Auch im Rahmen des europäischen Informationsportals YouthWiki wird das Thema Medienkompetenz innerhalb eines eigenen Kapitels behandelt. In Deutschland wurden zu diesem Thema Rückmeldungen von den Bundesländern eingeholt. Ziel war es, ein möglichst differenziertes Bild über den Stand der Jugendmedienkompetenz in den einzelnen Bundesländern zu gewinnen und aktuelle Herausforderungen und innovative Ansätze sichtbar zu machen.
KI, Gaming und Promting
In den Bundesländern findet eine Vielzahl an innovativen Projekten statt, um Medienkompetenz zu vermitteln. In vielen Fällen werden junge Menschen selbst oder auch Eltern als Multiplikator*innen ausgebildet, die ihre Kompetenzen dann wiederum an junge Menschen und Eltern weitergeben, beispielsweise bei den MedienScouts und Elternmedienlots*innen in Hamburg oder bei ISES! Kids und ISES! Coach in Baden-Württemberg. Einige weitere Beispiele guter Praxis werden im Folgenden näher beleuchtet.
Einen verantwortungsbewussten Umgang mit Medien lernen und Fake News nicht weiter zu verbreiten – darum geht es im FFH-Mediencamp in Hessen. Jugendliche gründen dort eine virtuelle Band, die mit Videoclips in sozialen Medien inszeniert wird. Sie lernen dabei, Medien kritisch zu hinterfragen und verantwortungsvoll zu nutzen, eigene Inhalte professionell zu gestalten und KI-Tools sinnvoll bei der Medienarbeit einzusetzen. Prompt! Dein KI-Event aus Baden-Württemberg zielt darauf ab, KI-Anwendungen kreativ erfahrbar zu machen und zu reflektieren. Es soll Medienkompetenz beim Umgang mit KI fördern und eine kritische Reflexion über gesellschaftliche, rechtliche und ethische Aspekte von KI-generierten Inhalten ermöglichen. Das Artificial Intelligence Center (ARIC) in Hamburg engagiert sich im Bereich KI und Schule in mehreren Bereichen: bei generationsübergreifenden Spielshows mit KI oder Best Practice für die KI-Integration in Schulen. Auch alle 12 Medienkompetenzzentren in Berlin nehmen die aktuellste technische Innovation in zahlreichen vielfältigen Formaten für unterschiedliche Zielgruppen auf, beispielweise beim Dekodieren von der Arbeitsweise von LLMs oder beim gemeinsamen Prompten.
Der Onlinekurs Breaking the Game aus Baden-Württemberg soll jungen Menschen mit einem hybriden Konzept aus Onlinetraining und analoger Versorgung durch Beratungsstellen aus der Internet- oder Computerspielsucht helfen. Dazu gehörte der Aufbau eines Netzwerkes aus Suchtambulanzen und Behandelnden. Mit dem Projekt Zocken gegen Rassismus in Berlin wurde im Rahmen der FIFA-Liga nicht nur gegeneinander digital Fußball gespielt: Die Jugendlichen setzten sich auch mit Rassismus und der Prävention von Menschenfeindlichkeit auseinander. Damit führte das Projekt eSports und demokratische Medienbildung zusammen.
Einen Überblick über die medienpädagogischen Angebote von Institutionen, Einrichtungen, Gruppen und Vereinen bietet der Medienpädagogische Atlas in Niedersachsen und macht damit Angebote zur Medienkompetenzvermittlung für alle Interessierten zugänglich und durchschaubar. Das Netzwerk Medienaktiv MV in Mecklenburg-Vorpommern ist ein Zusammenschluss von Organisationen, die sich für die Stärkung von Medienkompetenz, Medienschutz, digitalen Kompetenzen und demokratischer Teilhabe durch Medienbildung engagieren.
Konzepte zur Medienkompetenz
Das Thema Medienkompetenz ist Gegenstand verschiedener Gesetze, Initiativen und Beschlüsse. Eine nationale Strategie gibt es allerdings nicht. Da die meisten Bereiche der Bildung in Deutschland im Zuständigkeitsbereich der Bundesländer liegen, gibt es auch seitens der Kultusministerkonferenz Empfehlungen und Beschlüsse zum Thema (vgl. YouthWiki-Kapitel Medienkompetenz). Auch auf Landesebene haben einzelne Bundesländer eigene übergreifende Konzepte beschlossen:
- Baden-Württemberg verfolgt mit der Strategie Masterplan Kinderschutz für Baden-Württemberg (2025) eine systematische, verbindliche und nachhaltige Stärkung des Kinder- und Jugendschutzes in Baden-Württemberg.
- In Berlin wird im Rahmen des Programms jugendnetz.berlin in jedem der 12 Berliner Bezirke ein Medienkompetenzzentrum ('Meko') gefördert. Dabei handelt es sich größtenteils um Jugendeinrichtungen freier Träger, die medienpädagogische Angebote im offenen Betrieb oder als Workshops und Projektwochen auf Anfrage durchführen.
- In Hamburg gibt es mit dem Rahmenkonzept Medienkompetenzförderung in Hamburg (2013) eine Bestandsaufnahme zur Medienkompetenzförderung mit dem Ziel, einen Überblick über Aktivitäten und Akteure zu geben. Im Fokus stehen vor allem Kinder und Jugendliche sowie Eltern und pädagogische Fachkräfte.
- Hessen bündelt mit dem Strategieforum Medienkompetenz (2023) bestehende Angebote zur Medienkompetenzvermittlung für alle Altersgruppen mit einem Schwerpunkt Medienkompetenz junger Menschen.
- In Mecklenburg-Vorpommern wird mit dem Rahmenplan Digitale Kompetenzen (2018) ab der Grundschule und mit dem Fach Informatik und Medienbildung ab Jahrgangstufe 5 für alle Schularten verpflichtend Medienbildung und digitale Kompetenzvermittlung umgesetzt.
- Niedersachsen umfasst mit dem Konzept Medienkompetenz in Niedersachsen – Ziellinie 2030 (2025) alle Stationen des lebenslangen Lernens. Ein Schwerpunkt ist die politische Medienbildung zur Stärkung demokratischer Werte.
Medienkompetenz zwischen formaler und non-formaler Bildung
Medienkompetenz ist oft eine Querschnittsaufgabe. Die Förderung von Medienkompetenz findet meist in Zusammenarbeit von Kinder- und Jugendhilfe, Schulen und weiteren Akteuren statt. Auch in einigen Bundesländern wird durch viele Beispiele sichtbar, wie Schulen auf die Kompetenzen aus der Trägerlandschaft zurückgreifen.
Die Zusammenarbeit zwischen Kinder- und Jugendarbeit mit Schulen erfolgt in Hamburg insbesondere im Rahmen nachmittäglicher Bildungs- und Betreuungsangebote. Die Maßnahmen zur Förderung von Medienkompetenz werden maßgeblich von Trägern der Kinder- und Jugendhilfe geplant, konzipiert und anschließend in das schulische Angebot der Ganztagsbetreuung integriert. Auch in Berlin greifen Schulen auf die Angebote des Programms jugendnetz.berlin der Berliner Jugendarbeit zurück. Das findet in Form von Projektwochen am außerschulischen Lernort, bei der Umsetzung von digitalen Elternabenden oder für Fortbildungen von Schulsozialarbeitenden statt. Das Projekt Erziehungspartnerschaften in Baden-Württemberg wurde zwischen Schule, Elternhaus und erweitertem Sozialraum initiiert. Zum erweiterten Sozialraum zählen auch Akteure der Familienbildung. Ziel des gesamten Prozesses ist es, Maßnahmen auf den Weg zu bringen, um die Partnerschaft von Schule, Elternhaus und „außerschulischen Akteuren im Sozialraum“ zu stärken und Bildungserfolg und Bildungsgerechtigkeit zu fördern.
Mehr Informationen zum Thema sind im YouthWiki-Kapitel „Medienkompetenz und sicherer Umgang mit den neuen Medien“ für Deutschland und 33 weitere Länder verfügbar.





