Jugendpolitik weltweit

Demokratie, shrinking spaces und internationale Jugendarbeit

Austausch und Vernetzung der Landesservicestellen

Wie kann Internationale Jugendarbeit in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung, knapper werdender Ressourcen und wachsender demokratischer Herausforderungen einen wichtigen Beitrag leisten? Mit dieser und weiteren Fragen beschäftigten sich die 18 Teilnehmenden des 17. Arbeitsgruppentreffens der Servicestellen für Internationale Jugendarbeit auf Landesebene am 17. und 18. Juni 2026 im CVJM-Tagungshaus in Kassel.

30.06.2026 / Kerstin Wondratschek

Das jährliche Treffen bietet den Landesservicestellen eine wichtige Plattform für fachlichen Austausch, gegenseitige Information und gemeinsame Weiterentwicklung der Internationalen Jugendarbeit vor Ort in den Bundesländern. Dementsprechend bilden bei jedem Treffen neben einem Schwerpunktthema auch die Berichte aus den Bundesländern einen zentralen Bestandteil des Programms, so auch in diesem Jahr. 

Democratic Youth Work und der Beitrag internationaler Jugendarbeit

Ein inhaltlicher Schwerpunkt wurde in diesem Jahr auf das Thema „Democratic Youth Work – Der Beitrag Internationaler Jugendarbeit“ gelegt. Ausgehend von aktuellen Entwicklungen, wie antidemokratischen Tendenzen, finanziellen Herausforderungen, gesellschaftlicher Polarisierung, wurde deutlich, dass Jugendarbeit und Internationale Jugendarbeit zunehmend unter Druck geraten. 

Die anschließende Diskussion zeigte, dass viele der anwesenden Servicestellen bereits Erfahrungen in ihren Bundesländern im Umgang mit antidemokratischen Kräften und Strukturen gemacht haben, wie z.B. mit Schmutzkampagnen, rechtsextremen Aussagen auf Veranstaltungen oder Aktionen, mit denen gezielt Ängste geschürt werden sollten. In Kleingruppen tauschten sie sich zu Lösungsstrategien und Erfahrungen aus und welchen demokratiefördernden Einfluss internationale Jugendarbeit haben kann. Positiv ist hierbei z.B. zu erwähnen, dass trotz politischer Umbrüche, die voraussichtlich in manchen Bundesländern nicht abzuwenden sind, die nationale und internationale Solidarität und Unterstützung unter den (europäischen) Partnern der Teilnehmenden groß ist, um zu versuchen zumindest den Status quo im Rahmen der Beziehungen zu erhalten. Bei einem möglichen Wechsel in den politischen Machtverhältnissen in Richtung rechtsextreme Parteien, steht in manchen Bundesländern voraussichtlich eine Finanznot in der internationalen Jugendarbeit bevor. Dies ist besorgniserregend, sowohl für den non-formalen als auch für den formalen Bildungsbereich.

Beispiele für Umgang mit antidemokratischen Kräften in den Bundesländern und Prävention

Ein Beispiel aus Oldenburg zeigt, wie in einem ehemaligen Bunker nationale mit internationaler Jugendarbeit durch verschiedene handwerkliche und kulturelle Projekte verbunden werden kann. Dieser geschichtsträchtige Ort wurde für die Jugendarbeit geöffnet, und schafft dadurch Raum für demokratische Aushandlungsprozesse und Themen, die in der lokalen Jugendarbeit und in der internationalen Jugendarbeit stattfinden. In diesem Zusammenhang wurde auch diskutiert, wie vermeintlich unpolitische und unbeaufsichtigte Räume, in denen Jugendliche sich aufhalten, von rechtsextremen Parteien besetzt wurden, um in der Vergangenheit Wählerstimmen zu gewinnen. Internationale Jugendarbeit hat das Potenzial in solche Bereiche hineinzuwirken und sie demokratisch zu besetzen.  

Als weitere Ideen im Umgang mit antidemokratischen Kräften im Umfeld der internationalen Jugendarbeit wurde erwähnt: 

Diskutiert wurde auch die Frage der Haltung: Wie geht man mit Jugendlichen um, die im Rahmen einer internationalen Maßnahme rechtsextreme Äußerungen tätigen? Wo liegt die Grenze zwischen Ausschluss oder aber Jugendlichen Gesprächsangebote zu machen, Dialoge ermöglichen und gerade diese Räume nicht versperren? Dies bleibt eine Herausforderung. 

Im Verlauf der weiteren Veranstaltung wurde viel Wert auf die Berichte aus den Bundesländern gelegt. Die Teilnehmenden informierten über aktuelle Entwicklungen, neue Projekte, Förderstrukturen, politische Rahmenbedingungen sowie Herausforderungen und Erfolge in ihren jeweiligen Arbeitskontexten. 

Zweiter Veranstaltungstag widmet sich auch europäischen Themen

Der zweite Veranstaltungstag stand im Zeichen aktueller Entwicklungen auf europäischer und bundespolitischer Ebene. Claudius Siebel von Jugend für Europa und Julia Weyer von der BAG OKJA stellten den deutschen Praxisprozess zur European Youth Work Agenda (EYWA) vor. Die BAG OKJA ist seit 1. Mai 2026 die neue nationale Kontaktstelle für EYWA und plant bis Ende 2028 Werkstattgespräche in verschiedenen Regionen in Deutschland durchzuführen. 

Im Weiteren wurden die Teilnehmenden über den Stand der neuen Programmgeneration Erasmus+ informiert sowie über aktuelle Entwicklungen aus dem BMBFSFJ und dem Beirat der EU-Jugendprogramme.

Abschluss und Ausblick auf die weitere Zusammenarbeit 

Zum Abschluss des Treffens wurde der hohe Stellenwert des regelmäßigen Austauschs dieses Netzwerks deutlich: Die Arbeitsgruppentreffen schaffen Raum für kollegiale Beratung, Wissenstransfer und gemeinsame fachpolitische Reflexion und die Teilnehmenden bestätigen, dass sie nach jedem Treffen bestärkt und motiviert mit neuen Ideen in die eigene Arbeit vor Ort zurückkehren. 

Das nächste Treffen des AG wird bereits im Dezember stattfinden. In der Runde wurde der Wunsch geäußert beim nächsten Termin, das Thema shrinking spaces nochmal aufzugreifen. Allerdings soll es einen Schritt weitergehen: alle sind sich einig, dass der zivilgesellschaftliche Raum enger wird, so dass Lösungsstrategien gefragt sind. Ein Blick über den Tellerrand soll ermöglichen, positive internationale Beispiele kennenzulernen, die antidemokratischen Tendenzen in der Jugendarbeit bereits etwas entgegensetzen konnten. 

 

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