Eröffnung und politische Perspektiven
Die Konferenz wurde von Ana Mihajlov, Direktorin der Nationalen Agentur für Europäische Programme in Nordmazedonien, eröffnet. Sie betonte die Bedeutung kompetenter und selbstbewusster Fachkräfte in der Jugendarbeit und hob die nationale Priorität hervor, die Entwicklung der Jugendarbeit gezielt zu unterstützen. Übergeordnetes Ziel sei es, junge Menschen zu stärken, ihre Wertschätzung sicherzustellen und ihre Stimmen anzuhören.
Weitere politische Perspektiven brachte Miriam Teuma, Geschäftsführerin der maltesischen Nationalen Agentur und Hauptorganisatorin der 4. European Youth Work Convention, ein. Sie unterstrich, dass auch kleinere Länder einen wichtigen Beitrag zu europäischen Prozessen der Jugendarbeit leisten können, z.B. durch die Ausrichtung von Konferenzen und die Mitgestaltung ihrer Ergebnisse. Entscheidend sei dabei nicht die formale Ausgestaltung der Ergebnisse in Form einer Agenda oder einer Roadmap, sondern deren Beitrag zur Identifikation von Bedarfen der Jugendarbeit und der Community of Practice sowie zur Prioritätensetzung für zukünftiges Handeln.
Fatmir Sejdiu, Generalsekretär im Ministerium für Sozialpolitik, Demografie und Jugend Nordmazedoniens, stellte den nationalen Rahmen zur Jugendbeteiligung vor. Er verwies auf das nationale Gesetz zur Jugendbeteiligung, die Einrichtung von Jugendzentren in allen 80 Gemeinden und die Entwicklung einer nationalen Jugendstrategie. Diese politischen Maßnahmen setzten Standards für die Umsetzung. Die Aufgabe staatlicher Stellen wiederum liege darin, die Stimmen junger Menschen in konkrete Politik zu übersetzen. Jugendpolitik müsse in enger Zusammenarbeit mit Jugendorganisationen und jungen Menschen vor Ort gestaltet werden.
Ein konkretes kommunales Beispiel wurde aus der slowenischen Gemeinde Velenje vorgestellt. Präsentiert wurden jugendgeleitete Infrastrukturen: zum Beispiel eine von einer Jugendorganisation betriebene Jugendherberge, renovierte Proberäume für Musikbands, ein Open-Air-Kino sowie die „Bakery of Ideas“. Die Bakery of Ideas ist ein Raum zur Sammlung von Ideen junger Menschen für die lokale Entwicklung. Die Entscheidungsfindung darüber, welche dieser Ideen umgesetzt werden, wird durch eine Kommission unterstützt, in der junge Menschen und Vertreter*innen von Jugendzentren die Mehrheit stellen und somit eine wirksame Jugendbeteiligung gewährleistet ist.
Austausch guter Praxis und nationale Prozesse
In der Arbeitsgruppe zu nationalen Prozessen wurden mehrere beispielhafte Ansätze vorgestellt. Österreich präsentierte seine Erfahrungen mit der Durchführung einer nationalen Konferenz, bei der die Community of Practice einbezogen wurde. Dabei sollte das Bewusstsein für EYWA gestärkt, Netzwerke ausgebaut und Folgeaktivitäten entwickelt werden. Alles wurde in einem öffentlich zugänglichen Bericht dokumentiert. Irland stellte die Kampagne „Inspiring Youth Work“ vor. Sie hat das Ziel, gesellschaftliche Wirkung von Jugendarbeit sichtbar zu machen und neue Fachkräfte für das Arbeitsfeld zu gewinnen, um dem Fachkräftemangel trotz guter Arbeitsbedingungen entgegenzuwirken.
Forschungsergebnisse und Reflexionen
Frederike Hoffmann-van de Poll (DJI) stellte zentrale Ergebnisse der nationalen Erhebung 2025 vor, die im Rahmen von SNAC Growing Youth Work durchgeführt wurde. Die Präsentation zeigte den Stand nationaler Prozesse, die entwickelten Strukturen sowie unterschiedliche Umsetzungsansätze in den beteiligten Ländern.
In den anschließenden Gruppendiskussionen reflektierten die Teilnehmenden Stärken und Grenzen des Forschungsprozesses und benannten Verbesserungsbedarfe. Wiederkehrende Themen waren der Bedarf an klareren Mandaten, stärkerer Koordination sowie besseren Verbindungen zwischen Forschung, Politik und Praxis. Während die Ergebnisse in mehreren Ländern positive Entwicklungen zeigten, wurden zugleich deutliche Unterschiede in Kapazitäten und beim Stand der Umsetzung sichtbar. Zudem wurden Fragen zur Situation in Ländern aufgeworfen, die nicht an der Erhebung teilgenommen hatten, aber dennoch sehr aktiv im Feld der Jugendarbeit sind.
Herausforderungen bei der Umsetzung der European Youth Work Agenda
Die Diskussionen im Rahmen des Exchange Forums machten mehrere übergreifende Herausforderungen der EYWA-Umsetzung deutlich:
- unterschiedliche politische und institutionelle Verbindlichkeiten in den Programmländern, vor allem im Hinblick auf Investitionen in Umsetzungsprozesse;
- die Definition klarer Mandate für nationale Koordinierungsstrukturen;
- Fehlen eines kohärenten europaweiten Monitoringsystems: Trotz unterschiedlicher nationaler Kontexte wurde die Notwendigkeit von Mindestkriterien für die Umsetzung hervorgehoben, um Transparenz, Vergleichbarkeit und gegenseitiges Lernen zu fördern;
- Mangel an langfristigen und nachhaltigen Ressourcen als zentrales Hindernis – sowohl für nationale Prozesse als auch für konkrete Aktivitäten. In vielen Ländern bleiben EYWA-bezogene Maßnahmen dadurch fragmentiert und projektbasiert, weil sie nicht in eine klare nationale Strategie eingebettet sind.
Der deutsche EYWA-Umsetzungsprozess als Beispiel guter Praxis
Die Nationale EYWA-Kontaktstelle wird von der Jugendorganisation NaturKultur e.V. getragen, die fest in der Praxis verankert ist und aktiv zur Entwicklung der Jugendarbeit beiträgt. In Bremen hat NaturKultur e.V. zum Aufbau eines lokalen Jugendarbeitsökosystems beigetragen, das öffentliche Stellen, Jugendorganisationen, zivilgesellschaftliche Akteure und Dachverbände einbindet und zentrale EYWA-Prinzipien wie Kooperation, Partizipation und langfristige Entwicklung abbildet.
Aufbauend auf diesen Erfahrungen entwickelte die deutsche Kontaktstelle sei 2024 ein strategisches nationales Konzept. Dabei wurden lokale Partnerschaften aufgebaut, die jeweils aus Vertreter*innen einer Behörde, eines Vereins und eines Verbands bestehen. In acht Städten wurden Partnerschaften initiiert: Bremen, Hamburg, Cottbus, Nürnberg, Dortmund, Oldenburg, Rhein-Selz und Erding. Die Kontaktstelle hat den Auftrag, diese lokalen Partnerschaften zu unterstützen, lokale Aktionspläne zur Stärkung der Jugendarbeit zu entwickeln und deren Umsetzung durch Coaching und Begleitung, auch unter Einbeziehung externer Fachpersonen zu fördern. Der Fokus lag dabei auf der Prioritätensetzung, der Übertragung von EYWA-Zielen in lokale Kontexte sowie der Definition konkreter Umsetzungsschritte.
Ein weiterer wichtiger Baustein des deutschen Ansatzes ist die Einbindung der Community of Practice. Es wurden eigene Austauschformate entwickelt, wie zum Beispiel der Online-Podcast EYWA Connect, der Diskussionen und Debatten zur Jugendarbeitsentwicklung ermöglicht. Außerdem entstand noch der MatchHub, ein transnationales Vernetzungsformat mit Kontaktstellen aus Deutschland, Irland, Georgien, Nordmazedonien und Zypern zur Förderung konkreter Kooperationsprojekte.
Weitere Aktivitäten umfassten eine Bedarfsanalyse und darauf aufbauende politische Handlungsempfehlungen, basierend auf Fokusgruppen mit jungen Menschen, Experten und Vertreter*innen lokaler Partnerschaften, sowie einen Mapping-Prozess zur Identifikation relevanter lokaler Akteure und zur Stärkung von Kooperationsstrukturen.
Reflexionen zu Herausforderungen im deutschen Umsetzungsprozess
Der deutsche Umsetzungsprozess zeigt jedoch auch einige Herausforderungen:
- Die bisherigen Aktivitäten konzentrierten sich auf eine begrenzte Anzahl lokaler Kontexte. Der Bedarf an einer stärkeren geografischen Ausweitung wäre gegeben.
- Zudem beteiligten sich überwiegend Akteure, die bereits mit europäischen jugendpolitischen Prozessen vertraut sind. Die unterstreicht die Notwendigkeit, weitere Fachkräfte stärker einzubeziehen, die noch über geringere Erfahrungen verfügen.
Weitere Reflexionen betrafen den Bedarf an höherer Effizienz und klarerer Koordination, da sich Zuständigkeiten zwischen bestehenden Akteuren und Strukturen teilweise überschnitten. Zudem wurde die Notwendigkeit betont, die EYWA stärker in konkrete Instrumente, Formate und Arbeitsprozesse zu übersetzen, sodass sie für Fachkräfte in der Jugendarbeit als praktische Orientierung im Arbeitsalltag nutzbar wird.
Schließlich steht Jugendarbeit in Deutschland vielerorts unter hohem Kapazitätsdruck. In diesem Kontext wurde EYWA nicht als zusätzliche Belastung, sondern als möglicher Rahmen zur Stärkung von Anerkennung, Strukturen und Arbeitsbedingungen diskutiert.
Konkrete nächste Schritte und die EYWA-Roadmap
In einem nächsten Schritt soll der Fokus stärker auf Koordination und Umsetzung der bisherigen Ergebnisse gelegt werden. Die CoE–EU Youth Partnership wird die Koordinationsrolle für die EYWA-Roadmap von SNAC Growing Youth Work übernehmen.
Dabei bleibt die European Youth Work Agenda (EYWA) das zentrale Referenzdokument. Die Aufgabe der Youth Partnership besteht darin, die Koordination der nationalen Prozesse zu stärken und die Zusammenarbeit zwischen nationalen Kontaktstellen und weiteren Trägern nationaler Umsetzungsstrukturen zu begleiten. Hierzu sollen zwei Beratungsstrukturen eingesetzt werden:
- eine Gruppe aus Kontaktstellen und Vertreter*innen nationaler Prozesse und
- ein Steuerungsgremium aus Experten.
Hervorgehoben wurde, dass erstmals 50 % des Budgets der Youth Partnership für jugendbezogene Prioritäten vorgesehen sind, während die Mittel zuvor gleichmäßig auf die Bereiche Jugend, Forschung und Politik verteilt waren. Grundlage für die Roadmap bilden die Ergebnisse der Arbeitsgruppen und Diskussionen der 4. Konvention und des Exchange Forums. Insgesamt wurden 164 Schlussfolgerungen identifiziert, davon 74 strategische Schlussfolgerungen, die drei Themenfeldern zugeordnet wurden: Jugendarbeitssysteme, Kern der Jugendarbeit und Umfeld der Jugendarbeit. Die Veröffentlichung der Roadmap wurde für den Beginn dieses Jahres angekündigt.
Der weitere Prozess ist in drei Phasen geplant:
- 2026–2027: Übergang und Konsolidierung: Präzisierung von Maßnahmen und Finalisierung der Schlussfolgerungen
- 2028: Einflussnahme auf zukünftige Strategien sowie auf Fördermechanismen
- 2029–2030: Vertiefung der Zusammenarbeit und Vorbereitung der 5. European Youth Work Convention
Fazit
Insgesamt bot das Exchange Forum einen wertvollen Raum für zentrale Akteure der europäischen Community of Practice in der Jugendarbeit, um Erfahrungen auszutauschen, kritisch zu reflektieren und gemeinsam die Umsetzung der European Youth Work Agenda voranzubringen. Die Diskussionen waren geprägt von hohem Engagement, Offenheit und einem gemeinsamen Willen, bestehende Herausforderungen anzugehen.
Zum Hintergrund
Das Exchange Forum zur European Youth Work Agenda
Die Veranstaltung wurde von SNAC Growing Youth Work in Zusammenarbeit mit den Nationalen Agenturen aus Deutschland, den Niederlanden und Nordmazedonien organisiert und im Rahmen der Umsetzung der European Youth Work Agenda (EYWA) geplant.
Teilnehmende der Konferenz
An der Konferenz nahmen Vertreter*innen der nationalen Kontaktstellen der European Youth Work Agenda (EYWA), der Nationalen Agenturen, Fachverbänden und Netzwerken der Jugendarbeit, Nichtregierungsorganisationen der Jugendarbeit sowie Trainer*innen, Expert*innen, Forschende und Vertreter*innen europäischer Jugendnetzwerke teil. Darüber hinaus beteiligten sich Vertreter*innen des Europarats sowie der EU-CoE Youth Partnership online mit Inputs und Fragerunden.
Die deutsche Delegation bestand aus Darko Mitevski, Leiter der Nationalen Kontaktstelle zur Umsetzung der EYWA in Deutschland; Frederike Hoffmann-van de Poll vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) und dem Forschungszweig von SNAC Growing Youth Work; Elke Führer von Jugend für Europa und Koordinatorin von SNAC Growing Youth Work sowie Jessica Reinsch, Bildungsreferentin für internationale Jugendarbeit bei der AGJF Sachsen – Uferlos.






