In Schweden hat sich in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung vollzogen, die sich deutlich in der öffentlichen Debatte und in den Prioritäten der Regierung widerspiegelt. Seit der Lancierung eines neuen gemeinsamen politischen Programms der schwedischen Rechtskoalition im Jahr 2022 werden junge Menschen hauptsächlich als gesellschaftliche „Problemgruppe“ beschrieben, die mit Strategien zur Kriminalitätsprävention und härteren Strafen in Verbindung gebracht wird [1] – und nicht als aktive Bürger*innen oder Mitgestalter*innen der Gesellschaft.
Gleichzeitig gibt es einen besorgniserregenden Trend zur Diskreditierung zivilgesellschaftlicher Organisationen und ihrer Vertreter*innen. Seit Januar 2025 müssen Organisationen, die staatliche Fördermittel beantragen, neue „Demokratieanforderungen“ erfüllen und demokratische Werte vor allem durch die Vorlage von Strategiepapieren nachweisen. Diese Auflagen verfolgen scheinbar eine positive Absicht, aber viele warnen davor, dass sie kleineren, oft ehrenamtlich geführten Organisationen zusätzlichen Verwaltungsaufwand aufbürden und sie von der Jugendarbeit ablenken. Andere Beispiele für die Diskreditierung junger Menschen sind offensichtlicher. Eine Umfrage des LSU, des nationalen Rats der schwedischen Kinder- und Jugendorganisationen, aus dem Jahr 2020 ergab, dass 46 % der Vertreter*innen von Jugendorganisationen Hass und Drohungen erlebt haben. Die Stimmen junger Menschen werden von Erwachsenen diskreditiert, verunglimpft und gehasst, nur weil sie jung sind.
Die Finanzierung ist eindeutig ein weiterer Bereich, in dem der Handlungsspielraum für zivilgesellschaftliche Jugendorganisationen rapide schwindet. Während die Abhängigkeit der Jugendorganisationen von befristeten staatlichen Fördermitteln allmählich zugenommen hat, läuft die 2019 eingeführte befristete Finanzierung in Höhe von 50 Millionen Schwedischen Kronen (etwa 4,6 Millionen Euro) 2026 aus, wodurch die schwedische Jugendbewegung wieder auf das Finanzierungsniveau von 2011 zurückfällt. Nach Berechnungen des LSU [2] führen die Inflation und die wachsende Zahl von Organisationen, die sich denselben Geldtopf teilen, zu einem realen Defizit von 27,3 % im Vergleich zu 2011.
Dies ist nicht nur ein nationaler Trend. Kürzungen in der Entwicklungshilfe haben zur Einstellung des Programms Global Action Local Empowerment (GALE) geführt, das seit 1995 Partnerschaften zwischen dem LSU und Jugendorganisationen im Libanon, in Simbabwe, Kenia, Belarus, auf den Philippinen, in Kambodscha, Ägypten und Myanmar gefördert hat. Auch ethnische Organisationen der Zivilgesellschaft sind betroffen – mit Auswirkungen auf von Jugendlichen geleitete Gruppen.
Darüber hinaus ist auch Schwedens Engagement mit der internationalen Jugend rückläufig. Als die schwedische Regierung 2023 ihre finanzielle Unterstützung für Jugenddelegierte zur UN-Generalversammlung einstellte, beendete sie damit ein Programm, das das Land 1991 mit Stolz ins Leben gerufen hatte. Diese Entscheidung löste eine heftige öffentliche Debatte aus, die nicht nur das Programm, sondern auch die Legitimität des LSU und der Jugendvertretung in internationalen Gremien im Allgemeinen in Frage stellte. Seit 2025 hat der LSU nun seine Sitze für Jugenddelegierte zur UN-Generalversammlung, zum Hochrangigen Forum für Nachhaltige Entwicklung und zu den COP-Klimaverhandlungen verloren. Dies sendet ein symbolisches Signal, welche politischen Prioritäten gesetzt werden – und wessen Stimmen Gewicht haben.
Aber junge Menschen geben nicht auf. Angesichts schwindender Handlungsspielräume schaffen sie sich neue. Schwedische Jugendorganisationen bringen rund 650.000 junge Menschen in Communities zusammen, die auf Austausch und Neugier basieren. Themen wie Klimagerechtigkeit, demokratische Erneuerung, LGBTQIA+-Rechte und psychische Gesundheit bringen junge Menschen zusammen und mobilisieren sie über traditionelle politische und geografische Grenzen hinweg. Sie beweisen einmal mehr, dass junge Menschen nicht einfach aufgeben, wenn ihnen ein Platz am Tisch verweigert wird.
Die schwedische Erfahrung zeigt deutlich, dass sich die Partizipation junger Menschen nicht automatisch selbst trägt. Sie braucht Investitionen, Schutz und politischen Willen – und zwar kontinuierlich. Die Rechte und Pflichten junger Menschen lassen sich nie auf eine Formalität reduzieren. Junge Menschen bleiben entschlossen – auch in Zeiten schwindender Unterstützung. Sie bleiben stark, klug und laut.
Der Spielraum für die Organisation junger Menschen mag unter Druck stehen, aber der Geist, der dahinter steht, ist gesund und lebendig. Er baut neue Wege, setzt neue Bewegungen in Gang und lässt sich nicht zum Schweigen bringen.
Es liegt in unserer Verantwortung als Erwachsene, den jungen Menschen zuzuhören, aufzustehen und unsere Solidarität zu zeigen, wenn wir Zeug*innen ihres Kampfes werden.
Alice Bergholtz war stellvertretende Vorsitzende des Beirats für Jugendfragen des Europarats
Übersetzung: Magdalena Lindner-Juhnke
Dieser Artikel wurde für die Ausgabe 01|2025 des Fachmagazins beyond verfasst.
