Internationale Lernmobilität gilt als zentrales Instrument, um junge Menschen auf die Anforderungen einer globalisierten Gesellschaft vorzubereiten. Insbesondere Lernmobilitätsangebote der non-formalen Bildung – wie internationale Jugendbegegnungen, Workcamps oder Freiwilligendienste – zielen darauf ab, junge Menschen unabhängig von sozialem oder bildungsbezogenen Hintergrund Lernerfahrungen im internationalen Kontext zu ermöglichen.
Gleichzeitig zeigen zahlreiche Studien, dass der Zugang zu entsprechenden Angeboten in der Praxis keineswegs gleich verteilt ist. Informationsdefizite, Unsicherheiten, Vorurteile gegenüber Auslandsaufenthalten sowie fehlende Unterstützung im sozialen Umfeld stellen für viele Jugendliche zentrale Barrieren dar. Insbesondere junge Menschen aus nicht-akademischen oder sozial benachteiligten Kontexten nehmen Angebote internationaler Lernmobilität deutlich seltener wahr, obwohl sie von deren Wirkungen in besonderem Maße profitieren könnten.
Das Arbeitsfeld der Jugendinformation kann hier eine Schlüsselrolle übernehmen. Jugendinformationsdienste verfolgen das Ziel, jungen Menschen unabhängig von ihrem Hintergrund Orientierung zu bieten und sie zu selbstbestimmten Entscheidungen zu befähigen. Jedoch ist die Wirkung von Jugendinformation bislang nur in geringem Umfang empirisch untersucht worden. Die Studie Jugendinformation als Schlüssel zu internationaler Lernmobilität. Ergebnisse einer Online-Befragung unter den Newsletterabonnent*innen von Eurodesk Deutschland von Johanna Kuchem greift diese Forschungslücke auf und untersucht die Bedeutung von Jugendinformation für den Zugang zu internationaler Lernmobilität am Beispiel von Eurodesk Deutschland.
Informationen zur Online-Befragung
- Erhebungszeitraum: August bis September 2024
- Anzahl gültiger Antworten: 3.474
- Zielgruppe: Abonnent*innen des rausvonzuhaus-Newsletters zwischen 16 und 30 Jahren
Zentrale Ergebnisse der Studie
Die Ergebnisse bestätigen die Bedeutung von Jugendinformation für den Zugang zu internationaler Lernmobilität:
- Eine längerfristige Nutzung der Informationsangebote von Eurodesk Deutschland geht mit einem höheren Kenntnisstand zu Mobilitätsformaten einher und trägt zum Abbau verbreiteter Vorurteile gegenüber Auslandsaufenthalten bei.
- Der Kontakt mit Eurodesk Deutschland wirkt sich positiv auf Interesse und Motivation zur Teilnahme an internationaler Lernmobilität aus.
- Besonders deutlich sind diese Effekte bei jungen Menschen ohne akademisch vorgebildete Eltern. Die Studie weist damit auf einen sozialen Ausgleichseffekt von Jugendinformation hin.
Gleichzeitig macht die Untersuchung deutlich, dass Eurodesk Deutschland bislang vor allem formal höher gebildete junge Menschen erreicht. Zielgruppen, die in der Teilnahme an Lernmobilität unterrepräsentiert sind, profitieren bislang weniger von den Angeboten.
Fazit
Die Studie unterstreicht die Relevanz von Jugendinformation als unterstützende Struktur für Bildungs- und Teilhabechancen junger Menschen. Sie zeigt, dass Information und Beratung dazu beitragen können, Wissenslücken zu schließen, Vorannahmen abzubauen und Entscheidungsprozesse zu stärken.
Zugleich verweisen die Ergebnisse auf bestehenden Handlungsbedarf: Um ihr Potenzial zur Förderung von Chancengleichheit besser auszuschöpfen, bedarf es einer stärkeren strukturellen Verankerung von Jugendinformation sowie gezielter Strategien zur Ansprache bislang weniger erreichter Zielgruppen.
Publikation kostenlos verfügbar
Die Publikation ist im IJAB-Bestellservice kostenfrei zugänglich:
- als digitale Leseversion
- als PDF zum Download
- sowie als gedrucktes Exemplar
Sie richtet sich an Fachkräfte der Jugendinformation und internationalen Jugendarbeit, an Wissenschaft und Politik sowie an alle, die sich mit Fragen von Bildungs- und Teilhabegerechtigkeit im Kontext internationaler Mobilität befassen.



