Einsatzstelle
World Relief ist eine Resettlement Agency, die sich auf die Integration von Flüchtlingen und Asylsuchenden in die US-amerikanische Gesellschaft spezialisiert hat. Die Organisation bietet umfassende Unterstützung in verschiedenen Bereichen, darunter Case Management, Wohnungsbeschaffung, Arbeitsvermittlung und Sprachförderung. Ziel ist es, insbesondere benachteiligte Menschen auf ihrem Weg zur Selbstständigkeit zu begleiten und ihnen langfristige Perspektiven zu eröffnen.
Während meines Einsatzes konnte ich die Arbeitsweise der Organisation kennenlernen und wertvolle Einblicke in die Struktur und den Alltag einer Resettlement Agency gewinnen. Besonders beeindruckt hat mich die strategische Herangehensweise an soziale Arbeit und die effiziente Nutzung von Technologie zur Unterstützung der Klienten.
Tätigkeitsbereiche und Aufgaben
In meinem Praktikum bei World Reliefwar ich in mehrere Projekte eingebunden, die mir sowohl fachlich als auch persönlich wertvolle Erfahrungen ermöglichten. Ein zentraler Bestandteil meiner Arbeit war die Entwicklung eines Self-Sufficiency-Plans für eine Klientin. Dieses Instrument, das dem deutschen Hilfeplanverfahren ähnelt, diente dazu, ihre Stärken und Ressourcen zu analysieren und konkrete Schritte für ein unabhängiges Leben zu planen. Die Erstellung dieses Plans erforderte nicht nur Einfühlungsvermögen, sondern auch analytische Fähigkeiten, um realistische und umsetzbare Ziele zu formulieren.
Ein weiteres wichtiges Projekt war die Konzipierung und Umsetzung eines wöchentlichen Programms für die Afghan's Men Group, das sich an männliche Flüchtlinge richtete. Ziel des Programms war es, den Teilnehmern sowohl praktische Fähigkeiten als auch soziale Kompetenzen zu vermitteln, die ihnen den Alltag in den USA erleichtern. Mit über 15 Teilnehmern war es eine Herausforderung, die individuellen Bedürfnisse und Erwartungen zu berücksichtigen, aber das positive Feedback der Gruppe zeigte den Erfolg des Projekts.
Ein anderer Aspekt meiner Tätigkeit war die Zusammenarbeit mit dem Dolmetscherservice Boostlingo, um sprachliche Barrieren bei der Kommunikation mit Klienten zu überwinden. Diese Erfahrung zeigte mir, wie wichtig professionelle Übersetzungsdienste für eine effektive Betreuung sind, insbesondere in einem so multikulturellen Umfeld.
Zusätzlich war ich an der Durchführung von Case File Reviews beteiligt, um die Einhaltung von Richtlinien und Standards zu gewährleisten. Diese Aufgabe ermöglichte mir, die Bedeutung von Genauigkeit und Dokumentation in der Sozialarbeit besser zu verstehen.
Die enge Zusammenarbeit mit meiner Supervisorin bot mir die Möglichkeit, meine eigenen Erfahrungen und Kompetenzen einzubringen. Regelmäßige Reflexionsgespräche halfen mir, die Unterschiede zwischen deutscher und amerikanischer Sozialarbeit besser zu verstehen und voneinander zu lernen. Besonders geschätzthabe ich die offene Feedbackkultur, die es mir erlaubte, auch Themen wie Teamdynamiken und Einstellungsprozesse anzusprechen, ein Bereich, in dem ich aus meiner früheren Leitungserfahrung in Deutschland bereits Kenntnisse mitbrachte.
Erfahrungen im Alltag
Mein Alltag abseits des Job-Shadowings war geprägt durch das Leben in einer herzlichen Gastfamilie, bestehend aus Mutter, Vater und einem Teenager. Die Gastfreundschaft und Offenheit der Familie halfen mir, mich schnell einzuleben und die US-amerikanische Kultur besser zu verstehen.
Besonders bereichernd war das gemeinsame Beten, das nicht nur ein Ausdruck von Gemeinschaft, sondern auch eine Möglichkeitwar, kulturelle und spirituelle Unterschiede zu reflektieren. Ein weiteres Highlight war das wöchentliche Kochen deutscher Gerichte mit meinem Gastbruder, das nicht nur ein Stück Heimat, sondern auch viel Spaß und gegenseitiges Lernen mit sich brachte.Die Integration von Felix, einem weiteren TraX-Teilnehmer, in das Familienleben war eine zusätzliche Bereicherung. Gemeinsam unternahmen wir Ausflüge und tauschten uns über unsere Erfahrungen im Programm aus.Trotz der herzlichen Aufnahme war die Eingewöhnung nicht immer einfach. Besonders in den ersten Wochen fühlte ich mich manchmal einsam, da mein gewohntes soziales Netzwerk fehlte. Doch die Offenheit und Wärme meiner Gastfamilie halfen mir, diese Hürde zu überwinden.
Reflexion
Während meines Aufenthalts in den USA konnte ich deutliche Unterschiede zwischen der Sozialarbeit in Deutschland und den USA feststellen. In Deutschland liegt der Fokus stärker auf langfristiger Betreuung und präventiven Maßnahmen. Das System bietet umfassende Unterstützung, die darauf abzielt, Klienten nicht nur bei der akuten Bewältigung von Herausforderungen zu helfen, sondern auch langfristige Stabilität zu fördern. Im Gegensatz dazu verfolgt die US-amerikanische Sozialarbeit einen pragmatischeren Ansatz, der klar auf Selbstständigkeit und schnelle Integration in den Arbeitsmarkt ausgerichtet ist.
Eine der prägendsten Erfahrungen war der Umgang mit einem Klienten, der mich aus Unwissenheitmit einem Hitlergruß begrüßte. Diese Situation war für mich zunächst ein emotionaler Schock, doch sie bot mir die Möglichkeit, meine interkulturellen Kompetenzen anzuwenden. Durch eine ruhige Erklärung konnte ich die kulturellen Unterschiede aufzeigen und Verständnis schaffen. Diese Erfahrung hat mich gelehrt, wie wichtig es ist, Intention und Wirkung zu trennen und in solchen Momenten ruhig und lösungsorientiert zu bleiben.
Ich nehme viele wertvolle Ansätze für meine Arbeit in Deutschland mit, insbesondere den verstärkten Einsatz von Monitoring-Tools und die konsequente Förderung von Eigenverantwortung. Gleichzeitig hat mir diese Erfahrung gezeigt, wie wichtig Offenheit und Respekt im interkulturellen Austausch sind.
Mein Ausflugstipp für einen Roadtrip
Ein Roadtrip um den Lake Michigan gehört zu den Highlights meines Aufenthalts. Ich empfehle, ein Auto zu mieten und in den Nationalparks entlang der Strecke zu campen. Die Kombination aus beeindruckender Natur, der Weite des Sees und den charmanten Städten entlang der Route machtdiese Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis.

