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Jugendinformation als Schlüssel zu internationaler Lernmobilität
Abstract
Internationale Lernmobilität gilt als wesentliches Instrument, um jungen Menschen interkulturelle Kompetenzen, berufliche Perspektiven und gesellschaftliche Teilhabe zu eröffnen. Dennoch sind viele Jugendliche von einer Teilnahme ausgeschlossen, wobei Informationsdefizite und vorurteilsbehaftete Narrative zentrale sogenannte diskursive Barrieren darstellen. Jugendinformationsdienste können hier eine Schlüsselrolle übernehmen, indem sie Wissen bereitstellen, Orientierung geben und Entscheidungskompetenz fördern. Vor diesem Hintergrund richtet die Arbeit den Fokus auf das europäische Jugendinformationsnetzwerk Eurodesk und untersucht, inwiefern dessen Angebote den Zugang zu Lernmobilität verbessern und welche Gruppen davon besonders profitieren.
Grundlage der Untersuchung ist eine quantitative Online-Befragung der Newsletterabonnent*innen von Eurodesk Deutschland mit einer Stichprobe von 3.474 Personen. Die Datenerhebung erfolgte mittels standardisierter Fragebögen, ausgewertet wurden deskriptive und bivariate Zusammenhänge zwischen der Nutzung von Informations- und Beratungsangeboten, dem Wissen über Mobilitätsmöglichkeiten sowie der tatsächlichen Teilnahmebereitschaft und Teilnahmeerfahrung.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass eine längerfristige Nutzung von Eurodesk-Angeboten mit einem höheren Kenntnisstand zu verschiedenen Mobilitätsformaten verbunden ist und dazu beiträgt, gängige Vorannahmen abzubauen. Zudem wirkt sich der Kontakt positiv auf das Interesse und die Motivation zur Teilnahme aus. Besonders bei jungen Menschen ohne akademischen Bildungshintergrund der Eltern lassen sich deutliche Effekte erkennen, wodurch Informationsarbeit zur Verringerung bestehender Ungleichheiten beitragen kann. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass Eurodesk überwiegend formal höher gebildete Jugendliche erreicht und damit vor allem jene stärkt, die bereits durch ein mobilitätsnahes Umfeld über günstige Zugangsvoraussetzungen verfügen.
Insgesamt bestätigt die Arbeit die Relevanz von Jugendinformation als unterstützende Struktur, die Wissen vermittelt, Entscheidungskompetenz stärkt und Teilhabechancen verbessert. Allerdings bleibt der Zugang für benachteiligte Zielgruppen eingeschränkt, sodass eine stärkere strukturelle Verankerung von Jugendinformation sowie eine gezielte Ansprache notwendig sind. Die Untersuchung leistet damit einen wichtigen Beitrag zur bislang wenig erforschten Rolle von Jugendinformation, unterstreicht die Bedeutung von Informationsdiensten für Bildungsgerechtigkeit und internationale Teilhabe und macht zugleich weiteren Forschungs- und politischen Unterstützungsbedarf deutlich.