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Griechenland

Deutsch-Griechischer Jugendaustausch im Jahr der Pandemie

Online-Veranstaltung zieht Bilanz

2020 war für den deutsch-griechischen Jugendaustausch ein Jahr der guten Nachrichten, aber bedingt durch die Corona-Pandemie auch eines der vielen Absagen. Am 4. Dezember kamen 57 Akteure aus dem deutschen Trägerspektrum online zusammen, um Bilanz zu ziehen und einen Blick in die Zukunft zu werfen.

08.12.2020 / Christian Herrmann

Die Zukunft des deutsch-griechischen Jugendaustausches hat schon begonnen. Im Oktober 2020 weihte Bundesjugendministerin Franziska Giffey gemeinsam mit Leipzigs Oberbürgermeister Burkhardt Jung und seinem Amtskollegen Konstadinos Servas aus Thessaloniki das Leipziger Büro des Deutsch-Griechischen Jugendwerks ein. Mit Gerasimos Bekas konnte zudem ein zukünftiger Generalsekretär für das deutsche Büro des Jugendwerks gefunden werden. Die deutsche Seite steht also in den Startlöchern, auf der griechischen Seite dauert es noch ein bisschen. In Thessaloniki wurde bereits ein Gebäude – die wunderbare, schön restaurierte Villa Petridi – für das griechische Büro bereitgestellt. Das Abkommen zur Gründung des Jugendwerks muss jedoch noch das Parlament passieren. Dort ist nicht mit Überraschungen zu rechnen, aber der Gesamtablauf verzögert sich. Zum 1. April 2021 soll das Jugendwerk seine Arbeit aufnehmen. Für Austausche ab dem 1. Mai 2021 können dann Anträge auf Förderung gestellt werden. Für Austausche bis 1. Mai können weiterhin Anträge – wie bisher – beim Sonderprogramm zur Förderung des deutsch-griechischen Jugend- und Fachkräfteaustausches des BMFSFJ gestellt werden.

Unterschiedliche Wege im Austausch

Die Corona-Pandemie hatte auch Auswirkungen auf den deutsch-griechischen Austausch. Jugendaustausche waren davon mehr betroffen als Fachkräfteaustausche. Agnes Nguyen von der Landesvereinigung kulturelle Jugendbildung Sachsen und Heiko Engel von der Turngemeinde in Berlin 1848 berichteten von Austauschen, die dennoch stattfinden konnten. „Das hängt auch mit der Improvisationsfähigkeit der Griechen zusammen“, sagte Engel. Ein gemeinsames Fazit der beiden: Die Eltern müssen das Vertrauen haben, dass ein Austausch wirklich sicher ist. Dazu sind viel Kommunikation und Transparenz nötig.

Sascha Düx von ROOTS & ROUTES Cologne wählte einen anderen Weg. Seine Partner in Italien und Griechenland entschieden sich für einen hybriden Austausch: Die Teilnehmenden aus jedem Land trafen sich jeweils vor Ort physisch, der Austausch in Workshops mit den Partnerländern, die Kommunikation und die Entwicklung eines gemeinsamen Videos wurden mit vielfältigen digitalen Medien ermöglicht. Dabei kann das Ergebnis überzeugen, Düx sieht aber auch Schwierigkeiten: „In einer gemischten Gruppe können wir Spannungen schnell abbauen. Hier mussten wir erleben, dass sich Konflikte manchmal entlang von Nationalitäten entwickelten, weil wir uns nicht jederzeit Feedback geben konnten.“

Auch die Unterstützung des deutsch-griechischen Austauschs durch IJAB war von Absagen gekennzeichnet. Immerhin: Es fand ein Online-Seminar zur Sprachanimation statt. Bettina Wissing stellte kurzweilige Beispiele daraus vor. Auch die Erinnerungskarte, die Orte deutscher Kriegsverbrechen dokumentiert und für den Jugendaustausch erschließt, konnte erweitert werden. Sie umfasst nun 80 statt ehemals 30 Erinnerungsorte.

Wie geht es den griechischen Partnern?

Panos Poulos ist Gründungsmitglied von Filoxenia, einem Verein, der unter anderem ein Gästehaus für Jugendaustausche in der Nähe von Korinth betreibt. Als Mitglied der griechischen Vereinigung der Jugendarbeiterinnen und -arbeiter hat er einen guten Einblick in den Zustand der griechischen Träger. „Wir Griechen sind krisenerprobt“, sagt er. Anders als in Deutschland gibt es keine Proteste gegen vorgebliche Bevormundung bei staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Der Zustand einiger Träger ist jedoch bedenklich. In Griechenland gibt es keine staatliche Grundförderung für die Jugendarbeit. Viele Organisationen hängen ausschließlich von europäischen Fördermitteln ab. Bleiben die aus, weil keine Aktivitäten durchgeführt werden können, droht das Aus. „Das trifft vor allem auf die Organisationen und Vereine zu, die erst in den letzten Jahren entstanden sind – ihnen mangelt es an Erfahrung“, sagt Poulos. Das Deutsch-Griechische Jugendwerk ist ihm auch deswegen so wichtig, weil erstmals staatliche Mittel in die Jugendarbeit fließen werden.

Die deutschen Partnerorganisationen kennen die finanziellen Nöte ihrer griechischen Kolleginnen und Kollegen. Mehrfach wurde in der Diskussion der Ruf laut, die griechischen Partnerorganisationen in die Förderung einzubeziehen. Es gehört zu den Zielen Internationaler Jugendarbeit, Menschen zur Empathie füreinander zu befähigen. Im deutsch-griechischen Austausch ist das offenbar geglückt.

INT 4.0 – Namensnennung CC BY 4.0
Dieses Werk ist lizenziert unter einer INT 4.0 – Namensnennung CC BY 4.0 Lizenz.
Eine Frau spricht in ein Mikrofon
Über die Zusammenarbeit mit Griechenland

IJAB unterstützt das Bundesjugendministerium beim Aufbau eines Jugendwerks mit Griechenland und bietet Fortbildungen, Veranstaltungen, Information und Beratung an.

Ansprechpartnerin
Natali Petala-Weber
Referentin für internationale jugendpolitische Zusammenarbeit
Tel.: 0228 9506-201