Internationaler Jugend- und Fachkräfteaustausch lebt von guten Partnerschaften und der Möglichkeit zu einem bereichernden fachlichen Austausch. Er hängt allerdings auch von politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Schwerpunkten ab. Die Zusammenarbeit mit der Türkei hat in den letzten 30 Jahren Veränderungen erlebt, die nicht nur die jugendpolitische Ebene der Zusammenarbeit betreffen, sondern auch die Partnerschaften, die deutsche und türkische Träger auf lokaler Ebene seit vielen Jahren pflegen. Dennoch bleibt die deutsch-türkische Zusammenarbeit im Jugendbereich eine Partnerschaft, die anders mit dem Alltag junger Menschen und Fachkräften der Jugendarbeit verbunden ist als viele andere.
„IJAB setzt seit Beginn der jugendpolitischen Zusammenarbeit Aktivitäten im Rahmen des deutsch-türkischen Jugend- und Fachkräfteaustauschs um.“
Am 30. Oktober 1961 unterzeichneten die Bundesrepublik Deutschland und die Türkei ein Abkommen zur Anwerbung von Fachkräften, mit dem die zeitlich begrenzte Entsendung von Arbeitskräften aus der Türkei nach Deutschland geregelt wurde. Viele dieser Menschen blieben in Deutschland, weitere Familienmitglieder folgten. Heute leben ca. 3 Millionen türkeistämmige Menschen in Deutschland; sie bilden die größte unter den Bevölkerungsgruppen mit Migrationshintergrund. Für die Träger der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland bedeutet das, dass die Beschäftigung mit der Türkei nicht nur im Rahmen von bilateralen Fachkräfteaustauschen, Gremien und in europäischen Projektzusammenhängen erfolgt, sondern auch im Rahmen ihrer Arbeit mit und für junge Menschen in Deutschland. Diese besondere Relevanz der Türkei für die Kinder- und Jugendhilfe ist unabhängig von politischen Entwicklungen und Rahmenbedingungen gegeben.
Die Zusammenarbeit mit der Türkei wird jugendpolitisch flankiert von einer 1994 geschlossenen „Vereinbarung zur jugendpolitischen Zusammenarbeit“, die zunächst von einem Sonderprogramm im Kinder- und Jugendplan des Bundes unterstützt wurde. Heute stehen für den Austausch mit der Türkei verschiedene Fördermöglichkeiten zur Verfügung, die die Partnerschaften seit Beginn der Zusammenarbeit auf festeren Boden stellen sollen: Neben dem Kinder- und Jugendplan des Bundes fördert seit ihrer Gründung 2012 auch die Deutsch-Türkische Jugendbrücke Austausche zwischen Deutschland und der Türkei. Der besonderen Bedeutung der Türkei für Europa trägt auch ihre Beteiligung am EU-Programm Erasmus + Jugend Rechnung, mit der seit den 2000er Jahren eine Vielzahl von deutsch-türkischen Partnerschaften unterstützt und Strukturen ausgebaut werden konnten.
IJAB setzt seit Beginn der jugendpolitischen Zusammenarbeit Aktivitäten im Rahmen des deutsch-türkischen Jugend- und Fachkräfteaustauschs um. Dabei war und ist die Zusammenarbeit geprägt von wechselnden Themen und Formaten, aber auch von den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in der Türkei. Neben grundsätzlichen Themen wie Ehrenamt und freiwilligem Engagement in der Jugendarbeit werden zunehmend auch aktuelle Themen wie der Einsatz neuer Medien in der Jugendarbeit oder die psychische Gesundheit junger Menschen im Rahmen der bilateralen Fachprogramme behandelt. Daneben sind Handbücher wie die „Arbeitshilfe für den deutsch-türkischen Jugendaustausch“ entstanden, die Grundlagen für die Zusammenarbeit vermitteln wollen. Die Angebote für die Träger in Deutschland und der Türkei berücksichtigen aber auch Veränderungen der Strukturen bzw. der Förderlandschaft: Seit 2018 führen IJAB, JUGEND für Europa als Nationalagentur für das Programm Erasmus+ Jugend und die Deutsch-Türkische Jugendbrücke erfolgreich ein gemeinsames Veranstaltungsformat durch, das Aktiven und Interessierten aus der Türkei und Deutschland eine zusätzliche Plattform für den fachlichen Austausch bietet.
Der deutsch-türkische Jugend- und Fachkräfteaustausch war und ist von unterschiedlichen Traditionen, Strukturen und Rahmenbedingungen in Deutschland und der Türkei geprägt. Gleichzeitig prägt die historisch gewachsene gesellschaftliche und politische Realität in Deutschland die Verflechtungen zwischen beiden Ländern und unterstreicht die Notwendigkeit, den Dialog zwischen deutschen und türkischen Jugendlichen sowie Fachkräften fortzuführen.
Fachmagazin "beyond"
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