungs- und ein Praktikumsprogramm durch.

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