Die Ausgabe 2026 des OECD-Berichts “Digital Education Outlook” beschäftigt sich mit neuen Forschungsergegbnissen in Bezug auf die Anwendung generativer KI in Bildung. Die Ausgabe 2026 bündelt wissenschaftliche Evidenz und Expert*inneneinschätzungen und analysiert, inwieweit generative KI das Potenzial hat, die Qualität und Wirksamkeit von Lernen sowie die Produktivität von Bildungssystemen zu verbessern. Zu den möglichen Errungenschaften gehören die Verbesserung des Lernens von Schüler*innen, die Unterstützung der Leistung von Lehrkräften bei gleichzeitiger Wahrung ihrer professionellen Autonomie, die Stärkung von Bildungssystemen sowie institutioneller und wissenschaftlicher Kapazitäten.
Für Schüler*innen kann generative KI personalisiertes Lernen über intelligente Tutoringsysteme in großem Maßstab ermöglichen, auch in Umgebungen mit geringer Infrastruktur. Generative KI kann außerdem den Wissenserwerb unterstützen, indem sie kollaboratives Lernen ermöglicht und Kreativität fördert. Allerdings zeigen Befunde, dass eine zu starke Abhängigkeit von generativen KI-Tools, die direkte Antworten liefern, das aktive Engagement von Schüler*innen verringern kann: Die Aufgabenergebnisse verbessern sich zwar, jedoch ohne dass es zu entsprechenden Lernzuwächsen kommt. Wird generative KI als Tool zur Zeitsparung anstatt als Lernwerkzeug eingesetzt, kann sie kognitive Anstrengung vermindern und die Fähigkeiten schwächen, die vertieftes Lernen ermöglichen.
Für Lehrkräfte kann generative KI sowohl die Produktivität als auch die Unterrichtsqualität erhöhen. Im OECD-Bericht wird z. B. dargestellt, dass Lehrkräfte der Naturwissenschaften in der Sekundarstufe in England im Schnitt 31% weniger Zeit aufwenden für die Planung von Unterricht und für die Erstellung von Materialien aufwenden. Gleichzeitig bestehen weiterhin Bedenken, dass eine Überabhängigkeit von KI die Autonomie und Professionalität von Lehrkräften untergraben, ethische Risiken erhöhen und bei umfassendem Einsatz - etwa für Benotung, Feedback oder Unterrichtsplanung - die professionellen Fähigkeiten von Lehrkräften ausgehöhlt werden könnten.
Im OECD-Bericht wird daher eine Neuausrichtung zu generativen KI-Systemen für die Bildung gefordert, die gemeinsam mit Lehrkräften entwickelt werden und ihnen ermöglichen, die Interaktionen der Schüler*innen mit generativer KI zu beobachten und deren Einsatz im Lernen aktiv mitzugestalten. Um das Potenzial von KI im Bildungsbereich zu nutzen, müssten politische Entscheidungsträger*innen die damit verbundenen Risiken, etwa in Bezug auf Zugang, Datenschutz, Ethik und Bias, durch politische Handlungsrahmen mindern und steuern.
Der Bericht ist ein Ergebnis des Projekts „Smart Data and Digital Technology in Education: AI, learning analytics and beyond“ des OECD-Zentrums für Bildungsforschung und Innovation (CERI) innerhalb der OECD-Direktion für Bildung und Kompetenzen (EDU).
Der Bericht ist als PDF verfügbar unter folgendem Link: Digital Education Outlook 2026.
Quelle: OECD