Die Studentin Constanze Selegrad verbrachte 2024 drei Monate mit dem ASA-NGO Programm in Guatemala und engagierte sich in der Organisation Cojolya Association of Maya Women Weavers, die sich für das Thema Frauenrechte und die Bewahrung der Kunst des Webens als Einkommensquelle von Frauen jeden Alters einsetzt. Im Interview berichtet sie von ihren Erfahrungen vor Ort und welchen Beitrag junge Menschen in interkulturellem Engagement leisten können – und was sie dabei selbst lernte.
IJAB: In welcher NGO in Guatemala hast du am internationalen Austauschprogramm teilgenommen und welches sind die Arbeitsschwerpunkte und Ziele der Organisation?
Constanze Selegrad: In Guatemala habe ich drei Monate lang bei der NGO Cojolya Association of Maya Women Weavers mein Praktikum gemacht. Die Arbeit von Cojolya hat zum Ziel, die indigenen Weber*innen vor Ort in verschiedenen Aspekten ihres Lebens zu unterstützen. Cojolya wurde als Folge des Bürgerkrieges gegründet, um Frauen dabei zu helfen, wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erreichen. Die NGO unterstützt die Weber*innen in der Produktion, der Vermarktung und dem Verkauf ihrer handgewebten Produkte. 2017 wurde zusätzlich das Programm „Mano a Mano para el Desarrollo“ ins Leben gerufen. Dieses soll die Weber*innen in Aspekten ihres Lebens außerhalb ihrer Arbeit unterstützen. Darüber wird zum Beispiel die Schulbildung der Kinder der Angestellten oder auch die „Gesundheitskarte“ finanziert, über die die Angestellten Zugang zu medizinischer Versorgung erhalten.
Dieses Projekt war für mich besonders spannend, da darin der Schwerpunkt meines Studiums (Menschenrechtspolitik und Gender Studies) und meine bereits absolvierte Ausbildung im Schneiderhandwerk miteinander verbunden wurden. Zusätzlich konnte ich Arbeitserfahrungen in einem NGO-Umfeld sammeln.
IJAB: Welche konkreten Aufgaben hast du übernommen, und wie konntest du dich einbringen? Gab es ein besonderes Projekt oder eine Aktion, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Constanze Selegrad: Teilweise verbrachte ich mein Praktikum in der Abteilung „Marketing und Kommunikation“. Dort habe ich zusammen mit den Mitarbeiter*innen den Newsletter und Social Media Einträge erstellt und veröffentlicht. Außerdem wurde eine Kampagne für eine neue Kollektion von Produkten aufgelegt, für die viel Bild- und Videomaterial erstellt werden musste.
Förderung und Spendenakquise war ein weiterer Bereich, den ich kennenlernen konnte. Ich habe viel Recherche zu Fördermöglichkeiten für NGOs betrieben, die sich für die Rechte von Frauen oder die Weiterführung von traditionellem Handwerk einsetzen und für Cojolya mehrere Bewerbungen geschrieben, um an Fördermittel zu gelangen.
Außerdem habe ich einen Teil der Kommunikation mit dem Programm Aid for Artisans übernommen. Dies ist ein Programm, das traditionelles Handwerk unterstützt und dessen Förderung Cojolya in meiner Zeit dort gewonnen hatte (die ursprüngliche Bewerbung wurde geschrieben vor meiner Zeit dort). Ich war auch beteiligt an den Vorbereitungen für die weltweite Spendenkampagne ‚Giving Tuesday‘, an der sich auch Cojolya seit mehreren Jahren beteiligt. Im Rahmen dieses Programms nimmt Cojolya die meisten Spenden ein.
IJAB: Was würdest du anderen jungen Menschen sagen, die sich für ein Auslandspraktikum in der Entwicklungszusammenarbeit interessieren?
Constanze Selegrad: Es hat mir sehr geholfen, sehr offen in diese Erfahrung zu starten und mir nicht selbst zu starre Erwartungen zu setzen. Dadurch konnte ich mich auf die Zeit in Guatemala sehr gut einlassen. Außerdem habe ich gelernt, dass meistens Menschen gerne ihre Hilfe oder Unterstützung anbieten, wenn man sich in einer neuen Situation überfordert fühlt und diese um Hilfe bittet. Auch wenn es etwas einschüchternd wirken kann, so weit in ein anderes Land und eine andere Kultur zu reisen, ist diese Erfahrung für junge Menschen sehr bereichernd. Sie werden nicht nur vieles über den Ort lernen, in dem sie ihr Praktikum machen und die Sprache lernen, sondern auch viel über sich selbst und den eigenen Ort und die eigene Kultur, in der sie aufgewachsen sind.
IJAB: Welche neuen Perspektiven oder Fähigkeiten hast du durch die interkulturelle Zusammenarbeit und dein Engagement vor Ort entwickelt?
Constanze Selegrad: Für mich war meine Arbeit bei Cojolya das erste Mal, dass ich Einblicke in die Arbeit von NGOs erhalten habe. Da ich mir dieses Arbeitsfeld auch für meine eigene berufliche Zukunft vorstellen kann, war dies für mich eine gute Gelegenheit zu lernen, ob dies für mich in Frage kommt. Vor allem die Einblicke in die Finanzierung einer solchen NGO waren für mich besonders lehrreich. Außerdem hatte ich eine große Freude daran, theoretisches Wissen aus meinem Studium in der Praxis anwenden zu können. Durch Cojolya konnte ich außerdem mein Wissen über die internationalen Zusammenhänge in der Textilbranche erweitern, was für mich wegen meines Hintergrundes im Schneiderhandwerk besonders spannend war.
Die ASA-Programmteilnehmer*innen arbeiten gemeinsam in Tandems in einem Projekt. Ich konnte mich in meinem Tandem sehr auf die andere Person verlassen, so dass ich keinen Moment der Überforderung erlebt habe. Es war ein unglaubliches Glück, diese Erfahrung mit einer anderen Person teilen zu dürfen.
IJAB: Vielen Dank.
65 Jahre ASA-Programm – zum Hintergrund
2025 feiert das ASA-Programm sein 25-jähriges Jubiläum. Von Beginn an kommen im Rahmen des Programms junge Menschen aus Deutschland und den Partnerländern des Globalen Südens zusammen. Persönliche Begegnungen, interkultureller Austausch und entwicklungspolitisches Engagement stehen dabei im Mittelpunkt. Das ASA-Programm ist ein entwicklungspolitisches Austausch- und Stipendienprogramm, das von Engagement Global im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durchgeführt wird.
