Bereits in den Begrüßungen wurden die Stärke und Stabilität des Netzwerks hervorgehoben. Eurodesk zählt zu den verlässlichsten Netzwerken Europas. Auch die aktuellen Zahlen unterstreichen diese Entwicklung: Im vergangenen Jahr wurde erstmals die Marke von einer Million Beratungen seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 2007 erreicht. Damit konnten bereits eine Million junge Menschen in Deutschland bei der Planung von Auslandsaufenthalten unterstützt und ihnen dabei neue Perspektiven eröffnet werden. Den Großteil der Anfragen – rund 67% – beantworteten dabei die lokalen Eurodesk-Partner.
Potenzial von Jugendinformation weiter ausschöpfen
Der Einstieg in die Tagung war vor allem geprägt von der Vorstellung zahlreicher Neuigkeiten und Updates aus dem Feld der internationalen Lernmobilität. Hervorzuheben sind insbesondere die beiden Studien zur Jugendinformation und deren Rolle im Kontext von Lernmobilität, in die Eurodesk involviert war.
Dorothea Harles gab einen Überblick über den für Deutschland ausgewerteten Youth Info Survey 2025. Der Survey ist die seit mehreren Jahren von Eurodesk Brussels Link beauftragte und herausgegebene Online-Erhebung zu Mobilität und der Rolle der Jugendinformation. Takeaways für die befragte Gruppe der Jugendlichen in Deutschland sind: 98% der Befragten sind offen für einen Auslandsaufenthalt. Deutsche Jugendliche möchten im Ausland vor allem reisen, am liebsten für 3 und 6 Monate. Keine Zeit zu haben ist der größte Hinderungsgrund, keinen Auslandsaufenthalt zu machen. Neue Erfahrungen hingegen motivieren Jugendliche. Bei der Suche nach Informationen stehen Videos, Bildungseinrichtungen, spezielle Webseiten wie www.rausvonzuhaus.de, Peers, soziale Medien und die Familie ganz weit oben. Die Ergebnisse der Auswertung für Deutschland werden in Kürze veröffentlicht.
Johanna Kuchem stellte ihre Masterarbeit vor, die sich um Jugendinformation als Schlüssel zu internationaler Lernmobilität drehte. Die Ergebnisse zeigen unter anderem, dass eine längerfristige Nutzung von Eurodesk-Angeboten mit einem höheren Kenntnisstand zu verschiedenen Mobilitätsformaten verbunden ist und dazu beiträgt, gängige Vorannahmen abzubauen. Insbesondere bei jungen Menschen ohne akademischen Bildungshintergrund der Eltern wird erkennbar, dass durch direkten Kontakt in der Informationsarbeit bestehende Ungleichheiten abgebaut werden können. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass Eurodesk überwiegend formal höher gebildete Jugendliche erreicht und damit vor allem jene stärkt, die bereits durch ein mobilitätsnahes Umfeld über günstige Zugangsvoraussetzungen verfügen.
Beide Studien zeigen ähnliche Ergebnisse: Jugendinformation hat ihr Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft. Es gilt weiter daran zu arbeiten, alle jugendlichen Zielgruppen zu erreichen und ihnen Perspektiven für einen Auslandsaufenthalt aufzuzeigen, d.h. für das Netzwerk, weiter auf Messen und Flyer zu setzen sowie auf zentrale Webseiten und Social-Media-Kanäle wie rausvonzuhaus zu verweisen. Zielgruppen wie Eltern und Peers sollten in Zukunft mehr angesprochen und einbezogen werden, um junge Menschen zu erreichen.
Praxisbeispiele in Workshops weiter vertieft
Die zunächst im Rahmen eines „Good Practice Pitch“ vorgestellten Themen wurden im Anschluss in verschiedenen Workshops weiter vertieft und engagiert diskutiert. Unter anderem stellten Anyu Jiang und Günther Bressau von der TU München KI-Tools in der (internationalen) Jugendarbeit vor, die auf Bedarfe der Partner im deutschen Eurodesk-Netzwerk zugeschnitten sind. Jiang hatte anhand einer Umfrage im Vorfeld der Jahrestagung eben diese Bedarfe ermittelt. Sie ermutigte dazu, die Tools in der Praxis auszuprobieren. Die Tools wurden im Rahmen des Erasmus+-Projekts AI Youth Work Navigator gesammelt und getestet. Im Workshop zu Shrinking Spaces diskutierten die Teilnehmenden über den Beitrag, den Internationale Jugendarbeit zur Demokratiestärkung leisten kann. Robert Helm-Pleuger forderte die Anwesenden auf, sich untereinander mehr zu vernetzen, unter anderem über Social Media, um so auch die Sichtbarkeit des Arbeitsfeldes zu stärken.
Ein weiterer Workshop drehte sich um die perspektivische Zusammenarbeit im Netzwerk, um Jugendliche, unter anderem auch im ländlichen Raum, noch besser über Auslandsaufenthalte zu informieren. Außerdem erhielten die Partner im Workshop zu Schulaufenthalten einen umfassenden Überblick über individuelle Schulaufenthalte im Ausland.
Podium: Wie geht es mit Erasmus+ weiter und was bedeutet das für die Jugendinformation bzw. Eurodesk?
Dieser Frage stellten sich vier Podiumsgäste: Axel Stammberger (Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend), Manfred Hebel (kommiss. Leiter der Nationalen Agentur JUGEND für Europa), Barbara Tham (CAP, LMU München) sowie Anastazja Zydor (Jugendbildungsstätte Unterfranken). Der Tenor bei allen: Das Programm Erasmus+ verspricht Kontinuität, bietet große Chancen und die Hoffnung, dass Teilaspekte wie Niedrigschwelligkeit und Inklusion sowie Diversität erhalten und weiter vorangetrieben werden. Das Programm ist unverzichtbar, wenn es darum geht, die Werte der Europäischen Union zu fördern, Bürgerbeteiligung zu unterstützen und die europäische Identität zu stärken. Die Frage nach dem Budget bleibt wohl bis zum Ende der Verhandlungen spannend.
Wichtig für Eurodesk: Das Netzwerk wird ein fester Bestandteil im Kontext der Beratungsleistungen zu Erasmus+ bleiben. Unter anderem gilt es, die Wahrnehmung Jugendlicher für bestimmte Bereiche und Programmteile zu schärfen und Träger stärker in die Ansprache von Jugendlichen einzubinden. Eine der Kernfragen für die neue Programmgeneration, der sich das Netzwerk in Deutschland auch zukünftig stellen muss, ist, wie Jugendinformation Jugendliche erreichen kann, die sich zu antidemokratischen Tendenzen hingezogen fühlen. Aber, wie es eine Teilnehmerin der Jahrestagung ausdrückte, „Aufgeben ist keine Option“.
30 Jahre Eurodesk Deutschland
Ein Höhepunkt der Jahrestagung war die Feier anlässlich des 30-jährigen Bestehens von Eurodesk in Deutschland. Gemeinsam mit den Eurodesk-Partnerorganisationen wurde auf der Bonner Godesburg gefeiert. Jede einzelne Partner-Organisation wurde für ihr Engagement im Netzwerk geehrt und mit einer Urkunde ausgezeichnet. Alles in allem ein gelungener Abend, der in Erinnerung bleibt!
Ausblick
In der weiteren Arbeit sieht Eurodesk Deutschland den Aufbau eines Bereichs Wissensmanagement vor. Hier sollen die Partnereinrichtungen zukünftig alles Relevante rund um Auslandsaufenthalte finden können. Eurodesk plant die Teilnahme an der Europäischen Jugendwoche, die vom 24. April bis 1. Mai 2026 stattfindet.






























