Bunte Filzbuchstaben, die das Wort "peace" formen, liegen auf einem Textil-Hintergrund, vermutlich aus Jute oder Sackleinen. Bunte Filzbuchstaben, die das Wort "peace" formen, liegen auf einem Textil-Hintergrund, vermutlich aus Jute oder Sackleinen.
Jugendpolitik weltweit

Empfehlung des Ministerkomitees des Europarates

Friedensbildung durch, mit und für junge Menschen

Am 8. Juli 2026 hat das Ministerkomitee des Europarats auf seiner 1566. Sitzung der Ministerdelegierten die Empfehlung CM/Rec(2026)11 über Friedensbildung durch, mit und für junge Menschen angenommen. Sie erstreckt sich auf formale, non-formale und informelle Bildung. Für die internationale Jugendarbeit entsteht damit ein neuer politischer Bezugsrahmen.

20.07.2026 / Natali Petala-Weber

Knapp einen Monat nach dem IJAB-Fachtag “From Local to Global: Friedensarbeit in der Internationalen Jugendarbeit” legt der Europarat die Empfehlung CM/Rec(2026)11 (Engl.: Recommendation of the Committee of Ministers to member States on peace education by, with and for young people) vor. Diese bietet auch für die internationale Jugendarbeit sowie für die internationale jugendpolitische Zusammenarbeit einen wesentlichen Orientierungsrahmen und umfasst - unter direkter Bezugnahme auf die Youth, Peace and Security Agenda (YPS) der Vereinten Nationen -  wichtige Aspekte, die auch beim Fachtag am 11. Juni 2026 in Bonn besprochen wurden, darunter: Jugendbeteiligung, politische Bildung, Erinnerungsarbeit, Sicherheit sowie die Forderung nach einer interdisziplinären Herangehensweise zwischen Politik, Pädagogik, Forschung und Praxis. 

Friedensbildung in non-formalen Lernräumen und in der Jugendarbeit

Der Entstehungsprozess der Empfehlung geht auf ein Konsultationstreffen der Jugendabteilung des Europarats im Januar 2023 im Europäischen Jugendzentrum in Straßburg zu “Renewing Peace Education in Intercultural Youth Activities” (Dt.: Friedensbildung in interkulturellen Jugendaktivitäten erneuern) zurück. An diesem Treffen nahmen 35 Expert*innen aus den Bereichen Friedensbildung und Konflikttransformation teil. Der Gemeinsame Rat für Jugendfragen (Engl.: Joint Council on Youth, CMJ) - das oberste Entscheidungsgremium für Jugendfragen im Europarat - beauftragte daraufhin eine Machbarkeitsstudie über eine Empfehlung zu Friedensbildung im non-formalen Lernen und Jugendarbeit, die Phill Gittins, Bildungskoordinator bei World BEYOND War, im Oktober 2024 vorlegte. Darin stellt er fest, dass bislang keine Empfehlung des Ministerkomitees das Thema Friedensbildung im non-formalen Lernen und in der Jugendarbeit zum Gegenstand hatte, und benennt sechs Ziele, die in Bezug auf Friedensbildung in der Jugendarbeit verfolgt werden sollten: Anerkennung, Tragfähigkeit, Zugänglichkeit, Umsetzung, Wirksamkeit und Wirkung von Initiativen der Friedensbildung in den 46 Mitgliedstaaten des Europarats und darüber hinaus (s. Gittins 2024: 4). 

Ab 2025 arbeitete eine Arbeitsgruppe (sog. Drafting Group) der Jugend- und Bildungsabteilungen des Europarats, des Erweiterten Teilabkommens über die Kulturrouten (Engl.: Enlarged Partial Agreement on Cultural Routes of the Council of Europe, EPA), des Beirats für Jugendfragen (Engl.: Advisory Council on Youth, CCJ), des Europäischen Lenkungsausschusses für Jugendfragen (Engl.: European Steering Committee for Youth, CDEJ), des Europäischen Jugendforums und ERYICA am Entwurf der Empfehlung. Dabei wechselte der Arbeitstitel im Verlauf von „Friedensbildung im non-formalen Lernen und in der Jugendarbeit" zu „Friedensbildung durch, mit und für junge Menschen". 

Wie Friedensbildung definiert wird

Der Geltungsbereich der Empfehlung erstreckt sich im verabschiedeten Text auf alle Bildungs-, Ausbildungs- und Lernsettings. Die Leitlinien beschreiben Friedensbildung als Lernen über, durch und für Frieden über alle Bildungsstufen und -kontexte hinweg. Sie umfasst Wissen und Fähigkeiten ebenso wie Haltungen, Werte und Dispositionen und richtet sich gegen Gewalt in allen Formen: direkte, strukturelle, kulturelle und digitale Formen von Gewalt.

Der Text verortet Friedensbildung als eigenständiges, zugleich komplementäres Feld neben politischer Bildung und Menschenrechtsbildung (EDC/HRE), Global Citizenship Education, interkultureller Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung. Als eigener Beitrag wird benannt, Lernende zu befähigen, jene kulturellen, strukturellen und relationalen Muster zu erkennen und kritisch zu bearbeiten, die eine Kultur des Krieges und der Gewalt aufrechterhalten.

Leitlinien zur Implementierung: die Rolle von Jugendarbeit 

Die Empfehlung wird durch einen Anhang mit Leitlinien ergänzt, die die Implementierung der Empfehlung unterstützen sollen: Sie dienen als praxisorientiertes Instrument für Politik, Bildner*innen, Jugendarbeiter*innen und anderen relevanten Akteur*innen. Absatz 4 der Leitlinien fokussiert die besondere Rolle von Jugendarbeit in Friedensbildung: Ihr Beitrag wird in der Verankerung in non-formaler Bildung und der Verbindung zu informellem Lernen beschrieben, in der Freiwilligkeit der Teilnahme, im Aufbau von Vertrauensbeziehungen sowie in der Schaffung sicherer und inklusiver Interaktionsräume, in denen junge Menschen Erfahrungen reflektieren, Spannungen navigieren und soziale wie emotionale Kompetenzen entwickeln können. Dabei werden alle Personen angesprochen, die solche non-formalen Lernräume gestalten: nicht nur hauptamtliche Jugendarbeiter*innen und pädagogische Fachkräfte, sondern auch ehrenamtliche Fachkräfte, Freiwillige sowie Eltern und Sorgeberechtigte im Allgemeinen. 

Über gemeinsames Erkunden, Peer-to-Peer-Lernen und kooperatives Problemlösen ermöglicht Jugendarbeit jungen Menschen, Kompetenzen für Frieden zu entwickeln und in der Praxis anzuwenden. Damit ergänzt sie die formale Bildung und stärkt junge Menschen als Rechtssubjekte, als Beitragende und als Akteur*innen des Wandels. 

CM/Rec(2026)11

Friedensbildung in der internationalen Jugendarbeit 

Absatz 24 bezieht sich konkret auf das Arbeitsfeld Internationale Jugendarbeit und das gleich an mehreren Stellen: Internationale Jugendbegegnungen und Mobilitätsprogramme werden als Katalysatoren für interkulturellen Dialog und Peacebuilding hervorgehoben und mit Qualitätsstandards und Anerkennungsrahmen verbunden. Darin wird empfohlen, Kompetenzen, die über non-formale Bildung und Mobilitätsprogramme erworben werden, über Validierungs-, Zertifizierungs- und Qualifikationsrahmen anzuerkennen. 

Sechs Handlungsstränge im Fokus der Empfehlung

Der operative Teil der Empfehlung benennt sechs Handlungsstränge: 

Die Machbarkeitsstudie hatte festgestellt, dass bislang nur wenige europäische Staaten über nationale Aktionspläne zur YPS-Agenda verfügen. 

Die Ergebnisse des Fachtags “From Local to Global: Friedensarbeit in der Internationalen Jugendarbeit" können an vielen Stellen mit der Empfehlung zu Friedensbildung durch, mit und für junge Menschen anschließen. Eine Fachpublikation zur Rolle der Internationalen Jugendarbeit in Friedensarbeit, die in 2027 veröffentlicht werden soll, könnte sich daher in sinnvoller Weise an den Leitlinien der Empfehlung orientieren. 

Weitere Informationen und Quellen

Über Jugendpolitik weltweit

Was international bewegt, was Europa prägt, was im Ländervergleich sichtbar wird: IJAB bündelt jugendpolitische Informationen, schafft Sichtbarkeit und sorgt für Wissenstransfer.

Eine Gruppe junger Leute posiert lächelnd auf einer gepflasterten Straße in einer städtischen Umgebung, manche zeigen Peace-Zeichen. Sie tragen winterliche Kleidung und Accessoires wie Mützen und Schals.
Über Youth Work weltweit

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