Gastfamilienstudie 2025

Ergebnisse bundesweiter Befragung

Ideelle Motive überwiegen, Wohnraum ist die größte Hürde: Die bundesweite Studie von Experiment e. V. und der Universität zu Köln hat mehr als 1.000 Menschen zu ihrer Motivation befragt, Gastfamilie zu werden. Die Ergebnisse zeigen, welche Sorgen potenzielle Gastfamilien haben und welche sich in der Praxis nicht bestätigen.

01.09.2026 / Redaktion: Natali Petala-Weber
Eine Person fotografiert eine Gruppe von vier Menschen, die sich lächelnd vor einem hölzernen Lattenzaun aneinander schmiegen. Im Hintergrund steht ein Haus. Eine Person fotografiert eine Gruppe von vier Menschen, die sich lächelnd vor einem hölzernen Lattenzaun aneinander schmiegen. Im Hintergrund steht ein Haus.

Der internationale Jugend- und Schüleraustausch lebt vom ehrenamtlichen Engagement von Gastfamilien – doch Familien dafür zu gewinnen, wird zunehmend schwieriger. Experiment e. V. hat deshalb gemeinsam mit Dr. Markus Gamper von der Universität zu Köln eine bundesweite Studie mit mehr als 1.000 Befragten durchgeführt. Untersucht wurde, was Menschen motiviert, Gastfamilie zu werden, welche Hürden sie davon abhalten und wie sich mehr Familien für dieses Engagement gewinnen lassen.

Die Ergebnisse zeigen: Ideelle Motive stehen klar im Vordergrund. Aktive wie potenzielle Gastfamilien sehen den größten Mehrwert im interkulturellen Austausch, in Toleranz, Perspektivwechsel und einem Beitrag zu einem friedlichen Miteinander. Die größte praktische Hürde ist verfügbarer Wohnraum – ein freies Zimmer erhöht die Wahrscheinlichkeit deutlich, weshalb Gastfamilien in ländlichen Regionen häufiger vertreten sind als in Großstädten. Die finanzielle Situation wirkt vor allem als Eintrittshürde: Haushalte mit einem monatlichen Nettoeinkommen unter 2.000 Euro engagieren sich signifikant seltener. Familien mit Migrationsgeschichte sind bislang unterrepräsentiert, obwohl sie wertvolle interkulturelle Erfahrungen einbringen könnten. Bemerkenswert ist zudem, dass Befürchtungen hinsichtlich Privatsphäre, kultureller Konflikte oder Alltagsbelastung bei Interessierten deutlich größer ausfallen, als die tatsächlichen Erfahrungen aktiver Gastfamilien es nahelegen. Eigene Auslandserfahrung hat dagegen keinen signifikanten Einfluss auf die Entscheidung.

Die Studie empfiehlt unter anderem, Informations- und Beratungsangebote auszubauen, finanzielle Belastungen transparenter zu kommunizieren, neue Wohnmodelle zu entwickeln, Gastfamilien bei Verwaltungsaufgaben zu entlasten und ihre gesellschaftliche Anerkennung zu stärken. Der AJA – Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustausch sieht sich darin bestätigt: Mit der AJA-Gastfamilienkampagne werben mehr als 100 Politiker*innen aus Europa, Bund, Ländern und Kommunen als Botschafter*innen für die Anerkennung dieses Engagements; Einladungen in den Bundestag und in Landtage haben den Dialog zwischen Gastfamilien und Politik angestoßen. 

Die vollständigen Ergebnisse sind online verfügbar unter: Gastfamilienstudie 2025

Quelle: AJA – Arbeitskreis gemeinnütziger Jugendaustausch